Lesung mit Andreas Malessa
Luther war bis zum Tod Katholik

Ahlen -

„Hier stehe ich, es war ganz anders“ – unter diesem Motto räumte der evangelische Theologe und Journalist Andreas Malessa mit vermeintlichen Taten und Aussprüchen Luthers auf.

Dienstag, 09.05.2017, 18:05 Uhr

Auch sein katholischer Kollege Willi Stroband ließ sich von Andreas Malessa das soeben erworbene Buch über Luther signieren.
Auch sein katholischer Kollege Willi Stroband ließ sich von Andreas Malessa das soeben erworbene Buch über Luther signieren. Foto: Dierk Hartleb

Allzu viel ließ Andreas Malessa am Montagabend bei der Lesung aus seinem Buch „Hier stehe ich, es war ganz anders“ in der Mayerschen Buchhandlung Sommer nicht übrig von den Martin Luther zugeschriebenen Taten und Zitaten. Der evangelische Theologe und Journalist hat sich durch 7000 Tischreden Luthers und 2285 Briefe des Reformators mit der Absicht durchgearbeitet, die Anekdoten über dessen Leben auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen.

Selbst der lThesenanschlag am 31. Oktober 1517 an die Schlosskirche zu Wittenberg hält nach Ansicht Malessas einer seriösen historischen Betrachtung nicht stand. Zumindest, so der Radio- und TV-Journalist, fänden sich in Luthers Briefen und Reden keine Hinweise auf eine solche historische Begebenheit.

Als gesichert könne dagegen gelten, dass Luther wegen des in seinen Augen missbräuchlichen Ablasshandels vor allem durch den Dominikanermönch Johann Tetzel an seine kirchlichen Vorgesetzten schrieb.

Eingangs verblüffte der Autor mit der Feststellung, dass Martin Luther zeitlebens Katholik geblieben und er auch nicht der Begründer der evangelischen Kirche sei. Kenntnisreich, rhetorisch brillant und mit hintergründigem Humor nahm sich Andreas Malessa reihenweise eine vermeintliche Wahrheit oder ein angebliches Zitat Luthers vor, um es in das Reich der Legenden zu verweisen. So auch den berühmten Ausspruch „Und wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen. . .“ Der schriftliche Beweis finde sich allerdings erst in einem Gemeindebrief, mit dem diesen ein Pfarrer, Mitglied der Bekennenden Kirche, 1944 auf Luther verweisend beschloss.

Richtig sei allerdings, dass Luther den Bund der Ehe mit Katharina von Bora unter Zeugen vollzogen habe. Das sei damals so üblich gewesen, um in Ermangelung eines Standesamtes die Heirat rechtsverbindlich zu besiegeln.

Inzwischen herumgesprochen habe es sich, dass Luther nicht der Erste war, der die Bibel übersetzt hat. Vor ihm habe es schon 72 deutschsprachige Übersetzungen gegeben, die allerdings zum Teil völlig unverständlich gewesen seien.

Zuvor hatte Andreas Ma­lessa im bewährten Frage-Antwort-Modus mit VHS-Leiter Rudolf Blauth auch das ein oder andere Persönliche ausgeplaudert. So zum Beispiel, dass sich „die Lust an der Sprache“ schon in der Schulzeit bemerkbar gemacht habe. Seine ersten journalistischen Erfahrungen habe er bei der Schülerzeitung gemacht. „Ich bin immer noch neugierig auf Menschen“, teilte er den zahlreichen Zuhörern abschließend mit.

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