Antonius John ist tot
„Ahlener Programm“ trug auch seine Handschrift

Ahlen / Bonn -

Mit 93 Jahren ist am Mittwoch dieser Woche Prof. Dr. Antonius John in seinem Haus in Bonn im Kreis der Familie gestorben. Der gebürtige Ahlener gehörte über viele Jahrzehnte zu den angesehensten politischen Journalisten und Publizisten in der alten Bundesrepublik.

Samstag, 14.05.2016, 16:05 Uhr

Februar 2007: Antonius John (r.), Ex-CDU-General Ronald Pofalla und Heinrich Windelen (l.) bei der Feier „60 Jahre Ahlener Programm“ der CDU.
Februar 2007: Antonius John (r.), Ex-CDU-General Ronald Pofalla und Heinrich Windelen (l.) bei der Feier „60 Jahre Ahlener Programm“ der CDU. Foto: Jörg Pastoor

Im Alter von 93 Jahren ist am Mittwoch dieser Woche Prof. Dr. Antonius John in seinem Haus in Bonn im Kreis der Familie gestorben. Er gehörte über viele Jahrzehnte zu den angesehensten politischen Journalisten und Publizisten in der alten Bundesrepublik.

Nach einer Landwirtschaftslehre studierte der gebürtige Ahlener an der Rheinischen Friedrich-Wilhelm- Universität Volkswirtschaft in Bonn, arbeitete danach als Wirtschaftsredakteur, zunächst für das „ Handelsblatt “, später für den „Rheinischen Merkur“. Nach der Gründung eines Redaktionsbüros in Bonn wechselte John 1972 zum Deutschen Bauernverband, dessen Pressesprecher er 15 Jahre lang blieb. Seit 1965 lehrte John an verschiedenen Hochschulen, an der Universität Koblenz-Landau wurde er zum Honorarprofessor für Zeitgeschichte berufen.

Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg war John in Berührung mit christlich-sozialen Kreisen gekommen, die in der britischen Besatzungszone die CDU gründeten. 1947 wirkte er im Hintergrund bei Erarbeitung und Verabschiedung des „Ahlener Programms“ im Kloster St. Michael mit, mit dem die CDU der industriellen Demontage durch die Alliierten begegnen wollte und zugleich die Grundlage für eine aus christlicher Verantwortung begründete Wirtschaftspolitik legte.

Auch das Ausland schätzte seinen Rat. So übte er von 1972 bis 1991 das Amt des Generalbevollbemächtigten der Konstitutionellen Regierung von Estland in Deutschland aus. Als seine beste Zeit beschrieb John einmal im Gespräch mit der „AZ“ die Jahre nach seinem 70. Geburtstag, als er die nötige Muße hatte zu publizieren. Über 120 Bücher und Schriften jeder Art zeugen von einer leidenschaftlichen Tätigkeit als Journalist und Publizist, der sich stets der Wahrheit und Gerechtigkeit verpflichtet fühlte. Keiner der bekannten Politiker der jungen und in die Jahre gekommenen BRD, die er nicht getroffen oder interviewt hätte.

Seiner Heimatstadt und dem Städtischen Gymnasium, an dem er 1941 das Abitur abgelegt hatte, blieb Antonius John zeitlebens verbunden, auch wenn er zuletzt an den jährlichen Wiedersehensfeiern der Abiturienten-Vereinigung Ahlen (AVA) nicht mehr teilnehmen konnte.

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