Initiative vom Ergebnis des Bürgerentscheids überwältigt
Nach Abstimmung soll erst einmal Ruhe einkehren

Ahlen -

Am Tag nach dem Bürgerentscheid liegen die Stimmungen genauso weit auseinander wie die Prozentzahlen im Ergebnis: Während die Befürworter der Straßenumbenennungen in einer Art Schockstarre verharren, feiern die Mitglieder der Bürgerinitiative gemeinsam mit FWG- und BMA-Vertretern den gekippten Ratsbeschluss.

Montag, 17.08.2015, 19:08 Uhr

Anstoßen auf den Erfolg: Gemeinsam mit den FWG- und BMA-Vertretern Heinrich Artmann und Alfred Thiemann freuen sich Mitglieder der Bürgerinitiative.
Anstoßen auf den Erfolg: Gemeinsam mit den FWG- und BMA-Vertretern Heinrich Artmann und Alfred Thiemann (2.u.3.v.l.) freuen sich die Mitglieder der Bürgerinitiative. Foto: Christian Wolff

Am Tag nach dem Bürgerentsche id knallen bei der Bürgerinitiative nur sprichwörtlich die Sektkorken. Auf seiner Terrasse an der Agnes-Miegel-Straße schenkt Dr. Detlef Girke am Montagnachmittag lieber Apfelschorle aus. Mit der kann man schließlich auch gut anstoßen.

Die Stimmung unter denen, die sich seit Monaten maßgeblich für den Erhalt von vier Straßennamen starkgemacht haben, ist dennoch ausgelassen. „Wir wussten, dass wir viele Leute mobilisieren können“, so Girke. „Aber dass trotz des Regenwetters so viele Menschen in unserem Sinne abstimmen würden, hätte ich nicht gedacht.“ Fast 25 Prozent der Wahlberechtigten hatten sich an der Frage beteiligt, ob Agnes-Miegel-Straße, Pfitznerweg, Karl-Wagenfeld-Platz und Friedrich-Castelle-Weg ihre Namen behalten sollen. 85,85 Prozent davon stimmten mit „Ja“, 14,15 Prozent mit „Nein“.

Alfred Thiemann (BMA) steht die Freude auch noch ins Gesicht geschrieben: „Ich finde, das Ergebnis ist eine Sensation, wenn man weiß, dass viele Bürgerentscheide an den hohen Hürden des Quorums scheitern.“ Besagtes Quorum besagte für Ahlen, dass mindestens 6057 Wahlberechtigte überhaupt zur Abstimmung gehen und dann auch noch mit „Ja“ stimmen mussten.

Interessant findet Heinrich Artmann, Vorsitzender der Freien Wählergemeinschaft (FWG), auch die Tatsache, dass die vielzitierte „Nazi-Keule“ im aktuellen Fall keinen Erfolg hatte: „Es gab Stimmen, die haben uns und unsere Sympathisanten konsequent in die rechte Ecke gestellt“, blickt er zurück. „Die Wähler haben sich glücklicherweise auch davon nicht beeindrucken lassen.“

Trotz aller Probleme, die mit Bürgerbegehren und Bürgerentscheid verbunden waren, sehen die Betroffenen auch viel Positives: „Uns hat es zusammengeschweißt“, sagt Franz-Josef Fährenkemper. Menschen, die sich vorher nicht mal kannten, hätten zusammen Aktionen auf die Beine gestellt und festgestellt, dass ihnen viele andere Bürger Rückhalt geben. Sie hoffen nun, dass die umstrittene Namensfrage damit geklärt ist und nicht nach drei, vier Jahren Karenzzeit erneut aufs politische Tapet kommt. „Ein so brisantes Thema kann man nur einmütig behandeln, wenn der Sachverhalt in dieser Form geklärt ist“, meint Thiemann dazu. „Das gebietet schon die politische Vernunft.“

Und die Frage nach Zusatzschildern? Die ist für die Bürgerinitiative derzeit keine. Auch nicht für Heinrich Artmann, der diese Forderung einst gestellt hatte. „Ich finde, jetzt sollte erst einmal Ruhe einkehren.“ Die Diskussion habe nicht nur viel Kraft, sondern auch Geld gekostet. „Da muss man jetzt nicht sofort das nächste Fass aufmachen.“ Langfristig hält es der FWG-Chef aber nach wie vor für sinnvoll, etwas in Richtung „Erklärmodus“ zu tun. „Ich finde beispielsweise die Idee von Dieter Massin sehr interessant, der möglichst alle Straßen im Stadtgebiet mit sogenannten QR-Codes versehen möchte.“ Das könne Modellcharakter haben, um Leistungen wie Fehlleistungen von Namensgebern ausreichend darzustellen, ohne dabei einen großen (Kosten-)Aufwand zu treiben.

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