„AZ“-Multivision in der Stadthalle
Auf Hurtigruten entschleunigen

Ahlen -

Was für ein gelungener Auftakt: Zum Start in die neue Multivision-Saison kamen 620 Besucher. Sie alle wollten die schönste Seereise der Welt miterleben.

Freitag, 28.10.2016, 10:10 Uhr

An seinem Büchertisch beantwortete Kai-Uwe Küchler in der Pause und auch nach dem Vortrag noch viele Fragen. Sein neuer Hurtigruten-Bildband war am Ende ausverkauft.
An seinem Büchertisch beantwortete Kai-Uwe Küchler in der Pause und auch nach dem Vortrag noch viele Fragen. Sein neuer Hurtigruten-Bildband war am Ende ausverkauft. Foto: Dierk Hartleb

Zwölf Tage dauert heute die Reise von Bergen bis Kirkenes und zurück auf dem Seeweg. Die 620 Besucher, die am Mittwochabend in der Stadthalle zum Auftakt der 18. Saison der „AZ“-Diavortragsreihe Kai-Uwe Küchlers Impressionen von der als „schönsten Seereise der Welt“ gepriesenen Tour mit den Hurtigruten erleben wollten, benötigten gerade einmal zwei Stunden für ihre Seh-Reise.

Was 1893 als „schnelle Route“ für den Postschiffsverkehr zwischen Trondheim und Hammerfest eröffnet wurde, ist für die Touristen von heute eher eine beliebte Möglichkeit zu entschleunigen. Die einstige Romantik der Postschiffe, die die Urlauber früherer Jahre genießen konnten, ist auf den Schiffen der sogenannten mittleren Generation aus den 1980er Jahren und der modernen Passagierschiffflotte längst einem komfortablen Aufenthalt auf und unter Deck gewichen, wie der in Berlin lebende Fotograf am Beispiel der eigenen Familie dokumentarisch festgehalten hat.

Für seinen Vortrag konnte Küchler auf Fotomaterial von 15 Reisen auf verschiedenen Abschnitten der Hurtigruten zurückgreifen, so dass die Zuschauer sich ein eigenes Bild machen konnten, ob ihnen die norwegische Fjordlandschaft mehr im Frühjahr und Sommer gefällt oder doch lieber tief verschneit. Einige beschriebene Ausflüge mit dem Bus, die durch wild zerklüftete Felsenlandschaften führten und die Küchler fotografisch begleitet hatte, sind freilich bei Schnee und Eis nicht zu machen. Dafür wird der Winter-Tourist mit dem Angebot, einen Ausflug auf einem von Schlittenhunden gezogenen Gefährt auf Schienen unternehmen zu können, vollauf entschädigt.

Das älteste Schiff der Flotte steht sogar unter Denkmalschutz. Die „Lofoten“ lief 1964 in Oslo vom Stapel. Insgesamt sind es heute noch 13 Schiffe, die auf der klassischen Route nach einem festen Fahrplan verkehren und 34 Häfen anlaufen, von denen der Referent die wichtigsten wie Trondheim, Tromsø oder Hammerfest zeigte. Mit der Schließung der Poststellen im Jahr 1984 handelt es sich allerdings nicht mehr um Postschiffe im eigentlichen Sinn. Was dem touristischen Reiz keinen Abbruch tut, wobei auch die Einheimischen selbst die Hurtigruten als „Nahverkehrsmittel“ gerne in Anspruch nehmen, auch wenn heute ein gutes ausgebautes Straßennetz die Westküste bis hoch zum Nordkap erschließt.

Immer wieder unterbrach Küchler die Reise für Abstecher ins Landesinnere oder auf die Inseln der Lofoten und Vesterålen. Unterhaltsam berichtete er von seinem mehrfach vergeblichen Unterfangen, die Mitternachtssonne an der Nordspitze des Kontinents einfangen zu wollen, für jeden neuerlichen Versuch an der Mautstelle fast 25 Euro zahlend. Die Fotos beim erfolgreichen dritten Anlauf entschädigten dann allerdings für die teuren Bemühungen.

Und nirgendwo anders ist das Polarleuchten in Europa so intensiv wie am Nordkap, wie Küchler eindrucksvoll belegte. Eingestreute kurze Filmausschnitte, mit norwegischer Folklore unterlegte Passagen und eine eindrucksvolle Bildsequenz von der Begegnung mit den Ureinwohnern Nordskandinaviens, den Samen, rundeten einen Vortrag ab, der für die Besucher viele praktische Tipps für die Gestaltung ihrer eigenen gemächlichen Reise auf den Hurtigruten enthielt, die etwas von einem Ausflug in eine sehr lebendige Vergangenheit hat.

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