Kritik am Online-Versandhandel
Apotheken werben für lokale Kompetenz

Ahlen -

Wenn es nach Matthias Bußmann ginge, wäre dem Onlinehandel mit Medikamenten längst ein Riegel vorgeschoben. „Ausländische Versandapotheken hebeln langfristig unser System aus“, kritisiert er.

Samstag, 25.03.2017, 20:03 Uhr

Gespräch in der Park-Apotheke: Heike Friedrich, Nina Räckers, Henning Rehbaum, Matthias Bußmann, Valeria Holstein, Anna Lena Weiß und Praktikantin Lejla Karic (v.l.).
Gespräch in der Park-Apotheke: Heike Friedrich, Nina Räckers, Henning Rehbaum, Matthias Bußmann, Valeria Holstein, Anna Lena Weiß und Praktikantin Lejla Karic (v.l.). Foto: Christian Wolff

Es gibt kaum noch etwas, das sich Verbraucher nicht im Internet bestellen können. Doch der ungleiche Wettbewerb, den ausländische Versandapotheken immer stärker für sich nutzen, wird für die ortsansässigen Apotheker zunehmend zum Existenzproblem.

Wenn ich Medikamente über das Internet bestelle, ist das etwas anderes als Schuhe oder Nudelsuppe.

Henning Rehbaum

„Wenn ich Medikamente über das Internet bestelle, ist das etwas anderes als Schuhe oder Nudelsuppe“, sagt Henning Rehbaum . Der CDU-Landtagsabgeordnete besuchte am Freitagvormittag Matthias Bußmann , der mehrere Apotheken in Ahlen betreibt. Im Gespräch erörterten sie die Probleme, die sich aus der Handelsfreiheit ergeben, die der Europäische Gerichtshof den Online-Apotheken inzwischen zugestanden hat. „Zum Nachteil unserer Solidargemeinschaft“, wie Bußmann betont. „Der Versandhandel hat Möglichkeiten, die wir alle nicht haben. Dahinter stecken Kapitalgesellschaften, die versuchen, unser bestehendes System auszutrocknen.“ Gewinnmaximierung stehe bei ihnen ganz oben auf den Zielvorgaben.

„So ist das kein fairer Wettbewerb.“

Für Rehbaum ist es nicht nachvollziehbar, dass ein so sensibles Gut wie Arzneimittel auf eine Stufe mit Konsumgütern gestellt wird. Bußmann machte es an einem konkreten Beispiel fest: „Wenn wir Medikamente ausliefern, müssen wir garantieren, dass die Pakete durchweg bei konstanter Temperatur bewegt worden sind. Da geht es um Qualität.“ So etwas werde bei den im Internet bestellten Medikamenten nicht gefordert. „So ist das kein fairer Wettbewerb.“ Seine eigene Existenz sieht Bußmann zwar noch nicht gefährdet, aber: „Um die kleinen Dorfapotheken mache ich mir langfristig große Sorgen.“

Wersestadt stehe in einem besonderen Fokus

Die Zahl der traditionellen Apotheken ist bundesweit rückläufig. Waren es 2011 noch 22 600, ist die Zahl inzwischen unter 20.000 gesunken. „160.000 Arbeitsplätze hängen in unserer Branche davon ab“, sagt der Ahlener Apotheker. „Und die sind familien- und frauenfreundlich wie in nur wenigen Branchen.“ Die Wersestadt stehe in einem besonderen Fokus, denn: „In den vergangenen sechs Jahren haben hier sechs Apotheken die Pforten dichtgemacht“, erklärt Bußmann.

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