120 Pilger auf Telgter Fußwallfahrt
Loslassen beim Losgehen

Ahlen -

120 Pilger machten sich am Sonntagmorgen auf dem Weg nach Telgte. Für die Teilnehmer der traditionellen Fußwallfahrt hieß es: Wecker stellen.

Sonntag, 11.09.2016, 11:09 Uhr

Nach der ersten Pause in Sendenhorst ging es zur zweiten Station nach Alverskirchen. Seit 1980 führt Hubert Kokenkemper als Kreuzträger die Pilgergruppe an.
Nach der ersten Pause in Sendenhorst ging es zur zweiten Station nach Alverskirchen. Seit 1980 führt Hubert Kokenkemper als Kreuzträger die Pilgergruppe an. Foto: Franz Börste

Unter dem Leitwort „Selig die Barmherzigen “ machten sich am Sonntagmorgen in aller Frühe zahlreiche Pilger der Großgemeinde St. Bartholomäus auf den 30 Kilometer langen Weg zur Schmerzhaften Gottesmutter nach Telgte . Die älteste Nachricht über die Verehrung des Gnadenbildes datiert aus der Zeit um 1370. Schon vor dem eigentlichen Beginn der Ahlener Fußwallfahrt im Jahr 1847 sollen sich Ahlener Christen auf den Weg nach Telgte gemacht haben, wie einem Votivbild zu entnehmen ist, das von der Heilung eines Ahlener Bürgers von der Hellstraße berichtet.

Nach dem Aussegnungsgottesdienst in der Marienkirche, der um 5.30 Uhr begann, machten sich 120 Teilnehmer – unter ihnen im Zeichen der Ökumene etliche Aramäer sowie Pfarrerin Petra Gosda von der evangelischen Kirchengemeinde – in der Morgendämmerung gegen 6.15 Uhr bei noch angenehmen Temperaturen auf den Weg zur ersten Station nach Sendenhorst . Hier stieß auch die Radfahrergruppe der Senioren der Kolpingsfamilie hinzu.

Losgehen oder mit dem Fahrrad losfahren, um bei sich selbst anzukommen. Gemeinsam die Natur erleben, singen und beten, schweigen, innehalten und am Wallfahrtsort nach anstrengender Fußwallfahrt der Gottesmutter Freude, Leid und Bitten vortragen und auf ihre Fürsprache hoffen – das sind charakteristische Merkmale einer Wallfahrt. Die Wahl des Leitwortes „Selig, die Barmherzigen“ fiel dem Vorbereitungsteam in diesem Jahr angesichts der Menschenmassen, die sich zurzeit aus den Krisengebieten auf den Weg nach Westeuropa machen, nicht schwer.

In den großen Weltreligionen Christentum, Judentum, Islam, Buddhismus und Hinduismus gilt die Barmherzigkeit als eine der Haupttugenden und Pflicht eines jeden Menschen. Barmherzigkeit ist keine natürliche Eigenschaft des Menschen, sondern die Gottes. Gott gilt als der Barmherzige, wie aus den Gleichnissen vom verlorenen Sohn oder vom barmherzigen Samariter zu entnehmen ist.

Ältere Mitglieder  der Kolpingfamilie, die früher jahrelang zu Fuß nach Telgte mitgingen, folgten den Pilgern mit dem Fahrrad.

Ältere Mitglieder  der Kolpingfamilie, die früher jahrelang zu Fuß nach Telgte mitgingen, folgten den Pilgern mit dem Fahrrad. Foto: Franz Börste

Nicht umsonst hat Papst Franziskus die Barmherzigkeit zu seinem Programm gemacht. Er lebt sie immer wieder vor. Trotz eines gut funktionierenden sozialen Netzwerkes, das die größte Not auffängt, kommt die Gesellschaft nicht ohne sie aus, da immer wieder Menschen durch die Maschen fallen. An verschiedenen Stationen wurde daran erinnert.

Nach der ersten Pause in Sendenhorst ging es mit dem Glockenschlag der Martinskirche um 10 Uhr bei steigenden Tagestemperaturen weiter nach Alverskirchen, wo Gelegenheit zum Mittagsimbiss geboten wurde. Hier schlossen sich weitere Pilger für die Schlussetappe bis Telgte an.

Ein Bus geleitete die Wallfahrer, so dass man nicht den ganzen Weg laufen musste. Auch die Malteser waren zur Stelle, wenn sich jemand eine Blase gelaufen hatte oder andere Wehwehchen auftraten.

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