Ausschuss für Soziales
Viele drücken Schulden

Ahlen -

181 Menschen suchten im vergangenen Jahr die Schuldnerberatung der Diakonie auf. Die Überschuldungsquote ist in Ahlen hoch, wie Teamleiterin Jasmin Berg im Sozialausschuss berichtete.

Mittwoch, 08.02.2017, 20:02 Uhr

Die Überschuldungsquote in Ahlen ist im Vergleich zum Kreis enorm hoch. Die Schuldnerberatung verzeichnete 2016 einen Anstieg.
Die Überschuldungsquote in Ahlen ist im Vergleich zum Kreis enorm hoch. Die Schuldnerberatung verzeichnete 2016 einen Anstieg. Foto: dpa/Jochen Lübke

Die Überschuldungsquote in Ahlen ist überdurchschnittlich hoch. Jasmin Berg , zuständige Teamleiterin der Diakonie Gütersloh, stellte die Zahlen am Dienstag im Ausschuss für Soziales vor. 15,82 Prozent gegenüber einer Quote von 8,97 im Kreis Warendorf – das sei schon ein „sehr hoher Anteil“.

24 Wochenstunden steht die Diakonie in Person von Schuldnerberaterin Marianne Dircks-Reichenberg den Ahlenern zur Verfügung, in 2016 verzeichnete sie einen Anstieg auf 181 Klienten (2015: 165). Aber, so Jasmin Berg: „Wir hatten auch eine hohe Abschlussquote.“ 135 Fälle von den 181 seien beendet worden. Beendet heiße, so erklärte sie später auf Nachfrage von Franz Kimmeyer ( CDU ), dass die Schuldner durch vereinbarte Ratenzahlungen oder Vergleiche die Probleme bewältigen können, dass das Privatinsolvenzverfahren eröffnet wurde oder – das komme natürlich auch vor – der Klient sich nicht mehr meldet und von sich aus die Beratung abbricht.

Die Gründe für Überschuldung lägen oft in Krankheit oder Sucht. Viele hätten auch gesetzliche Betreuer, weil eine psychische Erkrankung vorliegt.

Die „Mängel in der Haushaltsführung“ also die fehlende Fähigkeit, mit Geld umgehen zu können, sei als Ursache in Deutschland zwar rückläufig, in Ahlen habe man aber auch dabei einen Anstieg festgestellt. Wieder im Bundestrend liege Ahlen aber bei der Altersstruktur: Die Überschuldung junger Menschen sei angestiegen. Und auch die Frauenquote. Von den Klienten in Ahlen 2016 seien 78 Frauen gewesen – 18 mehr als in den Jahren davor.

Jasmin Berg zitierte zudem Aussagen, die sie in der Beratung immer wieder höre: „Ich esse nur alle zwei Tage, damit ich meine Schulden bezahlen kann“ und „Ich habe seit sechs Monaten keinen Strom mehr“.

Besonders die zweite Aussage bestürzte Iris Binder (CDU): Sie erinnerte an die Vereinbarung mit den Stadtwerken, dass immer versucht werde, gemeinsam eine Lösung zu finden, um eine Stromsperre zu vermeiden. „Die gibt es auch“, erklärte Thomas Schürmeyer von der Sozialabteilung. Der Klient müsse allerdings auch den Weg zur Schuldnerberatung gehen und mitarbeiten. Oder zur Caritas-Sozialberatung, wie Fachbereichsleiterin Ulla Woltering ergänzte: „Aber das muss die Person auch selbst machen.“ Jasmin Berg bestätigte das: „Der Schuldner nimmt Hilfen oft nicht in Anspruch. Er will das selbst regeln – aus Scham.“

Wer Hilfe brauche, bekomme in der Regel innerhalb von 14 Tagen eine ausführliche Erstberatung, berichtete Jasmin Berg dann auf Nachfrage von Sebastian Richter (SPD). Danach könne er die Zeit überstehen, bis es zu den weiteren Beratungen kommt. Das dauere in etwa fünf Monate, was noch im „grünen Bereich“ läge.

Fünf Monate seien der SPD aber zu lang, so Richter. Er bat die Verwaltung, durchzurechnen, was eine Aufstockung der Beratungsstunden kosten würde. Rita Pöppinghaus-Voß (CDU) verwies darauf, dass dann aber alle Beratungsangebote berücksichtigt werden müssten: die von Job-Center und Caritas zum Beispiel.

Eine Auflistung an Angeboten und Kosten wolle sie gerne liefern, sagte Ulla Woltering zu.

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