Dorfgaststätte in Tönnishäuschen steht zum Verkauf
Sieben Jahre „auf dem Trockenen“

Tönnishäuschen -

Die Bewohner der Kapellengemeinde Tönnishäuschen sind in den vergangenen sieben Jahren, in denen ihr Dorfgasthof bereits geschlossen ist, zwar nicht verdurstet – dennoch fehlt der zentrale Treffpunkt. Vereine haben sich seither mit Ausweichstandorten beholfen. Das historische Gebäude steht inzwischen zum Verkauf.

Montag, 21.07.2014, 06:07 Uhr

H inter der Zukunft des Landgasthofes in Tönnishäuschen steht weiterhin ein dickes Fragezeichen. Seit zehn Jahren gibt es hier keinen regulären Gaststättenbetrieb mehr, vor sieben Jahren endete die letzte Nutzung durch den Partyservice Struckholt. Jetzt weisen Schild und Transparent auf den Verkauf der Immobilie hin – inklusive Biergarten, Ställen und Obstwiese. Gesamtfläche: rund 4000 Quadratmeter.

„Dieser Treffpunkt fehlt einfach“, fasst Josef Remmert die Situation zusammen. Der Vorsitzende der Interessengemeinschaft Vorhelmer Vereine und Verbände (IG VVV) lebt selbst in Tönnishäuschen und hat soeben ein Filmteam von „Kirche und Leben“ durch den Ortsteil begleitet. „Früher florierten hier sogar zwei Gaststätten, obwohl rund um die St.-Antonius-Kapelle nur ein gutes Dutzend Häuser stand“, erinnert sich Remmert. Inzwischen kommen die Einwohner der 500-Seelen-Gemeinde zumeist in privaten Gärten zusammen. Zwanglosen Thekenplausch, Sonntagsstammtisch oder spontanen Kontakt mit auswärtigen Gästen kennen jüngere Dorfbewohner nur noch aus Erzählungen.

Durch die Kreuzung zweier alter Handelswege, Friesenstraße und Hellweg , erlangte der Landgasthof schon vor vielen Jahrhunderten eine zentrale Bedeutung. Über 200 Jahre lang war die Familie Samson Pächter des Lokals. Schützen, Hegering, Fußballverein und Pferdefreunde hatten in der ehemaligen „Schänke Samson“ ihr Stammdomizil. Auch Hochzeiten, Kommunionen und Winterfeste wurden regelmäßig gefeiert, hinzu kamen sommertags Fahrradtouristen, denn das Dorf liegt direkt an der beliebten „100-Schlösser-Route“ durchs Münsterland.

Der Landgasthof – neben der Kapelle eines der ältesten erhaltenen Gebäude in Tönnishäuschen – war lange Zeit als Deckstation auch Nebenstelle des Westfälischen Landgestüts Warendorf und bis 1971 Poststelle. Ab 1979 wechselten die Betreiber mehrfach.

„Wir haben das Objekt bislang immer verpachtet“, blickt Philipp Graf von Schall-Riaucour auf Anfrage unserer Zeitung zurück. Nach dem Ende des Konzepts der Familie Struckholt habe sich die gräfliche Eigentümerfamilie jedoch dazu entschlossen, den Gasthof zu veräußern. „Diesen Schritt haben wir uns lange überlegt.“ Haus Vorhelm sucht nun mit Unterstützung des münsterischen Immobilienmaklers Dr. Schorn nach Interessenten.

Die Dorfbewohner würden den Dornröschenschlaf gerne selbst beenden, können ein solches Mammutprojekt aber nicht allein stemmen. Die immer wieder geäußerte Überlegung, das Lokal in Eigenregie zu betreiben, wie es zum Beispiel die Gemeinde Brochterbeck mit ihrem Dorfgasthof erfolgreich umsetzt, scheitert derzeit an den Kosten. Neben dem aktuellen Kaufpreis, der nach Maklerangaben bei 370 000 Euro liegt, müssten umfangreiche Renovierungsmaßnahmen eingeleitet werden. „Und damit hat man noch lange keinen Wirt“, so IG-Chef Remmert. Ein solcher müsste aber her, denn Gastronomie im Außenbereich erfordert gute Küche.

Um wenigstens für Schützenfest und Versammlungen am Ort bleiben zu können, haben die Tönnishäuschener seit 2004 großes Engagement in die Nutzung der Alten Schule als Vereinsdomizil gelegt, doch das städtische Gebäude kann freilich keinen echten Kneipenersatz bieten. Die Hoffnung, dass der Zapfhahn an zentraler Stelle nicht auf ewig trocken bleibt, hat Tönnishäuschen noch nicht ganz aufgegeben . . .

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/2626854?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F126%2F2592496%2F4852348%2F
Öffnungszeiten in Enschede bereiten deutschen Nachbarn Bauchschmerzen
Verkaufsoffene Sonntage sind in den Niederlanden nicht generell vorgesehen. Die Kommunen entscheiden darüber selbst., die Mitarbeiter der Geschäfts sind wiederum berechtigt, die Arbeit am Sonntag abzulehnen,
Nachrichten-Ticker