Fünf Straßen sollen umbenannt werden
Verwaltung lehnt Zusatzschilder ab

Ahlen -

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben: Das Thema „Umbenennung von Straßen“ kommt wieder aufs Tapet. Die Stadtverwaltung hat bereits eine neue Beschlussvorlage formuliert. Die jeweiligen Namensgeber stehen wegen vermeintlicher Nähe zum Nationalsozialismus in der Kritik.

Dienstag, 21.10.2014, 08:10 Uhr

Bald mit neuem Namen? Der Pfitznerweg gehört zu den Straßen, die umbenannt werden sollen.
Bald mit neuem Namen? Der Pfitznerweg gehört zu den Straßen, die umbenannt werden sollen. Foto: Christian Wolff

Vo r der Kommunalwahl bewusst „auf Eis gelegt“, in Kürze wieder heiß diskutiert: Die Stadt Ahlen will die Umbenennung mehrerer Straßen durchsetzen, weil sie ihre Namensgeber in einem direkten Bezug zum Nationalsozialismus sieht. Konkret betroffen sind die Agnes-Miegel-Straße , der Friedrich-Castelle-Weg, der Karl-Wagenfeld-Platz, der Pfitznerweg und die Carl-Diem-Straße.

In einer aktuellen Beschlussvorlage, die am 27. Oktober um 17 Uhr im Sitzungssaal II des Rathauses diskutiert wird, heißt es: „Die mit den genannten Straßen gewürdigten Personen waren erklärte Anhänger des Nationalsozialismus, haben ihm gehuldigt, von ihm profitiert, wurden seinerzeit auch öffentlich als erklärte, überzeugte und werbende Anhänger des verbrecherischen Unrechtsregimes herausgestellt.“ Demnach hätten sie zum Teil auch noch nach 1945 dem Nationalsozialismus angehangen.

Einige Anwohner der betroffenen Straßen haben bereits in den Vorjahren öffentlich darauf hingewiesen, eine solche Umbenennung abzulehnen. Um Überzeugungsarbeit zu leisten, hat es im April und Juli 2013 mehrere Informationsveranstaltungen mit Wissenschaftlern und Historikern im Rathaus gegeben. Die dazu eingeladenen Anwohner hatten die Möglichkeit, sich an Diskussionen nach den Vorträgen zu beteiligen und in einer aufgestellten Box ihre Meinungen zum Thema auch schriftlich kundzutun. In den hierbei eingegangenen Statements wurde die Umbenennung der Straßen mehrheitlich abgelehnt, wobei neben der konkreten Umbenennungsabsicht auch die Sinnhaftigkeit der gesamten Diskussion in Frage gestellt wurde.

Der Schul- und Kulturausschuss lehnte den Antrag der BMA-Fraktion vom 22. Mai 2013 ab, eine Befragung der betroffenen Anwohner und Firmen vor einer möglichen Umbenennung vorzunehmen. Die daraufhin mehrfach als Kompromiss angeführte Idee, die zur Disposition stehenden Straßen mit Zusatzschildern auszustatten, um auf die geschichtlichen Hintergründe hinzuweisen, lehnt die Verwaltung allerdings ab, wie aus der neuen Beschlussvorlage deutlich wird: „Dies würde nicht der Tatsache gerecht, dass Straßennamen nach allgemeinem Verständnis seit jeher eine Würdigung des Namensgebers darstellen.“ Diese Lösung würde die nachdrückliche Ablehnung des Nationalsozialismus und seiner erklärten, herausragenden Anhänger durch unsere Stadt konterkarieren, heißt es.

Es ist also mit einer erneuten Konfrontation zwischen Bürgern, Politikern und Verwaltung zu rechnen.

Alternativideen für die Straßenbenennungen

Als Alternativen bei der Neubenennung von Straßen werden von der Stadtverwaltung bereits einige Vorschläge für neue Namensgeber gemacht.►  Für die Agnes-Miegel-Straße: Anne Frank (NS-Opfer, „Tagebuch der Anne Frank“), Edith Stein (Philosophin und Nonne), Marion Gräfin Dönhoff (Publizistin).►  Für den Friedrich-Castelle-Weg und den Karl-Wagenfeld-Platz: Alfred Döblin (Schriftsteller), Hermann Hesse (Schriftsteller, Dichter und Maler),Thomas Mann (Schriftsteller), Georg Büchner (Schriftsteller, Naturwissenschaftler und Revolutionär), Wolfgang Borchert (Schriftsteller).► Für den Pfitznerweg: Walter Braunfels (Komponist und Musikpädagoge), Matthias Büchel (Sänger und Dirigent).►  Weitere Anregung: Aus der Bürgerschaft wurde auf die Opfer der nationalsozialistischen Herrschaft Bezug genommen, der in Ahlen mit Stolpersteinen gedacht wird (z. B. Wilhelm Panke).

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