Abstimmung über Beibehaltung der Straßennamen
Bürgerinitiative macht mobil

Ahlen -

Die Anwohner von Pfitznerweg, Agnes-Miegel-Straße, Karl-Wagenfeld-Platz und Friedrich-Castelle-Weg wollen ihre Straßennamen behalten. Sie hoffen, dass viele Bürger bei der Entscheidung am 16. August mit „Ja“ stimmen. Auch Plakate werben nun dafür.

Donnerstag, 16.07.2015, 23:07 Uhr

„Ja“ zu den bestehenden Straßennamen: Aloisia Könning, Dr. Detlef Girke und Dirk Hachmeister werben für den anstehenden Bürgerentscheid.
„Ja“ zu den bestehenden Straßennamen: Aloisia Könning, Dr. Detlef Girke und Dirk Hachmeister werben für den anstehenden Bürgerentscheid. Foto: Christian Wolff

In gut vier Wochen steht – wohl en dgültig – fest, ob vier Straßen im Stadtgebiet umbenannt werden oder nicht. Am Sonntag, 16. August, erlebt Ahlen seinen ersten Bürgerentscheid. „Genau jetzt beginnt für uns die heiße Phase“, sagt Dr. Detlef Girke . Der Sprecher der Bürgerinitiative, die sich seit Monaten für den Erhalt der Bezeichnungen Agnes-Miegel-Straße , Pfitznerweg, Karl-Wagenfeld-Platz und Friedrich-Castelle-Weg einsetzt, kündigt im Vorfeld der Entscheidung weitere Aktionen an.

Eines schickt Girke ganz klar voraus: „Wir möchten nicht den Nationalsozialismus verharmlosen, sondern ganz einfach unsere Straßennamen behalten.“ Die besagten Namensgeber als Stellvertreter des gesamtem Unrechtsregimes herhalten zu lassen, halten er und seine Mitstreiter für unverhältnismäßig und überzogen. Die Grausamkeit des Dritten Reiches sei unbestritten, während die Rolle der vier Personen eher umstritten ist. „Wir leben 70 Jahre später und haben im vereinten Europa ganz andere Probleme zu lösen.“

Von Petra Pähler-Paul (Grüne), Gabi Duhme (SPD) und Dirk Tutat (Linkspartei) sieht sich der Mitinitiator des Bürgerentscheids folglich in eine „rechte Ecke“ gedrängt: „Von denen bekommt man sofort einen braunen Anstrich.“

Dirk Hachmeister freut sich indes, dass es inzwischen nicht nur Verständnisbekundungen, sondern auch aktiven Rückhalt von politischer Seite gibt. „FWG und BMA sind voll auf unserer Seite“, hält er fest. Die Fraktionen wollten sich eigentlich auch an einer Plakatierung auf den städtischen Wahlständern beteiligen, doch das wurde ihnen untersagt (die „AZ“ berichtete). Stattdessen werden nun 300 Din-A-1-Plakate gedruckt und aufgehängt. Parallel dazu sollen noch Flugblätter verteilt werden, um auch auf die Möglichkeit der Briefabstimmung hinzuweisen. Am Tag vor dem Entscheid sollen Infostände vor den großen Kaufhäusern aufgebaut, am Tag selbst Fahrdienste eingerichtet werden. „Wir haben natürlich durch die Ferien eine schwierige Zeit“, gibt Girke zu, während Hachmeister auch das Verhalten des Bürgermeisters einbezieht: „Unsere Ini wird von ihm an vielen Stellen kritisiert. Damit verletzt er seine Verpflichtung zur Neutralität.“

Die Initiative hatte Anfang des Jahres nahezu 6000 Un­terschriften gesammelt, um gegen die Umbenennung der vier Straßen anzugehen. Davon mussten ca. 380 Signaturen von Nicht-Berechtigten oder wegen Unleserlichkeit gestrichen wurden. Dennoch: „Einige Parteien brauchen deutlich weniger Stimmen, um überhaupt ihr Mandat zu erhalten“, zeigt Dr. Detlef Girke die Relation auf. „Wir haben gezeigt, dass viele Bürger unzufrieden mit der Ratsentscheidung sind. “ 

Wir möchten nicht den Nationalsozialismus verharmlosen.

Dr. Detlef Girke
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