Flüchtlinge in Arbeit bringen
Bereit für Mammutaufgabe

Kreis Warendorf -

Es fehlt an Sprachkenntnissen, und oft entsprechen außerdem die beruflichen Fähigkeiten nicht dem deutschen Standard. Rund 5000 Flüchtlinge leben derzeit im Kreis Warendorf. Die Erwerbsfähigen unter ihnen für den Arbeitsmarkt fit zu machen, ist eine echte Mammutaufgabe.

Freitag, 08.04.2016, 08:04 Uhr

Stellten das neue arbeitsmarktpolitische Konzept vor: Landrat Dr. Olaf Gericke, Brigitte Klausmeier (Jobcenter), Joachim Fahnemann (Arbeitsagentur) und Kreisdirektor Dr. Heinz Börger.
Stellten das neue arbeitsmarktpolitische Konzept vor: Landrat Dr. Olaf Gericke, Brigitte Klausmeier (Jobcenter), Joachim Fahnemann (Arbeitsagentur) und Kreisdirektor Dr. Heinz Börger. Foto: Kopmann

Darin sind sich Arbeitsagentur und Jobcenter einig. Gemeinsam legten sie ein Konzept vor, das eine möglichst schnelle Vermittlung in Arbeit oder Ausbildung der Flüchtlinge zum Ziel hat.

„Vor allem sind wir stolz auf das, was schon läuft“, betont Landrat Dr. Olaf Gericke im Pressegespräch. So befinden sich derzeit 500 Flüchtlinge in Qualifizierungsmaßnahmen.

Um diese Maßnahmen zu finanzieren, stellt die Arbeitsagentur Ahlen-Münster in diesem Jahr 1,7 Millionen Euro zur Verfügung. Das Geld stammt aus Bundesmitteln, die für die Flüchtlingsarbeit bereitgestellt werden. „Wir kürzen wegen der Flüchtlinge aber keine Qualifizierungsmaßnahmen bei unseren anderen Leistungsbeziehern. Im Gegenteil: Es wird noch draufgesattelt“, unterstreicht Joachim Fahnemann , Geschäftsführer der Arbeitsagentur Ahlen-Münster.

Wir kürzen wegen der Flüchtlinge keine Qualifizierungsmaßnahmen bei unseren anderen Leistungsbeziehern.

Joachim Fahnemann

Auch das Jobcenter Kreis Warendorf bekommt Bundesmittel für die Qualifizierung von Flüchtlingen. 570 000 Euro hat das Jobcenter schon erhalten. Eine zweite Rate steht noch aus. Insgesamt rechnet Brigitte Klausmeier, Leiterin des Jobcenters, mit rund einer Million Euro im Lauf des Jahres.

Dieses Geld soll investiert werden, um die Flüchtlinge für die Arbeitswelt fit zu machen – und zwar in enger Anlehnung an den Bedarf der Unternehmen. Anerkannte Flüchtlinge bekommen einen Sprachkurs, der über sechs bis acht Monate geht. Das ist nicht viel – und wird nach Einschätzung der Arbeitsmarktakteure auch nicht reichen.

Wir tun alles, um den Flüchtlingen eine berufliche Perspektive zu bieten.

Dr. Olaf Gericke

Derzeit betreut das Jobcenter 600 Flüchtlinge. 900 weitere, die den Kommunen im Kreis Warendorf fest zugewiesen sind, werden vermutlich im Lauf des Jahres ebenfalls zu den Kunden des Jobcenters zählen. Weil die meisten dieser Flüchtlinge eine hohe Bleibeperspektive haben, werde das enorme Auswirkungen auf den Kreishaushalt haben. „250 neue Bedarfsgemeinschaften bedeuten Mehrkosten von einer Million Euro für den Kreis“, erläutert Gericke.

Kreisdirektor Dr. Heinz Börger geht außerdem davon aus, dass bis Jahresende rund 3000 Flüchtlinge im Kreis Warendorf auf Arbeitssuche sein werden. Seine Kalkulation geht aber davon aus, dass weiterhin viele Flüchtlinge kommen werden.

„Von unseren Mitarbeitern haben wir gehört, dass vor allem die gut Gebildeten unter den Flüchtlingen, sich auf den Weg in die Großstädte machen“, gibt Börger zu bedenken.

Untersuchungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zufolge sollen bundesweit 55 Prozent der Flüchtlinge jünger als 25 Jahre sein. Laut Studie haben außerdem zehn Prozent der Flüchtlinge gar keine oder nur eine sehr geringe Schulbildung. Und nur rund 30 Prozent der geflüchteten Menschen verfügen über eine berufliche Qualifikation, die aber oft den deutschen Maßstäben nicht entspricht.

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