„Mord am Hellweg“
Ulrich Wickert nimmt‘s genau

Ahlen -

Ja, Ulrich Wickert hat auch aus seinem neuen Buch „Das Schloss in der Normandie“ gelesen. Aber der Ex-“Mr. Tagesthemen“ unterhielt sein Publikum am Dienstag in der Lohnhalle auch mit Einblicken in seine Arbeitsweise.

Mittwoch, 26.10.2016, 19:10 Uhr

Als Gentleman unter den Krimiautoren erlebten die Besucher Ulrich Wickert am Dienstagabend bei der Lesung in der Lohnhalle der Zeche. Dabei gewährte der ehemalige „Tagesthemen“-Moderator auch Einblick in seine Arbeitsweise.
Als Gentleman unter den Krimiautoren erlebten die Besucher Ulrich Wickert am Dienstagabend bei der Lesung in der Lohnhalle der Zeche. Dabei gewährte der ehemalige „Tagesthemen“-Moderator auch Einblick in seine Arbeitsweise. Foto: Peter Harke

Seine bevorzugte Lektüre? Die Zeitungen „Le Monde“ und „Le Canard enchainé“, zumindest wenn es um Frankreich geht. Vor allem die satirische Wochenzeitung, die seit mehr als 100 Jahren ohne jegliche Werbung auskommt, ist für Ulrich Wickert eine nicht versiegende Quelle, die ihm Informationen über Affären und Skandale der französischen und frankophonen Welt liefert. Die wiederum verarbeitet er in seinen Kriminalromanen, deren Nummer sechs der frühere Anchorman der „ARD-Tagesthemen“ am Dienstagabend in der Lohnhalle der Zeche „Westfalen“ einem aufmerksamen Publikum vorstellte.

In ihrer Vorstellung des Gastes beschränkte sich Christiane Antons von der Leitung des Krimifestivals „ Mord am Hellweg “ in Unna auf das Wesentliche. Anschließend plauderte der mit einem geschmackvollen, hellbeige-karierten Sakko gekleidete Gentleman aus dem Nähkästchen und verriet den knapp 160 Besuchern, warum er auch in seinen Krimis wie auch in seinem bislang letzten „Das Schloss in der Normandie “, aus dem er passagenweise vorlas, gerne sachlich bleibt. Anstatt wie zum Beispiel Dan Brown einen Mann vor seinen Verfolgern aus den Fenstern des Louvre direkt auf einen fahrenden Lkw springen und auf diese Weise entkommen zu lassen, hält sich Wickert lieber an die Tatsachen. Mit süffisantem Lächeln stellt er fest: „Die Fenster im Louvre sind vergittert“, und der Abstand zur Straße sei selbst für gedopte Flüchtende einfach zu groß.

Das blieb an diesem Abend nicht der einzige Einblick in seine Schreibwerkstatt, den der Journalist den Zuhörern gewährte, um sie fast en passant auch noch mit den wichtigsten Protagonisten seiner Kriminalromane bekannt zu machen: dem Un­tersuchungsrichter Jacques Ricou und seiner zeitweisen Lebensabschnittsgefährtin Margeaux, einer brillanten Journalistin, und Jean-Marc, einem befreundeten Kriminalbeamten, der mit Ricou bei dessen Ermittlungen eng zusammenarbeitet und mit ihm gerne mal einen Whiskey kippt. In Wickerts in der Normandie und in Paris spielenden Roman geht es um korrupte afrikanische Potentaten wie den Präsidenten Äquatorialguineas, die in Frauenhandel und Prostitution verwickelt sind.

Das berühmte Glas mit rubinrotem Bordeaux steht nicht auf seinem Schreibtisch, wenn er schreibt, verriet Wickert. Zur Hauptproduktionszeit zwischen halb elf und halb vier Uhr ist eher ein Glas Wasser oder eine Tasse Tee in Reichweite.

Was eigentlich alle erst am Schluss erwartet hatten, nahm „Mr. Tagesthemen “, der er für viele noch ist, vorweg. „Ich habe Ingo Zamparoni gesagt, er soll sich keine Gedanken machen“, erklärte Wickert. Bei ihm habe es auch „Jahre gedauert“, bis er den Schlusssatz gefunden hatte, und das zunächst sehr zum Leidwesen der Kollegen, die aufgestöhnt hätten: „Nicht schon wieder.“ Nachdem er dann den Wunsch für eine „geruhsame Nacht“ weggelassen hatte, hätten sie ihn daran erinnert.

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