Analyse zur Landtagswahl in Ahlen
AfD in SPD-Hochburgen zweistellig

Ahlen -

Die „Alternative für Deutschland“ (AfD) hat am Sonntag bei der Landtagswahl in Ahlen mit 7,6 Prozent ihr kreisweit bestes Ergebnis erzielt. Im Süden und Osten der Stadt kamen die Rechtspopulisten auf zweistellige Werte.

Dienstag, 16.05.2017, 23:00 Uhr
Den Tag über lief es rund im Wahlbezirk 12 (Städtisches Gymnasium). Die Auszählung am Abend verzögerte sich dann jedoch ein wenig wegen einer verübergehend „fehlenden“ Stimme. Aber am Ende passte alles wieder.
Den Tag über lief es rund im Wahlbezirk 12 (Städtisches Gymnasium). Die Auszählung am Abend verzögerte sich dann jedoch ein wenig wegen einer verübergehend „fehlenden“ Stimme. Aber am Ende passte alles wieder. Foto: Ulrich Gösmann

Dr. Alexander Berger „kämpfte“ mit der Fernbedienung. „Wo ist denn hier das Erste?“, fragte der Bürgermeister seinen Referenten Frank Merschhaus und erklärte, fast entschuldigend, den Fernseher in seinem Besprechungszimmer zuvor noch nie benutzt zu haben. Überhaupt war es eine Premiere für ihn: Erstmals in dieser Funktion verfolgte der Verwaltungschef am Sonntagabend im Rathaus den Ausgang einer Wahl – und das, wie er zugab, „deutlich entspannter“ als am 27. September 2015, als es für ihn selbst um die Wurst ging. Das Ergebnis ließ Berger freilich auch diesmal nicht unberührt, er freute sich über die gestiegene Wahlbeteiligung und offen auch über das aus seiner Sicht nicht unverdient gute Abschneiden des CDU-Landtagskandidaten Henning Rehbaum , der in Ahlen immer „sehr präsent“ gewesen sei.

CDU „jenseits der Bahn“ unter 20 Prozent

Erleichtert zeigte sich Berger darüber, dass die AfD nicht noch mehr Stimmen bekommen hatte. Gleichwohl erzielten die Rechtspo­pulisten in der Wersestadt mit 7,6 Prozent ihr kreisweit bestes Ergebnis, gefolgt von Ennigerloh mit 7,1 Prozent. In drei Stimmbezirken wurde die AfD sogar zweistellig: Gesamtschule links (13,1), Feuerwache Süd (12,4) und Jugendzentrum Ost (10,2). Allesamt einstige Hochburgen der SPD im Süden und Osten der Stadt. Zwar liegen die Sozialdemokraten „jenseits der Bahn“ immer noch weit vor der CDU, die in allen drei genannten Bezirken unter 20 Prozent blieb, können offenbar aber viele ihrer ehemaligen Stammwähler nicht mehr mobilisieren. Die Feuerwache Süd verzeichnete denn auch mit 35,9 Prozent den mit Abstand geringsten Zulauf unter allen 22 Wahllokalen. Von 1443 Wahlberechtigten gaben hier nur 518 ihre Stimme ab, davon 63 für die AfD – so viele wie für Grüne, FDP und Linke zusammen.

Grüner Ali Bas nicht mehr im Landtag

Bei den Erststimmen belegte der AfD-Kreisvorsitzende Dr. Christian Blex in Ahlen hinter Henning Rehbaum (CDU) und Annette Watermann-Krass (SPD) den dritten Platz mit 6,3 Prozent, knapp vor FDP-Mann Markus Diekhoff (6,2 Prozent), der ebenso wie Blex über die Landesliste in den Düsseldorfer Landtag einziehen wird. Sein Abgeordnetenmandat los ist hingegen der Grüne Ali Bas, der den vermeintlichen „Heimvorteil“ als Ahlener noch weniger ausspielen konnte als Reiner Jenkel, der auf sich immerhin ein Prozent mehr Stimmen zog als seine Partei „Die Linke“.

Splitting zwischen Erst- und Zweitstimme

Am weitesten klafft die Schere zwischen Erst- und Zweitstimmenergebnis bei Union und Liberalen ausein­ander. Henning Rehbaum verbuchte für sich persönlich 6,6 Prozent mehr Zustimmung als die CDU, umgekehrt blieb der FDP-Kreisvorsitzende Markus Diekhoff um 3,9 Prozent hinter seiner Partei zurück. Ein deutlicher Hinweis darauf, dass viele Wähler im bürgerlichen Lager ihre Stimmen gesplittet haben, um Lindner und Co. im Land zu stärken, sei es als Oppositionspartei oder als Partner in einer möglichen schwarz-gelben Koalition. Ihren Spitzenwert (ohne Briefwahl) erreichte die FDP mit 12,7 Prozent im Bezirk Realschule rechts, und selbst im „roten“ Ostenstadtteil kam sie durchweg auf mindestens fünf Prozent. Für die Grünen war das bei dieser Wahl schon das höchste der Gefühle.

„Piraten“ unter ferner liefen

Die „Piraten“, die 2012 in Ahlen mit 7,2 Prozent sensationell noch vor Grünen, FDP und Linken lagen, stürzten auf 0,7 Prozent in die Bedeutungslosigkeit ab. Unter den „Sonstigen“, die mit dem Wahlausgang nichts zu tun haben, ragt eine Gruppierung punktuell ein wenig heraus: die „Allianz Deutscher Demokraten“, kurz AD-Demokraten NRW. Auf die von dem deutsch-türkischen Unternehmer Remzi Aru, ei­nem bekennenden Erdogan- und AKP-Anhänger, 2016 nach der Armenien-Resolution des Deutschen Bundestages gegründete Partei, die sich explizit an in Deutschland wahlberechtigte türkischstämmige Mi­granten wendet, entfielen in der Feuerwache Süd 4,3 Prozent, im Jugendzentrum Ost 3,6 Prozent. Stadtweit kommt die ADD aber nur auf 0,6 Prozent und liegt damit gleichauf mit der Tierschutzliste.

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