Armenien-Resolution Thema im Integrationsrat
Hitziger Streit über Resolution

Ahlen -

Der Umgang mit der Entscheidung des Bundestages, die Massaker der Türkei gegen Armenier im Ersten Weltkrieg als Völkermord einzustufen, hat im Integrationsrat für Streit gesorgt.

Samstag, 11.06.2016, 11:06 Uhr

„Ich möchte von meinem demokratischen Recht Gebrauch machen und zu der Armenien-Resolution kurz eine Aussage machen.“ Mit diesen Worten leitete Ilkay Danismaz am Donnerstag in der Sitzung des Inte­grationsrates eine Diskussion ein, in deren Verlauf sich Taner Bayraktar und Petra Pähler-Paul ( Bündnisgrüne ) ein hitziges Wortgefecht über das Thema lieferten.

In einer ersten Reaktion warf Pähler-Paul einigen Mitgliedern des Integrationsrates vor, sich in unerträglicher Weise an der Hetze vor allem gegen die Bundestagsabgeordneten türkischer Abstammung zu beteiligen. Diese Kritik diente Bayraktar als Steilvorlage, um seine Sicht der Armenien-Resolution darzulegen. Natürlich könne er die Hetze gegen Bundestagsabgeordnete nicht gutheißen, meinte er, andererseits habe er Verständnis, wenn sich viele türkischstämmige Landsleute durch den Vorwurf des Völkermords in ihrer Ehre verletzt fühlten, die sich ihrerseits weigerten, ihre Archive zu öffnen.

Über 90 Prozent der Historiker seien heute der Meinung, dass in den Jahren 1915/16 ein Genozid an den Armeniern verübt worden sei, hielt Pähler-Paul den Rechtfertigungsversuchen Bayraktars entgegen und sagte, sie sei „einigermaßen erschüttert“, wie hier argumentiert werde. Natürlich könne man über die Beurteilung eines historischen Sachverhalts unterschiedlicher Meinung sein, aber das habe seine Grenzen, wenn frei gewählte Abgeordnete vom türkischen Staatspräsidenten Erdogan angegangen würden und entsprechende Aufrufe wie ein Steckbrief der besonders ins Visier genommenen Abgeordneten in den sozialen Netzwerken auch von Ahlener Mitgliedern des Integrationsrates weiter verbreitet, „geliked“ und von „Freunden“ entsprechend kommentiert würden. Auf die direkte Frage von Pähler-Paul, ob Bayraktar auch zu diesem Kreis gehöre, antwortete der Angesprochene nicht direkt, sagte aber, dass er für die Kommentare bei „ Facebook “ nicht verantwortlich sei.

Ilkay Danismaz hatte sich in seiner persönlichen Erklärung mäßigend geäußert, indem er ausführte, er sei „enttäuscht“, weil mit der Resolution dem Vertrauen türkischstämmiger Bürger nachhaltig geschadet worden sei. Danismaz wörtlich: „Ich hätte es besser gefunden, die Aufklärung weiterhin den Historikern zu überlassen . . . Mein Wunsch wäre, dass man sich schnell für aktuelle Themen in Deutschland wie Hochwasser-Geschädigte, Wirtschaft, Umwelt und Kultur Zeit nehmen würde.“ Dem folgten auch andere Mitglieder des Inte­grationsrats wie Matthias Harman. Der CDU-Politiker wies darauf hin, dass es sich um eine „demokratische Abstimmung“ des Bundestages handle, deren Ergebnis nicht allen gefallen müsse, aber zu respektieren sei. Er selbst gehöre auch zu der Minderheit, die von den damaligen Ereignissen betroffen gewesen sei. 

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4072795?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F126%2F4852317%2F4852324%2F
Gasexplosion in einem Wohnhaus
Feuerwehreinsatz am Max-Klemens-Kanal: Gasexplosion in einem Wohnhaus
Nachrichten-Ticker