Bewegender Abschied von Marga Spiegel
„Eine bemerkenswerte Frau“

Ahlen -

Marga Spiegel hat auf dem Jüdischen Friedhof in Ahlen ihre letzte Ruhestätte gefunden. Rund 300 Trauergäste versammelten sich um das Grab. Der ehemalige Landesrabbiner Henry G. Brandt würdigte Marga Spiegel, die am Dienstag im Alter von 101 Jahren in Münster verstorben war, als eine „bemerkenswerte Frau“.

Freitag, 14.03.2014, 16:03 Uhr

Nun sind Marga und „ Menne “ wieder beieinander, nach 32 Jahren, um die sie ihn überlebt hat. An der Seite ihres hier seit 1982 bestatteten Ehemanns Siegmund wurde auch Marga Spiegel am Freitag auf dem jüdischen Teil des Westfriedhofs unter großer Anteilnahme beigesetzt. An die 300 Trauernde, darunter zahlreiche Repräsentanten des öffentlichen Lebens, gaben ihr das letzte Geleit und folgten dem von sechs Schülern des Gymnasiums St. Michael getragenen Sarg zum offenen Grab, wo nach dem Chaddisch, dem jüdischen Totengebet, auch Marga Spiegels Lieblingslied „Jerusalem“ in hebräischer Sprache angestimmt wurde.

Angeführt wurde der lange Trauerzug vom ehemaligen Landesrabbiner Henry G. Brandt und dem Vorbeter der mit einer großen Abordnung vertretenen Jüdischen Gemeinde Münster , Efraim Yehoud-Desel. Hinter Marga Spiegels Sohn Daniel, ihren Enkel- und Urenkelkindern sowie weiteren Familienangehörigen, reihten sich Regierungspräsident Dr. Reinhard Klenke, Landrat Dr. Olaf Gericke, Bürgermeister Benedikt Ruhmöller und dessen Amtskollegin aus Münster, Karin Reismann, ein, die eine enge Freundin der Verstorbenen war und zuvor in der Trauerhalle eine sehr persönliche, bewegende Rede gehalten hatte. Mit ihrem letzten Atemzug, den sie am Dienstag nach kurzer schwerer Krankheit in einem Pflegeheim in Münster getan hat, drei Monate vor ihrem 102. Geburtstag, habe Marga Spiegel nur „den Raum gewechselt“, fand Reismann auch tröstende Worte.

Henry G. Brandt nannte Marga Spiegel „eine bemerkenswerte Frau“ mit großer Ausstrahlung. „Sie sprühte vor Lebensmut und Lebensfreude“, so der Rabbiner. Besonders würdigte Brandt Marga Spiegels Eintreten für Versöhnung und Verständigung von Juden und Christen nach den Schrecken des Holocausts, des größten Verbrechens der Menschheitsgeschichte. Trotz des erlittenen Unrechts sei sie nicht in Bitterkeit verfallen, sondern habe sich ihren Humor bewahrt. Auch Bürgermeister Benedikt Ruhmöller stellte fest: „Sie hat das Leben und die Menschen geliebt.“

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