Geplanter Abriss der Fabrikantenvilla von Herding & Mentrup
Wieder eine Nacht- und Nebelaktion?

Ahlen -

Nicht so ohne Weiteres will sich die Politik damit abfinden, dass im Zuge eines Bauvorhabens am Lütkeweg die Villa der Industriellenfamilie Mentrup unter die Abrissbirne kommen soll. Im Schul- und Kulturausschuss formierte sich erster Protest.

Dienstag, 04.03.2014, 08:03 Uhr

Das Thema stand nicht explizit auf der Tagesordnung. Dennoch entlud sich der Frust der Kulturpolitiker über den geplanten Abbruch der Fabrikantenvilla Mentrup am Lütkeweg Montagnachmittag in der Sitzung des Schul- und Kulturausschusses, obwohl dieser formal gar nicht zuständig ist. Bei der Beratung über die Mittel für Denkmalschutz und Denkmalpflege im Haushalt 2014 stellte Wigand Busse ( Linkspartei ) den Antrag, die Industriellen-Villa unter Denkmalschutz zu stellen. Mit einem Anflug von Resignation stellte Busse fest: „In Ahlen wird ja gerne mal schnell abgebrochen.“

Auf diese Weise Fakten zu schaffen, wollten die Mitglieder des Ausschusses allerdings nicht. Vorsitzender Dieter Thiede verwies darauf, dass das Thema tags darauf im Stadtentwicklungsausschuss behandelt würde. Gleichwohl machten auch die anderen Mitglieder des Gremiums keinen Hehl aus ihrem Unmut. So vermisste Gabi Duhme (SPD) eine entsprechende Information über das geplante Gesundheits- und Demenzzentrum im zuständigen Sozialausschuss. Die Villa sei sicherlich denkmalwürdig, auch wenn das Landesamt für Denkmalpflege in einem Gutachten vom 12. Dezember zu einem anderen Urteil gekommen ist.

Auch Alfred Thieman (BMA) sprach sich gegen einen Abriss aus und bedauerte in diesem Zusammenhang, dass es in Ahlen kein Bewusstsein für die Pflege des Stadtbildes gebe. Genau das sei aber notwendig, um solche unerwünschten Entwicklungen zu vermeiden. Kämmerin Karin Rodeheger nahm Stadtbaurat Andreas Mentz in Schutz, der sich bis zuletzt für eine Erhaltung der Villa eingesetzt habe.

Ganz wollte Petra Pähler-Paul (Bündnis 90 / Die Grünen) den Schwarzen Peter nicht der Verwaltung zugeschoben wissen, indem sie darauf hinwies, dass das Thema bereits einmal in der „Interfraktionellen Runde“ angesprochen worden sei.

Zu Wort meldete sich inzwischen auch Heinrich Schwippe, der vor einem Abbruch warnte. Der Denkmalbeauftragte der Stadt, der sein Ehrenamt aus Verärgerung über das Verhalten der Stadt in früherer Zeit ruhen lässt, weist mahnend darauf hin, dass es nur noch ganz wenige dieser Zeugnisse des Industriellen-Wohnens im Stadtgebiet gibt. Nach dem Abriss der Kerkmann‘schen Villa gebe es in dieser Größenordnung nur noch die Villa im Kühl, Beumer und Buschhoff. In anderen Städten verpflichte man Investoren zumindest, die Fassade zu erhalten. Aber selbst dazu sehe sich die Stadt nicht in der Lage. Schwippe äußerte Kritik an der Haltung des Denkmalamtes, das seine Ablehnung der Un­terschutzstellung mit Umbauten des Hauses begründet, dessen Ar­chitektur angeblich nur wenig vom Originalzustand erkennen lasse. „Das zeigt doch vielmehr, wie die Bewohner ihre Anforderungen an sich verändernden Wohnkomfort immer wieder den Gegebenheiten angepasst haben“, so Schwippe. Mit dem geplanten Abriss verschwinde ein prägendes Gebäude am Lütkeweg, das für ein wichtiges Kapitel der Industrie- und Wirtschaftsgeschichte in Ahlen stehe.

„Über solche Themen wird in Ahlen ja leider nicht gesprochen“, bedauerte Heinrich Schwippe, der sich zudem fragt, was eigentlich der Gestaltungsbeirat zu der Frage sage. Er habe den Eindruck, dessen Stellungnahmen würden wie eine geheime Kommandosache behandelt. Protokolle bekäme man ohnehin nicht zu Gesicht.

 

„In Ahlen wird ja gerne mal schnell abgebrochen.

Wigand Busse
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