Polizeikräfte testen Elektrofahrräder
Das Tempo wird häufig unterschätzt

tönnishäuschen -

Polizeikräfte des Verkehrsdienstes und der Unfallprävention haben sich am Freitag mit Risiken und Nutzen von Elektrofahrrädern beschäftigt. Bei der Fachfirma Stapel stand neben einem Informationsprogramm auch ein Praxistest auf dem Programm.

Samstag, 07.11.2015, 06:11 Uhr

Probefahren erwünscht: Polizeikräfte des Verkehrsdienstes und der Unfallprävention setzten sich bei der Firma Stapel in Tönnishäuschen auf den E-Bike-Sattel.
Probefahren erwünscht: Polizeikräfte des Verkehrsdienstes und der Unfallprävention setzten sich bei der Firma Stapel in Tönnishäuschen auf den E-Bike-Sattel. Foto: Christian Wolff

E-Bikes oder Pedelecs sind längt keine Luxusprodukte mehr. Im Gegenteil. Vor allem Senioren, denen das normale Fahrradfahren zu mühsam geworden ist, gewinnen dadurch ein Stück verlorener Mobilität zurück. Junge Nutzer interessieren sich indes für die größeren Reichweiten oder die sportliche Optik der Elektroräder. „Die wachsende Beliebtheit wirkt sich allerdings auch auf den Straß enverkehr aus“, sagt Polizeioberkommissar Richard Rauer . Der Verkehrssicherheitsberater weiß, dass Elektrofahrräder mittlerweile vermehrt bei Unfällen eine Rolle spielen.

Um sich über Nutzen und Risiken dieser alternativen Mobilitätsform zu informieren, ist Rauer am Freitag gemeinsam mit seinen Kollegen von Verkehrsdienst und Unfallprävention zu Gast in Tönnishäuschen, wo sich die Fachfirma Stapel seit Jahren mit der Materie befasst, Vorträge und Probefahrten anbietet. Der polizeiliche Besuch ist Programmbestandteil des „Tages zur Förderung der Betriebsgemeinschaft“.

„Ganz wichtig ist, dass man ein Gefühl für die Geschwindigkeiten bekommt“, betont Martin Stapel. Dass Pkw-Fahrer oft vom Tempo der Elektroräder überrascht sind, muss der Experte nicht groß erwähnen, denn auch im Kreisgebiet hat es schon Kollisionen gegeben, weil die vermeintlich „normalen Radler“ von anderen Verkehrsteilnehmern langsamer eingeschätzt wurden, als sie tatsächlich waren.

Elektrofahrräder erfreuen sich immer größerer Beliebtheit.

Elektrofahrräder erfreuen sich immer größerer Beliebtheit.

Wie schwierig es für ungeübte Pedelec-Fahrer ist, das Gleichgewicht zu halten und trotz aller Technik Stürze und unüberlegte Aktionen zu vermeiden, erfahren die Polizeibeamten bei Stapel am eigenen Leib. „Es macht unglaublich viel Spaß, kann aber auch verdammt gefährlich sein“, zieht Rauer nach ein paar Runden Bilanz. Die meisten Menschen, ist er überzeugt, sähen das E-Bike als „erweitertes Fahrrad“ an, obwohl es eigentlich generell als Kleinkraftrad durchgehen müsste. „Da gibt es auch für uns rechtliche Grauzonen.“ Viele seiner Kollegen vertreten inzwischen die Ansicht, dass zu diesem Verkehrsmittel die Nutzung eines Integralhelms zur Pflicht werden müsse. „Ein normaler Fahrradhelm reicht kaum aus, wenn es um höhere Geschwindigkeiten geht.“ Die sogenannten S-Pedelecs, die Martin Stapel schließlich präsentiert, bringen sogar Geschwindigkeiten über 40 Stundenkilometer auf den Tacho. Rauer: „Wir machen viel Verkehrsunfallprävention in den Schulen und Kindergärten. Jetzt, da ein solcher Boom in Sachen E-Bikes und Co. herrscht, müssten auch an anderen Stellen mehr Theorie und Praxis vermittelt werden.“

Solarstrom und Elektroautos interessieren den Polizeibesuch ebenfalls. Fachmann Ferdi Bergmann legt in einem Vortrag den besonderen Schwerpunkt auf das Thema Umweltschutz. Was viele nicht wissen: E-Autos sind heutzutage gar nicht mehr so teuer wie noch zu Pionierzeiten. Und wer seine eigene Anlage zur Stromgewinnung auf dem Dach installiert hat, kann sein Gefährt gleich in der Garage mit „Saft“ aus der Steckdose betanken . . .

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