Diskussion um Straßennamen geht weiter
„Wilhelm Busch war ebenfalls ein Antisemit“

Ahlen -

Bewusst ohne Entscheidung ließ der Schul- und Kulturausschuss das Thema „Umbenennung von Straßen“. Der Bürgermeister will auf jeden Fall daran festhalten, wie er eingangs der Diskussion bekräftigte. Es gab aber auch andere Stimmen – zum Beispiel aus FWG- und BMA-Reihen.

Mittwoch, 11.12.2013, 09:12 Uhr

Als „Dauerbrenner“ bezeichnete Die ter Thiede das Thema Straßenumbenennungen. Seit drei Jahren, so der Vorsitzende des Schul- und Kulturausschusses , stehe es immer wieder auf der Tagesordnung. Auch bei der Sitzung am Dienstag sorgte es für einigen Zündstoff.

Fachbereichsleiter Christoph Wessels legte erneut dar: Die Stadtverwaltung plant aufgrund der Ergebnisse einer Arbeitsgruppe, vier Straßen im Stadtgebiet umzubenennen. Die Namensgeber von Friedrich-Castelle-Weg, Agnes-Miegel-Straße , Karl-Wagenfeld-Platz und Pfitznerweg haben demnach eine Nähe zum NS-Regime gehabt (die „AZ“ berichtete).

„Ich finde es unerträglich, dass diese Namen auf unseren Straßenschildern stehen“, wurde Bürgermeister Benedikt Ruhmöller deutlich. Es gehe nicht darum, die Leute im Nachhinein abzustrafen. „Wir sehen aber Gründe, ihnen einen gewissen Grad der Würdigung abzuerkennen. Die Erinnerung an die Gräuel der Nazizeit und das Erbe von Imo Moszkowicz nehmen uns hier in die Pflicht.“ Er halte eine Umbenennung für das einzig Richtige. Zugleich ließ Ruhmöller den Namen Wilhelm Busch von der Liste der bereits vorgeschlagenen Alternativpaten streichen: „Das war nicht nur der lustige Autor und Karikaturist. Das war auch ein Antisemit“, so der Bürgermeister. „Die Stadt will Verdienste würdigen und die Namensgeber sollten Vorbilder sein.“

Heinrich Artmann (FWG) widersprach: „Die Mehrheit der Anwohner hat sich gegen eine Umbenennung ausgesprochen. Das ist ein klarer Auftrag an uns, denn wir machen Politik für die Bürger.“ Artmann forderte dazu auf, die aktuelle Abstimmungsvorlage ad acta zu legen. „Wir können die Furchtbarkeit des Naziregimes nicht auf diese Namen zurückführen.“

Das wollte Kathrin Sommer (CDU) nicht so stehen lassen: „Die Anwohner haben nicht ein Argument hervorgebracht, das für eine Beibehaltung der Namen spricht.“ Für ihren Parteikollegen Ralf Kiowsky ist die Diskussion noch längst nicht abgeschlossen. Er kündigte an, die Straßennamen noch intensiv in der Fraktion zu behandeln, bevor entschieden wird. Gaby Duhme (SPD) hielt fest, dass es genug Zeit gab, sich mit dem Thema zu befassen. Sie finde die Aufarbeitung gut, respektiere aber auch gegensätzliche Meinungen.

„Wenn man in dieser Frage Stellung nimmt, muss man gehörig aufpassen, nicht in eine bestimmte Ecke gestellt zu werden“, sagte Alfred Thiemann (BMA). Er forderte dazu auf, Maß zu halten. Es seien aus der Bürgerschaft durchaus viele Argumente zu lesen und zu hören gewesen, die nachvollziehbar sind und nicht allein auf Bequemlichkeit beruhten. „Menschen wie Agnes Miegel mögen in gewissen Punkten angreifbar sein, aber wer eine Umbenennung beschließt, spricht indirekt eine Ächtung aus.“ Das führe nicht weiter und die Vergehen der Betroffenen wögen seiner Meinung nach nicht so schwer, dass man nicht auch damit leben könne.

(Ausführlicher Bericht in der Mittwochsausgabe der „Ahlener Zeitung“).

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