Ratsbeschluss durch Bürgerentscheid endgültig gekippt
Die Straßennamen bleiben

Ahlen -

Die Spannung im Rathaus war groß. Und das Ergebnis am Ende eindeutig. 85,85 Prozent stimmten dafür, dass Agnes-Miegel-Straße, Pfitznerweg, Karl-Wagenfeld-Platz und Friedrich-Castelle-Weg ihre Namen behalten. Es war der erste Bürgerentscheid in der Ahlener Stadtgeschichte.

Sonntag, 16.08.2015, 21:08 Uhr

Auszählung Wahlzettel
85,85 Prozent der abgegebenen Stimmen sprachen sich für den Erhalt der alten Straßennamen aus. Foto: Ulrich Gösmann

85,85 Prozent machten ihr Kreuz bei „Ja“ – und damit deutlich, dass sie die Bezeichnungen Agnes-Miegel-Straße , Friedrich-Castelle-Weg, Karl-Wagenfeld-Platz und Pfitznerweg gerne behalten möchten. Damit ist der Ratsbeschluss , der eine Umbenennung vorsah, endgültig gekippt. Nur 14,15 Prozent stimmten gegen die Beibehaltung der bisherigen Straßennamen. So endete der erste Bürgerentscheid der Ahlener Stadtgeschichte mit einem Ergebnis, wie es kaum eindeutiger hätte ausfallen können.

Nur kurz mussten die Besucher des „Wahlstudios“ im Rathaus am Sonntagabend auf eine leere Grafik blicken. Schon 13 Minuten, nachdem die Abstimmungslokale geschlossen hatten, flimmerte das erste Zählergebnis zur Bürgerentscheid-Premiere über die Leinwand: Es kam aus Dolberg. Dort war zwar – neben der Feuerwache Süd – die geringste Wahlbeteiligung zu verzeichnen, doch auch ein ebenso klares Ergebnis. 84,56 Prozent stimmten im Lambertusdorf mit „Ja“, 15,44 Prozent mit „Nein“ (ohne Briefabstimmer). Doch hier liegt auch keine der umstrittenen Straßen. Am stärksten war die Wahlbeteiligung in Vorhelm – durch die Agnes-Miegel-Straße besonders betroffen: 91,51 Prozent stimmten mit „Ja“, 8,49 Prozent mit „Nein“.

Als einzige der drei Bürgermeisterkandidaten fand Ursula Woltering den Weg ins Rathaus – und verfolgte, wie auch in allen anderen Abstimmungslokalen bis 20 Uhr die 80-Prozent-Marke „geknackt“ wurde. Spätestens mit Erreichen des erforderlichen Quorums von 6057 „Ja“-Stimmen machte sich vor allem in den Reihen von Bürgerinitiative, FWG und BMA Erleichterung breit. „Ab morgen wird Politik in Ahlen anders geschrieben“, kommentierte Alfred Thiemann (BMA) gegen 19 Uhr die klare Tendenz zur Beibehaltung der Straßennamen. „Es muss endlich aufhören, dass die Bürger in gut und böse unterteilt werden.“

Die erklärten Befürworter der Umbenennung, vornehmlich aus den Reihen von Linkspartei und Grünen, nahmen das Ergebnis des Bürgerentscheids eher still zur Kenntnis. „Ich bin in der Sache enttäuscht über das Ergebnis“, sagte Bürgermeister Benedikt Ruhmöller nach Auszählungsende. „Vielleicht hätten sich die Befürworter der Umbenennung doch stärker positionieren müssen.“ Dass Ahlen nun überregional als „braune Stadt“ diffamiert werden könnte, wie einige Linke mutmaßten, hält er jedoch für „großen Quatsch“. Die Erinnerungsarbeit sei dadurch nicht gestört und werde unvermindert weitergehen.

Den vier Namensgebern der betroffenen Straßen war bekanntlich eine zu große Nähe zum NS-Regime attestiert worden, was für jahrelange Diskussionen sorgte. Als der Rat im Dezember 2014 die Umbenennung beschloss, formierte sich eine Bürgerinitiative aus den Reihen der betroffenen Anwohner. Im Rahmen eines Bürgerbegehrens sammelten die Mitstreiter um Dr. Detlef Girke mehr als 5000 Unterschriften für den Erhalt ihrer Straßennamen. Ungeachtet dessen stimmte der Rat im Mai jedoch erneut für die Umbenennung, weshalb der Bürgerentscheid letztlich unausweichlich wurde.

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