Jubilarfeier der IG BCE
Gewerkschaft hat viel erreicht

Ahlen -

82 Jubilare wurden bei der Feier der IG BCE im Hof Münsterland geehrt. Festredner war Andreas Meyer-Lauber, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes in NRW.

Dienstag, 25.10.2016, 13:10 Uhr

60 oder sogar 70 Jahre gehören diese Jubilare der IG BCE an. Wie Festredner Andreas Meyer-Lauber hervorhob, hätten auch sie Anteil an den im Laufe der Jahrzehnte erreichten Verbesserungen der Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten.
60 oder sogar 70 Jahre gehören diese Jubilare der IG BCE an. Wie Festredner Andreas Meyer-Lauber hervorhob, hätten auch sie Anteil an den im Laufe der Jahrzehnte erreichten Verbesserungen der Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten. Foto: Reinhard Baldauf

Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes in NRW , An­dreas Meyer-Lauber , lobte die Jubilare der IG BCE für deren Treue zur Gewerkschaft. Der gebürtige Ahlener zeigte auf, dass die Erfahrungen der langjährigen Mitglieder für die Gewerkschaften wichtig sind. Bei der Jubilarehrung am Sonntag im „Hof Münsterland “ standen 82 Jubilare zur Ehrung an. Der Vorsitzende der IG BCE-Ortsgruppe, Marc Senne , begrüßte zunächst die Ehrengäste mit dem letzten Personaldirektor Manfred Wiedemann an der Spitze. Die Stadt Ahlen war nicht vertreten.

In seiner Begrüßung dankte Marc Senne den Jubilaren, unter denen auch zwei Frauen waren. Die jahrzehntelange Treue zu einer Organisation sei keine Selbstverständlichkeit. Die Jubilare hätten mit dafür gesorgt, dass für die Beschäftigten eine deutliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen durchgesetzt werden konnten, hielt Andreas Meyer-Lauber fest. Der Festredner blickte auf die Geschichte der Gewerkschaftsbewegung zurück, in der „eine lange Reihe von Erfolgen vorzuweisen“ seien. Der letzte Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, Wilhelm Leuschner, habe noch einen Tag vor seiner Hinrichtung durch die Nazis am 29. September 1944 gemahnt: „Morgen werde ich gehenkt. Schafft die Einheit.“ Diese sei dann 1949 mit der Gründung des Deutschen Gewerkschaftsbundes Wirklichkeit geworden. Richtungspolitische Gewerkschaften gab es als Lehre aus der Geschichte nicht mehr. „Seitdem arbeiten der DGB und seine Gewerkschaften parteipolitisch unabhängig, aber nicht neu­tral“, betonte Meyer-Lauber und unterstrich: „Wir vertreten erfolgreich die Interessen der Ar­beitnehmerinnen und Ar­beitnehmer und machen uns für gute Arbeit und soziale Gerechtigkeit stark.“

Mit der Montanmitbestimmung 1951 und ein Jahr später mit dem Betriebsverfassungsgesetz seien die Grundlagen für „Verhandlungen auf Augenhöhe zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern gelegt“ worden. Der DGB-Vorsitzende in NRW: „Das waren Meilensteine in der Gewerkschaftsgeschichte, von denen wir bis heute profitieren.“ Andreas Meyer-Lauber war sich sicher: „Die Montanmitbestimmung ist bis heute – auch in Europa – die beste Regelung.“

Ohne uns wäre dieses Land ein anderes, es wäre weniger demokratisch und weniger gerecht.

Andreas Meyer-Lauber

Auch der Einsatz der Gewerkschaften für eine durchlässige Bildungspolitik oder die Ostpo­litik Willy Brandts blieb nicht unerwähnt. Konkursausfallgeld und die flexible Altersgrenze waren weitere Themen.

Die Ausbildungsfrage sei bis heute aktuell. „In Nordrhein-Westfalen gibt es jedes Jahr rund 24 000 junge Menschen, die keinen Ausbildungsplatz bekommen. Das ist nicht nur für die Jugendlichen fatal, sondern auch für die gesamte Gesellschaft, die die Folgekosten tragen muss“, so Meyer-Lauber. Den Unternehmen müsse klar sein, dass es ihre „gesellschaftliche Pflicht“ sei, genügend Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen und den jungen Menschen eine Chance zu geben.

Die Schließung der Zeche „Westfalen“ und den sozialverträglichen Stellenabbau ließ der Festredner nicht unerwähnt. Er musste aber auch sagen: „Dennoch war es der traurige Anfang vom Ende einer Ära.“ Andreas Meyer-Laubers Fazit: „Wir haben nicht immer alles erreicht, was wir wollten. Aber wir haben verdammt viel auf die Beine gestellt! Ohne uns wäre dieses Land ein anderes, es wäre weniger demokratisch und weniger gerecht.“ Dies sei gerade auch dem Einsatz der Jubilare zu verdanken.

Musikalisch umrahmt wurde die Jubilarfeier von Sängerin Nadine Vogel. Nach der Auszeichnung der anwesenden Jubilare gab es ein reichhaltiges Buffet. Und natürlich wurde auch noch das „Steigerlied“ gesungen.

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