Abrisskandidat soll wieder Schmuckstück werden
Sanierung der Villa Mentrup läuft

Ahlen -

„Fabrikantenvilla von Herding & Mentrup soll Platz für neues Zentrum machen“ – Diese Schlagzeile vom 31. Januar dieses Jahres löste eine enorme Protestwelle aus. Gut acht Monate später regieren auf dem Eckgrundstück zwischen Lütkeweg und Moltkestraße tatsächlich Baumaschinen. Doch nicht zum Abriss, sondern zur Sanierung des Gebäudes.

Sonntag, 03.08.2014, 16:08 Uhr

Die Außenfassade der Villa Mentrup wird saniert und – soweit möglich – in ihren ursprünglichen Zustand versetzt. Im Inneren haben bereits seit knapp drei Monaten die Handwerker das Sagen. Auch der Garten ist „lichter“ geworden.
Die Außenfassade der Villa Mentrup wird saniert und – soweit möglich – in ihren ursprünglichen Zustand versetzt. Im Inneren haben bereits seit knapp drei Monaten die Handwerker das Sagen. Auch der Garten ist „lichter“ geworden. Foto: Christian Wolff

We nn helles Sonnenlicht auf die Fassade fällt, wird es sichtbar: Einige Ziegelsteine haben eine andere Rotfärbung als die anderen. „Da waren früher mal Fenster“, weiß Hermann-Josef Ludwig . Der Unternehmer kann sich auf sein geschultes Auge verlassen. Muss er auch, denn von der im Jahr 1898 errichteten Fabrikantenvilla Mentrup besitzt er keinen Originalbauplan. Doch der wäre nützlich, schließlich soll das Gebäude bei der aktuellen Totalsanierung wieder seine Ursprungsoptik erhalten. Die ging nämlich – dank eines eher der Moderne zugewandten Architekten – in den 1970er Jahren im Erdgeschoss zu weiten Teilen verloren.

Eigentlich ist die Blechverarbeitung das Metier von Hermann-Josef Ludwig. Doch neben dem erfolgreichen Betrieb der Firma SMF im Olfetal hat sich der Ahlener inzwischen auch alten Steinen verschrieben. „Ich baue gerne“, gibt er zu. „Und Renovieren ist inzwischen mein liebstes Hobby.“ Als seine Tochter im Jahr 2009 einen Bauernhof in Drensteinfurt bezog, war die Leidenschaft geweckt. Nur zwei Jahre später folgte die Sanierung der ehemaligen Villa Beumer an der Warendorfer Straße 8, die inzwischen den Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) beherbergt.

Die Initialzündung für die Rettung der bereits zum Abriss freigegebenen Mentrup-Villa gab ein Ahlener Ratsmitglied, der Ludwig im Frühjahr auf das einstige Schmuckstück im Winkel Lütkeweg / Moltke­straße aufmerksam machte. Zu diesem Zeitpunkt schienen die Pläne des gegenüberliegenden Seniorenzentrums – das Haus sollte für einen Zweckbau geopfert werden – längst besiegelt. „Nach kurzer Bedenkzeit bin ich zu dem Schluss gekommen, dass eine Rettung machbar ist“, sagt der Unternehmer, um gleich anzufügen: „Natürlich muss man dafür auch etwas Geld in die Hand nehmen.“ Gewinn macht dafür das Ahlener Stadtbild, das auch dem „Retter“ selbst ein Anliegen ist: „Ich kann es gut verstehen, dass viele Bürger gegen den Abriss protestiert haben“, sagt er. Gleichwohl seien die Sanierungspläne nicht – wie gemeinhin angenommen – als Werk des neuen Initiativkreises für Stadtbildpflege zu betrachten. „Ich bin nur nicht an die Öffentlichkeit gegangen, solange die Tinte unterm Vertrag noch nicht trocken war.“

Im Mai haben dann Fachleute im Auftrag von Hermann-Josef Ludwig damit begonnen, die tiefergehängten Decken in dem Altbau herauszureißen und Wände zu versetzen. Dabei kamen zum Teil die alten Wanddekorationen ans Licht. Aber es offenbarte sich auch die Brutalität, mit der vor 40 Jahren der Gründerzeit-Charme ausgetrieben werden sollte: „Stuckdecken wurden einfach kaputtgeschlagen“, hat Bauunternehmer Bernhard Erdmann festgestellt. Er zurrt momentan die Ba ustahlmatten der Deckenkonstruktion fest. 28 Kubikmeter Beton wird in den kommenden Tagen ins Haus gepumpt. Drei Wochen später folgt eine zweite Decke im Dachgeschoss. Alle Etagen werden mit neuen Fenstern (in historischem Gewand) und Fußbodenheizung ausgestattet. Acht Zentimeter dicker Wärmedämmstein bringt das Objekt auf den Stand von heute. Ein besonderer Clou wird der Wintergarten auf einem ehemaligen Balkon an der Rückseite. Von dort aus lässt es sich künftig in den grünen Garten blicken, wo auch die Einstellplätze für die Bewohner angelegt werden. Die alte Umfassungsmauer verschwindet.

„Das Haus war ursprünglich für eine Großfamilie gedacht, die im Erdgeschoss wohnte und in den oberen Stockwerken ihre Schlaf- und Waschräume hatte“, erklärt der neue Eigentümer. Es sei jedoch so viel Platz vorhanden, dass sich problemlos drei Wohnungen unter dem Villendach einrichten lassen, die dazu noch komplett barrierefrei erreichbar sein werden. „Wir planen auch den Einbau eines Aufzuges“, verrät der Eigentümer. Dazu müsse allerdings das Treppenhaus aus der Mitte des Gebäudes an den Rand verlegt werden, was jedoch verschmerzbar sei, da zugleich die Bausünden der 70er verschwinden und das Haus wieder seine vom Erbauer konzipierte Optik erhält.

Ludwig: „Meine Idee war, dass hier Leute einziehen, die schon etwas älter sind, und wieder näher zur Stadtmitte ziehen wollen. Seit vier Wochen sind nun alle Wohnungen vergeben.“

Zu einem späteren Zeitpunkt, voraussichtlich im Herbst, soll auch die Baulücke neben der Villa – hier standen bis vor kurzem noch profane Garagen – geschlossen werden. „Vorgesehen ist ein Mehrfamilienhaus für stadtnahes Wohnen“, beschreibt der Bauherr. „Um das Ganze bezahlbar zu halten, werden sowohl der Neubau als auch die Villa mit einer Erdwärmeheizung ausgestattet.“  (Ausführliche Berichterstattung in der Samstagsausgabe der „Ahlener Zeitung“.)

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