Dramatischer Schaden an Haus Pustekrey
Herrenhaus-Fassade eingestürzt

Ahlen -

Für die Denkmalschützer im Land ist es eine mittelschwere Katastrophe: Die Frontfassade des Herrenhauses Pustekrey ist vor wenigen Tagen eingestürzt. Trotzdem besteht noch die Hoffnung, das denkmalgeschützte Anwesen für die Nachwelt zu erhalten.

Dienstag, 07.03.2017, 08:03 Uhr

Durch den Einsturz wurden auch bislang intakte Elemente aus den Innenräumen mitgerissen. Stahlstreben stützen nun das darüberliegende Dachgebälk ab.
Durch den Einsturz wurden auch bislang intakte Elemente aus den Innenräumen mitgerissen. Stahlstreben stützen nun das darüberliegende Dachgebälk ab. Foto: Stadt Ahlen

Dramatische Entwicklung an Haus Pustekrey: Nahezu die gesamte Frontfassade des denkmalgeschützten Herrensitzes an der Alten Beckumer Straße ist eingestürzt. Der Blick in die Innenräume zur Hofseite ist frei, auf dem Vorplatz liegen Ziegelsteine, Putzbrocken und Fachwerkelemente verstreut. Immerhin ist das Dach provisorisch abgestützt, Möbel sind in Sicherheit gebracht worden – als Notmaßnahme.

Bei der Unteren Denkmalbehörde sitzt der Schock tief. „Ich habe vor knapp zwei Wochen von dem Einsturz erfahren“, sagt Nicole Wittkemper-Peilert im Gespräch mit unserer Zeitung. „Der Zustand bereitet mir seither schlaflose Nächte.“

Herrensitz Haus Pustekrey

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  • Schweren Schaden hat das uralte Herrenhaus Pustekrey in der Ahlener Bauerschaft Rosendahl genommen. Foto: Stadt Ahlen
  • Schweren Schaden hat das uralte Herrenhaus Pustekrey in der Ahlener Bauerschaft Rosendahl genommen. Foto: Stadt Ahlen
  • Schweren Schaden hat das uralte Herrenhaus Pustekrey in der Ahlener Bauerschaft Rosendahl genommen. Foto: privat
  • Schweren Schaden hat das uralte Herrenhaus Pustekrey in der Ahlener Bauerschaft Rosendahl genommen. Foto: Archiv
  • Schweren Schaden hat das uralte Herrenhaus Pustekrey in der Ahlener Bauerschaft Rosendahl genommen. Foto: Archiv
  • Schweren Schaden hat das uralte Herrenhaus Pustekrey in der Ahlener Bauerschaft Rosendahl genommen. Foto: Archiv
  • Schweren Schaden hat das uralte Herrenhaus Pustekrey in der Ahlener Bauerschaft Rosendahl genommen. Foto: Archiv
  • Schweren Schaden hat das uralte Herrenhaus Pustekrey in der Ahlener Bauerschaft Rosendahl genommen. Foto: Archiv
  • Schweren Schaden hat das uralte Herrenhaus Pustekrey in der Ahlener Bauerschaft Rosendahl genommen. Foto: Archiv
  • Schweren Schaden hat das uralte Herrenhaus Pustekrey in der Ahlener Bauerschaft Rosendahl genommen. Foto: Archiv
  • Schweren Schaden hat das uralte Herrenhaus Pustekrey in der Ahlener Bauerschaft Rosendahl genommen. Foto: Archiv

Haus Pustekrey steht schon seit vielen Jahren leer. Der Eigentümer bewohnt ein benachbartes Gebäude des urigen Gräftenhofes. Die Stadtverwaltung steht mit ihm seit Jahren im Gespräch. Er sei aufgefordert worden, zügig Maßnahmen zur Sicherung der verbliebenen Substanz einzuleiten, doch die Sorge um die ohnehin seit langem ungewisse Zukunft der Anlage habe jetzt eine noch größere Schärfe bekommen. Zumal bislang geschützte Details wie der Kamin – datiert auf 1616 – und Holztreppen wie Böden nun Wind und Wetter ausgesetzt sind.

Massive Vorschäden waren bekannt

Der Einsturz ist für Fachleute eine mittelschwere Katastrophe , vor der sie lange gewarnt haben. Aber: „Das Haus ist noch zu retten“, so Wittkemper-Peilert. „Der Dachstuhl ist gut in Schuss und das Interieur nicht nur erhaltungswürdig, sondern vor allem erhaltungsfähig.“ Die Frage sei nur, wie schnell und wie umfangreich eine Sanierung vonstatten gehen kann.

Erst vor zwei Jahren gab es eine aufwendige Kartierung und Dokumentierung des Objekts, wobei an den äußeren Fachwerkelementen bereits massive Schäden festgestellt wurden. „Der harte Zementputz ist das Problem“, weiß die Denkmalfachfrau. „Wird er rissig, dringt Feuchtigkeit in die Fassade ein, die nicht mehr abtrocknen kann. Dadurch wird das Holz langfristig porös.“

Bei einer Sanierung hätte man wohl den größten Teil der äußeren Balken entfernen müssen. „Schade ist, dass wir jetzt auch das noch verwertbare Material der Hauptfassade verlieren, inklusive der Renaissance-Medaillons, die sich über den Fenstern befanden.“

Wertvoller Herrensitz in Westfalen

Dr. Fred Kasper , Volkskundler und Denkmalpfleger beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe in Münster, hatte im Zuge der Kartierung eine aufschlussreiche Abhandlung über die Pustekrey-Historie vorgelegt. Vermutlich stammt das Rittergut schon aus der Zeit um 1100 und erhielt nach 1600 seine heutige Gestalt.

„Dieses Haus ist für uns von sehr großem Wert“, ergänzt Nicole Wittkemper-Peilert hierzu. „Es gibt in Westfalen nur noch zwei erhaltene Adelssitze in reiner Fachwerkbauweise – Haus Vorhelm und Haus Pustekrey.“ Einzig die Wetterseite wurde nach 1930 – aufgrund zu starker Schäden – mit einer Ziegelmauer versehen.

Der Zustand bereitet mir schlaflose Nächte.

Nicole Wittkemper-Peilert

Seppenhagen, Kalckstein oder Neuengraben – allesamt Namen von Herrenhäusern in der nahen Umgebung von Ahlen, die zwar Kriege und Notzeiten überstanden, aber dem modernen „Aufbruchszeitgeist“ zwischen 1960 und 1980 nicht standhielten. Sie alle wurden meist ohne Not abgerissen. Haus Pustekrey blieb von diesem Schicksal verschont, wurde in Folge auch nicht großartig verändert. Es gilt mithin als einer der wertvollen Herrensitze in Westfalen.

Akutes Thema in Ausschuss

Ursprünglich war Pustekrey Teil einer noch größeren Anlage, bei deren Ausbau der Bauherr Eberhard von Bischoping 1624 bankrott ging, heißt es in der Ahlener Denkmalkartei. Das Innere wurde durch zwei Querwände in drei gleich große Räume gegliedert. In der Mitte befindet sich der Eingangsbereich, daneben jeweils die seitlichen, mehrgeschossigen Bereiche. Das Haus ging im Jahr 1832 in bäuerlichen Besitz über.

Am nächsten Montag, 13. März, wird Haus Pustekrey im Rahmen des Jahresberichts zur Stadtbild- und Denkmal auch im Schul- und Kulturausschuss Thema sein.

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