„AZ“-Runde zu den Wahlpartys
Zwischen Mut und Dämpfer

Ahlen -

Ganz unterschiedliche Erwartungen, Erkenntnisse und Emotionen mischten sich am Sonntagabend bei den mehr oder weniger großen Wahlpartys der Parteien. Die „AZ“ hat eine Runde gedreht, um Stimmungen einzufangen.

Montag, 26.05.2014, 16:04 Uhr

Di e Wahlparty der CDU kommt am Sonntagabend nur langsam in Fahrt. Viele informieren sich dann doch lieber erst im Rathaus-Wahlstudio, andere – wie Stadtverbandsvorsitzender Peter Lehmann oder Kreistagskandidat Henrich Berkhoff – warten zunächst die Ergebnisse aus dem Kreishaus ab, um sich dann auf den Weg in die Wersestadt zu machen.

Iris Binder und Heinz Günnewig sind die ersten Christdemokraten, die sich um 20.30 Uhr ins „Stadtcafé“ begeben. Eine halbe Stunde später füllt sich das Lokal merklich – und so manche Unsicherheit weicht angesichts zufriedenstellender Ergebnisse. „Wir wurden von einigen totgesagt“, erinnert sich Peter Lehmann später an die Wochen des Wahlkampfes. Klaus Vorbrink, der zum ersten Mal antritt, ist hingegen die Enttäuschung anzusehen: Er verliert seinen Wahlkreis an SPD-Kandidat Hans-Jürgen Metzger. „Vielleicht reißt die Briefwahl noch etwas raus“, mutmaßt zwar Erhard Richard mit ständigem Blick aufs Handy. Doch zwei Stunden später zerstreuen sich diese Hoffnungen. Dennoch: „Für uns war es ein Erfolg“, hält CDU-Fraktionschef Ralf Kiowsky kurz nach Mitternacht fest.

Reiner Jenkel ( Linkspartei ) kann die gute Stimmung der CDU allerdings nicht nachvollziehen. „Wir haben unsere zwei Sitze behalten, haben die FDP hinter uns gelassen und sind nun nicht mehr kleinste Fraktion im Rat“, sagt er. „Es freut uns, dass das Linksbündnis zugelegt hat. Ich führe die leichten Stimmenverluste darauf zurück, dass wir jetzt eine Gruppierung mehr im Rat haben. Möglicherweise haben wir auch einige Stimmen an die Sozialdemokraten abgegeben.“

Die SPD hat während des Zähl-Aussetzers und der langen Prozentgleichheit mit den Christdemokraten am späten Abend aller Anspannung zum Trotz noch recht gute Laune. Als dann die CDU doch noch um ein paar Punkte und einen Sitz im Rat vorprescht, kommt die Ernüchterung bei der Vorsitzenden Gabi Duhme: „Ich bin jetzt schon ein bisschen enttäuscht, dass die CDU doch vorne liegt.“ Aber so sei es nun mal.

 Der Dolberger Dämpfer drückt gleich zum „Warm up“ den Stimmungspegel der FWG -Wahlparty im voll besetzten „Gourmetlädchen“. „Wir liegen unter unseren Erwartungen“, lässt Vorsitzender Heinrich Artmann seine Gefolgschaft wissen, um dann Mut zu machen: „Letztes Mal haben wir 70 Prozent unserer Stimmen in Ahlen geholt.“ Außerdem fehle auch noch Vorhelm. „Kopf hoch!“ Eine Flasche für den unermüdlichen Chef, Blumen für Frau Beate, weil sie in den vergangenen Wochen so viele Entbehrungen habe hinnehmen müssen – der Abend spielt sich auf die Personalie Artmann ein. Und auch Wegbegleiter Paul Kowarsik ist nach bekennenden Worten. Viele, viele Wahlkämpfe habe er miterlebt. Nicht nur zu Ahlener DKP-Zeiten. Hier gehe aber noch mehr: „Ich bin begeistert von der FWG. Aber was wären wir ohne dich, Heinrich?“ Wort um Wort, Stimmbezirk um Stimmbezirk zieht die Stimmung an. Und mit ihr wird die Luft immer dünner im kleinen „Gourmetlädchen.“

Zwei Sitze und Fraktionsstatus oder nicht? Um diese Frage dreht sich alles auf dem Wahlabend der FDP -Anhänger im Garten des stellvertretenden Vorsitzenden Norbert Fleischer. Enttäuschte, aber auch spannungsgeladene Gesichter treffen sich hier. Als die FDP gegen 21 Uhr bei 4,0 Prozent liegt und davon ausgeht, 4,4 Prozent für das Erreichen von zwei Sitzen im Stadtrat zu benötigen, machen sich die Liberalen Mut, es noch knapp zu schaffen: „Wir sind wenigstens einen Prozent über dem Trend“, so Parteivorsitzender Eric Fellmann mit Blick auf das zu erwartende Bundesergebnis. „Nur ein Sitz wäre eine Katastrophe“, analysiert Andreas Huesmann. Mit fortlaufendem Abend legt die FDP bei den Briefwahlergebnissen zu, die Hoffnung auf das Erreichen der zwei Sitze steigt, die Spannung legt sich nicht. Erste Ursachenforschung: Man habe die Anliegen der FDP nicht vermitteln können. Noch vor dem Endergebnis löst sich die Runde am Spätabend auf, die Auszählung stockt da schon seit über einer Stunde. Fellmann: „Sollten wir es schaffen, wären wir mit einem blauen Auge davongekommen.“

Die Bürgerliche Mitte Ahlen ( BMA ), die sich im Tennisheim von Blau-Weiß eingefunden hat, befindet sich zu diesem Zeitpunkt schon in Feierlaune. „Man muss über unsere Ergebnisse absolut nicht klagen und jammern“, stellt Rolf Leismann fest, als am späten Abend 35 von 46 Stimmbezirken ausgezählt sind. Zu diesem Zeitpunkt liegt seine Partei bei einem Ergebnis von 6,5 Prozent, was bedeutet, dass die Fraktion der BMA im Rat Zuwachs erhält. „Wir freuen uns, dass der Wähler unseren sachlichen und objektiven Wahlkampf anerkannt hat“, sagt Matthias Bußmann. Die Spitzen einiger anderer Gruppierungen seien ihm negativ aufgefallen, doch müsse man nun einen Strich daruntermachen. Für sehr viel Freude sorgt das Ergebnis von Martin und Mechthild deKunder. In den Bezirken 18 (Juk-Haus) und 19 (Pari-Sozial) erreichen sie 10,7 bzw. 11,1 Prozent „aus dem Stand“. Sie hatten sich im Vorfeld der Wahl noch vehement in die Diskussion über die Verkehrssituation an der Gemmericher Straße eingebracht. Was allerorts schockiert, ist indes die geringe Wahlbeteiligung.

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