Kulturausschuss zum Mentrup-Verfahren
Neuer Ruf nach Denkmalpflegern

Ahlen -

In ihrer letzten Sitzung vor der Kommunalwahl setzten die Mitglieder des Schul- und Kulturausschusses ein deutliches Zeichen für mehr Denkmalschutz und Stadtbildpflege. Das Verfahren um Erhalt oder Abriss der Fabrikantenvilla Mentrup nahmen sie zum Anlass, einen erneuten Vorstoß bei der Suche nach ehrenamtlichen Denkmalpflegern zu unternehmen.

Sonntag, 11.05.2014, 14:05 Uhr

„H arte Nuss“, „schwieriger Fall“ und „Kippelobjekt“: Die Beschreibungen, die Nicole Wittkemper am Donnerstag im Schul- und Kulturausschuss für die Fabrikantenvilla Mentrup fand, waren deutlich. Gleichzeitig zeigte sich die städtische Denkmalfachfrau in ihrem Jahresbericht erleichtert, dass der über 100 Jahre alte Bau am Lütkeweg nun doch nicht dem Abbruchbagger zum Opfer fällt.

Dieses für den Denkmalschutz zwar erfreuliche Ergebnis bot für den Ausschuss jedoch Anlass, die Situation des Denkmalschutzes in Ahlen zu hinterfragen. Die Wiedereinführung von ehrenamtlichen Denkmalpflegern forderte Alfred Thiemann (BMA). „Ich meine, es wäre wichtig, diese Institution wiederzubeleben, denn sie kann in der Öffentlichkeit besser agieren. Wenn dort ein Thema erstmal Platz greift, wird es auch anders bewertet.“ Gaby Duhme (SPD) pflichtete ihm bei: „Ich will das Anliegen sofort unterstützen und könnte es mir auch gut als Arbeitskreis vorstellen. Dann hängt nicht alles an einer Person.“ Leider habe sich bei einem ähnlichen Aufruf vor einigen Jahren niemand bereiterklärt, sich ehrenamtlich im Denkmalschutz zu engagieren. „Aber vielleicht ist das inzwischen anders. Ich glaube, es gibt so einige, die sich dafür interessieren.“

Nach Bekanntwerden der Pläne des Betreuungszentrums „Gezeitenland“, das an Stelle der Villa Mentrup einen Neubau errichten wollte, hatte sich eine Protestwelle formiert. Über 500 Bürger unterschrieben für den Erhalt, Politiker fühlten sich angesichts der weitreichenden Planungen übergangen und letztlich fand sich ein neuer Kaufinteressent für das Objekt (die „AZ“ berichtete). „Das habe ich so noch nie erlebt“, gab Nicole Wittkemper offen zu. Dass der neue Eigentümer nun sogar selbst eine Unterschutzstellung wünscht, sei sehr beeindruckend. Das Verfahren wirft dennoch Fragen auf. Eine davon formulierte Thiemann so: „Wer ist eigentlich berechtigt, ein Gebäude unter Schutz zu stellen?“ Es ist die Untere Denkmalbehörde, also die Stadt Ahlen, entgegnete Wittkemper – jedoch mit dem Hinweis, dass in der Regel auch fachlicher Beistand des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) in Münster eingeholt werde. Duhme: „Es ist natürlich ein Unterschied, ob ich über ,denkmalwert‘ oder ,erhaltenswert‘ spreche.“

Nach der Kommunalwahl soll sich der dann neu formierte Ausschuss wieder mit dem Thema „Ehrenamtliche Denkmalpfleger“ befassen.

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