Holtermann-Inventar jetzt im Alten Rathaus
„Herrenzimmer“ mit Klavier und eingebauter Uhr

Ahlen -

Das Geschäftszimmer der Volkshochschule im Alten Rathaus ist jetzt mit historischem Mobiliar ausgestattet. Es stammt aus dem einstigen „Herrenzimmer“ des Wohn- und Geschäftshauses Holtermann am Marktplatz. Yougha Holtermann hat es der Stadt Ahlen als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt.

Freitag, 21.08.2015, 07:08 Uhr

Präsentierten das Zeugnis bürgerlicher Wohnkultur aus der Frühzeit des 20. Jahrhunderts: Bernd Schulze Beerhorst, Yougha Holtermann, Andreas Mentz, Sandra Meißner und Thomas Gramatke (v.l.).
Präsentierten das Zeugnis bürgerlicher Wohnkultur aus der Frühzeit des 20. Jahrhunderts: Bernd Schulze Beerhorst, Yougha Holtermann, Andreas Mentz, Sandra Meißner und Thomas Gramatke (v.l.). Foto: Christian Wolff

Als Hubert Holtmann aus Münster vor 110 Jahren an Plänen für den Neubau eines Wohn- und Geschäftshauses am Ahlener Marktplatz feilte, lagen nicht nur Fassadengestaltung und Raumzuschnitt in seinen Händen. Der Architekt nahm auch bedeutenden Einfluss auf die Inneneinrichtung. Für die Familie Holtermann , die hier über Generationen einen Textilbetrieb führte, entwarf er unter anderem ein „ Herrenzimmer “ – einen repräsentativen Aufenthaltsraum für private Gäste des Hausherren, in dem bei Skat- oder Doppelkopfrunden sicherlich so manches Glas geleert worden ist.

65 Jahre lang blieb das aufwendige Interieur an seinem angestammten Platz. Als der inzwischen verstorbene Ratsherr Carl Holtermann im Jahr 1970 einen Neubau am Stadtpark bezog, ließ er extra einen Raum auf Maß anfertigen, in dem das Mobiliar aus dem Haus seiner Vorfahren einen neuen Platz fand. Und jetzt – 45 Jahre später – zog das „Herrenzimmer“ zurück zum Marktplatz. Zwar nicht wieder ins Haus Holtermann, das nach wie vor auf eine neue Nutzung wartet, aber genau vis-a-vis.

Die im Schrank eingebaute Uhr.

Die im Schrank eingebaute Uhr. Foto: Christian Wolff

Seit wenigen Tagen kommt das „Herrentzimmer“ im Alten Rathaus dank der Unterstützung von Sandra Meißner und weiteren Mitarbeitern des Zentralen Gebäudemanagements (ZGM) zu neuen Ehren. Es ziert jetzt das Geschäftszimmer der Volkshochschule – und damit zugleich das Büro von Thomas Gramatke.

Zu der Einrichtung gehören mehrere Bücherschränke mit Bleiverglasungen und integriertem Klavier sowie einer darüberliegenden Uhr. Abgerundet wird es durch eine Sofanische mit Tisch und mehreren Polsterstühlen. „Ich wollte unbedingt, dass es in Ahlen bleibt“, sagt Yougha Holtermann und ist sichtlich zufrieden mit dem „neuen“ alten „Herrenzimmer“. Da sie die Räume in ihrem Wohnhaus am Stadtpark umgestaltet, sei nun der richtige Zeitpunkt gewesen, einen gesicherten Standort für das Zeugnis bürgerlicher Wohnkultur aus der Frühzeit des 20. Jahrhunderts zu finden. „Ich habe mich vertrauensvoll an Bernd Schulze Beerhorst gewandt, der sofort das Alte Rathaus vorschlug“, erzählt sie. Der ehrenamtliche Denkmalpfleger wählte diesen repräsentativen Standort nicht nur aufgrund der Nähe zum ursprünglichen Holtermann-Sitz. „Es stammt vom selben Architekten“, erläutert der Fachmann. Nicht zuletzt seien Raumhöhe und -zuschnitt mit dem Originalstandort vergleichbar.

Stadtbaurat Andreas Mentz mit einer alten Blaupause.

Stadtbaurat Andreas Mentz mit einer alten Blaupause. Foto: Christian Wolff

Der Dauerleihgabe fügte Yougha Holtermann auch eine Archivkiste mit originalen Rechnungen und Plänen des einstigen Kaufhauses zu, die Denkmalpfleger Schulze Beerhorst bereits gesichtet hat. „Das Material wird nun die Denkmalakte ergänzen“, versprach Stadtbaurat Andreas Mentz, der selbst sehr angetan von dem urigen „Herrenzimmer“ ist und sich dafür herzlich bedankte. Und vielleicht wird das „Herrenzimmer“ ja irgendwann in naher oder ferner Zukunft wieder an seinen Stammplatz zurückkehren. . .

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