Flüchtlinge in der Warteschleife/RP Arnsberg: Nur ein „Kommunikationsproblem“
Zwei Monate in der Notunterkunft

Beelen -

Etwa 40 Flüchtlinge demonstrierten Mittwoch in Beelen dagegen, dass sie seit rund zwei Monaten in der Notunterkunft in der ehemaligen Von-Galen-Schule sind und ihre Zuweisung zu Städten und Gemeinden sehr schleppend verläuft.

Freitag, 13.11.2015, 09:02 Uhr

In der Notunterkunft in Beelen befinden sich viele Flüchtlinge schon seit zwei Monaten. Diese Warteschleife soll auf die fehlende Weitergabe von Daten zurückzuführen sein, räumte am Donnerstag die Bezirksregierung Arnsberg ein.
In der Notunterkunft in Beelen befinden sich viele Flüchtlinge schon seit zwei Monaten. Diese Warteschleife soll auf die fehlende Weitergabe von Daten zurückzuführen sein, räumte am Donnerstag die Bezirksregierung Arnsberg ein. Foto: Kopmann

Von der Notunterkunft aus machten sie sich zu Fuß auf den Weg zum Rathaus und forderten ein Gespräch mit Bürgermeisterin Elisabeth Kammann . Gemeinsam mit Verantwortlichen des DRK nahm sich Kammann der Sorgen und Nöte der Menschen an. Die Flüchtlinge waren dankbar für das gute Gespräch.

Weshalb die Flüchtlinge so lange in der Notunterkunft bleiben müssen, dafür hatte Bürgermeisterin Kammann gegenüber unserer Zeitung keine Erklärung: „Wir stellen nur das Gebäude zur Verfügung, fragen Sie die Bezirksregierung in Münster.“ Aber auch die betrachtet sich als nicht zuständig und verweist auf die Bezirksregierung Arnsberg , die alles zentral steuere. Deren Sprecher Benjamin Hahn räumte ein, dass es ein Kommunikationsproblem gegeben habe. Die Daten aus Beelen hätten von der Zentrale Unterbringungseinrichtung (ZUE) Oerlinghausen nach Arnsberg gemeldet werden müssen. An welcher Stelle es gehakt habe, lasse sich nicht mehr nachvollziehen. Rein rechtlich könne es aber sein, dass sich Flüchtlinge bis zu drei Monaten in einer Notunterkunft befinden.

Wenn der Aufenthalt in der Notunterkunft zu lange dauert, kommt es schnell zum Lagerkoller.

Petra Schreier (Ordnungsdezernentin Kreis Warendorf)

In der Beelener Unterkunft leben knapp 200 registrierte Flüchtlinge, die auf die Zuweisung zu einer Kommune warten. In den nächsten Tagen werden jetzt die ersten 50 Personen die Unterkunft verlassen. Bürgermeisterin Kammann fordert in diesem Zusammenhang, dass die Flüchtlinge mehr Unterstützung brauchen, wenn sie so lange in einer Notunterkunft sind – etwa Sprachkurse.

Ordnungsdezernentin Petra Schreier spricht sich ebenfalls für eine schnellere Verteilung der Flüchtlinge auf die Kommunen aus. Seit der Einrichtung der zentralen Registrierungsstelle am FMO geschehe das aber auch. Nicht umsonst würden die Kommunen ihrerseits beklagen, dass sie wöchentlich viele Flüchtlinge zugeteilt bekommen.

Es war ein Kommunikationsproblem.

Benjamin Hahn (Bezirksregierung Arnsberg)

In den Notunterkünften des Kreises seien die Flüchtlinge derzeit im Schnitt zwischen ein bis zwei Wochen. „Aber am Anfang waren das auch durchaus vier bis fünf Wochen“, so Schreier. „Da kann es schnell zu einem Lagerkoller kommen.“ In Gesprächen, die sie selbst mit Flüchtlingen geführt habe, hätten insbesondere allein reisende Männer sehr unter der Wartezeit gelitten. „Viele sorgen sich um ihre Familien, die noch in Kriegssituationen leben und die sie möglichst schnell nachholen wollen. Wenn dann wochenlang nichts passiert, empfinden sie das als vertane Zeit.“

Hinzu komme, dass die Flüchtlinge untereinander gut vernetzt sind. „Einige haben beispielsweise Verwandte in Stuttgart, wo oft in wenigen Tagen registriert und zugewiesen wird.“ Dass es in NRW viel länger dauere, weil das Bundesland besonders viele Flüchtlinge aufnehmen muss, sei für die Asylsuchenden nicht nachvollziehbar. Schreier: „Die Flüchtlinge wissen nichts von unseren Bundesländern. Sie denken: Wir sind in Deutschland – und hier ist doch immer alles geregelt.“

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