Erste Hilfe bei Tieren
Bei Schmerzen wird‘s gefährlich

Ahlen -

Erste Hilfe gilt auch für Vierbeiner: Was ist zu beachten, wenn Tiere in Notlagen geraten? Einsatzkräfte ließen sich jetzt von Tierärztin Dr. Tanja Pollmüller fortbilden.

Donnerstag, 27.04.2017, 10:04 Uhr

So geht‘s: Christoph Faust probierte den provisorischen Bissschutz unter den Blicken von Dr. Tanja Pollmüller und Anna Hoffbauer. Auch das Anlegen eines Druckverbands gehörte zum praktischen Teil.
So geht‘s: Christoph Faust probierte den provisorischen Bissschutz unter den Blicken von Dr. Tanja Pollmüller und Anna Hoffbauer. Auch das Anlegen eines Druckverbands gehörte zum praktischen Teil. Foto: Peter Schniederjürgen

Ein Reh im Stacheldraht, ein eingeklemmter Hund im Auto oder eine festgefrorene Ente – die Feuerwehr kommt mitunter zu wahrhaftig „exotischen“ Einsätzen. Um auch haustierlosen Wehrleuten die Maßnahmen und das richtige Verhalten gegenüber kranken, verletzten oder in Not befindlichen Tieren nahezubringen, informierte am Dienstagabend Dr. med. vet. Tanja Pollmüller und ihre Mitarbeiterin Anna Hoffbauer über Erste Hilfe am Tier.

„Für uns geht es darum, Leben zu retten. Da hätte der Wellensittich gegenüber dem Van Gogh Priorität“, sagte Christoph Faust , stellvertretender Wehrleiter, bei der Begrüßung. An die 60 Wehr- und DRK-Leute aus Ahlen und Ennigerloh hörten sich die interessanten Ausführungen an.

Dr. Pollmüller unterstrich ihren Vortrag durch eine Powerpoint-Präsentation. Vor allem aber durch Hündin Emma. Sie war das Model für mehr als Druckverbände und provisorischen Bissschutz. Gerade letzterer ist für die Helfer sehr wichtig. „Besonders Katzen haben extrem viele Keime im Maul. Wer hier gebissen wird, muss unbedingt mit Antibiotika behandelt werden“, sagte die Tierärztin. Viele Kollegen seien an solchen Bissen erkrankt. Die Folgen könnten bis zur Amputation von Gliedmaßen reichen.

Dr. Tanja Pollmüller gab eine kurze Einweisung in die Körpersprache von Hunden. Vereinfacht: groß aufgebaut, gestäubtes Fell – aggressiv, dominant. Klein geduckt – ängstlich. „Aber dennoch nicht ungefährlich, gerade wenn das Tier auch noch Schmerzen hat“, mahnte die Referentin. Der Bissschutz habe Priorität.

Auch ein Verband will fachgerecht angelegt sein.

Auch ein Verband will fachgerecht angelegt sein. Foto: Peter Schniederjürgen

Besonders widmete sich die Veterinärmedizinerin mit Blick auf die warme Jahreszeit dem Problem von Hunden im parkenden Auto. „Hunde haben kaum Schweißdrüsen und kühlen sich über Hecheln ab“, erklärte Tanja Pollmüller. Ein Auto heize sich enorm schnell auf und werde so oft zur Todesfalle für die Tiere. „Ich habe schon ganz entsetzliche Notfälle durch Überhitzung gesehen“, berichtete sie. Denn schon bei nur 22 Grad Außentemperatur brauche es deutlich weniger als 30 Minuten, bis es im Auto für Tiere gefährlich heiß werde. „Also besser vorm Laden anbinden oder sie noch besser gleich zu Hause lassen“, folgerte die Medizinerin.

Abschließend konnten die Einsatzkräfte ihr soeben erworbenes Wissen praktisch ausprobieren – nicht an Hündin Emma, sondern an Stoffhund Lupo. Dazu sammelte die Referentin noch freiwillige Spenden für das Tierheim.

Für Hündin Emma war es sicher ein schöner Abend. Sie wurde nämlich für jeden Auftritt mit einem Leckerchen belohnt, was den Schwanz freudig wedeln ließ.

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