Lungenembolie
Bei Atemnot ist oft akute Gefahr in Verzug

Ahlen -

Der plötzliche Tod von Philipp Mißfelder hat das Interesse der Öffentlichkeit schlaglichtartig auf eine Herz-Kreislauf-Erkrankung gelenkt, die nach Herzinfarkt und Schlaganfall mit jährlich 40 000 Toten die dritthäufigste Todesursache in Deutschland ist.

Montag, 20.07.2015, 15:07 Uhr

Eine Lungenembolie wird oft viel zu spät erkannt. Dr. Thomas Schmidt, Oberarzt im St.-Franziskus-Hospital, äußert sich im „AZ“-Gespräch über Ursachen und gibt Hinweise auf mögliche Symptome.
Eine Lungenembolie wird oft viel zu spät erkannt. Dr. Thomas Schmidt, Oberarzt im St.-Franziskus-Hospital, äußert sich im „AZ“-Gespräch über Ursachen und gibt Hinweise auf mögliche Symptome. Foto: Archiv / Christian Wolff

Die Nachricht vom Ableben des 35-jährigen CDU-Politikers, der in der Nacht zum vergangenen Montag verstarb und nicht nur bei seinen Parteifreunden Bestürzung auslöste, nahm die „AZ“ zum Anlass für ein Gespräch mit Lungenfacharzt Dr. Thomas Schmidt , Oberarzt im St.-Franziskus-Hospital in Ahlen .

„Die Ursache für eine Lungenembolie ist fast immer ein Blutpfropf in einer Bein- oder Beckenvene“, erklärt Schmidt. Dabei geht es um die tiefen Venen. Die oberflächlich sichtbaren Krampfadern haben dagegen mit einer Beinvenenthrombose wenig zu tun. Aber ein allmählich in einem Venengefäß „gewachsenes“ Blutgerinnsel könne sich losreißen und werde dann mit dem Venenblut in die rechte Herzkammer geschwemmt. Von hier gelange der Blutklumpen, medizinisch Embolus genannt, in die Lungen und bleibt in einer Schlagader hängen. „Je größer er ist, umso größer der Schaden, den er anrichtet“, erläutert Schmidt.

In der Medizin unterscheidet man drei Ursachen einer Thrombose: gestörter Blutfluss (das Blut „steht“, statt zu strömen); verletzte Gefäßinnenhaut (etwa durch eine Entzündung); erhöhte Gerinnungsneigung (etwa durch verdicktes Blut).

Im Normalfall besteht ein fein austariertes Gleichgewicht zwischen Blutgerinnung und -verflüssigung. Das mit Sauerstoff und Nährstoffen angereicherte Blut muss noch in den feinsten Verästelungen der Kapillaren fließen. Zugleich sollen verletzte Blutgefäße zuverlässig durch einen Pfropf „abgedichtet“ werden. Bei einer Thrombose gerät diese Balance aus dem Lot. Das Blut stockt dort, wo es nicht gerinnen soll – mitten im Körper, mitten in einem Gefäß.

Man schätzt, dass das Risiko, an einer unerkannten Lungenembolie zu sterben, bei bis zu 30 Prozent liegt. „Wir kennen eine ganze Reihe von viele Faktoren, die das Thromboserisiko erhöhen“, führt Schmidt weiter aus. Wobei oft mehrere Ursachen zusammentreffen. Unterschieden werden „erworbene“ und angeborene, genetische Thrombosegefahren. Zu letzteren gehört eine Faktor-V-Leiden-Mutation. Sie erhöht das Risiko eines Blutpfropfs um ein Vielfaches, das mit gerinnungshemmenden Medikamenten verkleinert werden kann.

Besonders hoch sei das Thromboserisiko nach großen Operationen und bei schweren Verletzungen, die das Gerinnungssystem aus dem Gleichgewicht bringen, so Schmidt. Auch Krebserkrankungen, Infektionen, Schwangerschaft, Medikamente wie die regelmäßige Einnahme der Pille, Darmentzündungen und Nierenleiden könnten die Thrombosegefahr genauso wie Bettlägerigkeit erhöhen. Deshalb sei es grundsätzlich falsch, Thrombosepatienten Bettruhe zu verordnen, wie es zum Teil auch heute ärztlicherseits empfohlen wird. „Das Gegenteil ist richtig“, unterstreicht Schmidt, „sie auffordern, sich möglichst viel zu bewegen“.

Und auch das vermeintliche komfortable Reisen ist keineswegs gesundheitsschonend. „Ist das Economy-Class-Syndrom bekannt?“, fragt der Oberarzt. Langes und unbewegliches Sitzen wie auf Fernflügen fördert das Thromboserisiko. So gebe es Fälle von plötzlichem Tod nach Fernreisen. Es sei also ratsam, auf langen Flügen des Öfteren umherzugehen.

Was die Krankheit so heimtückisch macht, ist das Fehlen eindeutiger Symptome. Atemnot , Schmerzen in der Brust und starker Hustenreiz, erhöhter Pulsschlag oder eine plötzliche Blauverfärbung der Haut können auf eine Lungenembolie hinweisen. Dann ist meistens unverzügliches Handeln und die Einleitung von Gegenmaßnahmen angezeigt.

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