Reparatur-Café
Erfolgsquote bei 80 Prozent

Ahlen -

Fahrräder und Kaffeemaschinen, Kleidung und Toaster gehören zu den Gerätschaften, die beim Reparatur-Café im St. Vinzenz am Stadtpark wieder flott gemacht werden.

Mittwoch, 02.08.2017, 12:08 Uhr

Olga Toppmöller hängt an ihrer Nähmaschine und ist froh, dass Manfred Hinkel (l.) und Norbert Otto (r.) das alte Schätzchen wieder in Gang setzen können.
Olga Toppmöller hängt an ihrer Nähmaschine und ist froh, dass Manfred Hinkel (l.) und Norbert Otto (r.) das alte Schätzchen wieder in Gang setzen können. Foto: Ralf Steinhorst

Was defekt ist, muss nicht gleich auf den Müll. Dieser Auffassung ist zumindest das Team des Reparatur-Cafés, das sechsmal im Jahr im „St. Vinzenz am Stadtpark“ seine Dienste anbietet, um den Versuch zu starten, Gebrauchsgegenstände wieder gängig zu machen. Das schaffen die tüftelbegeisterten Senioren fast immer.

„An vielen Dingen hängen die Menschen und wollen sie nicht wegwerfen“, weiß Anne Althaus von der Leitstelle „Älter werden in Ahlen“, die zusammen mit dem Caritasverband des Dekanats Ahlen und dem Verein „Anti-Rost“ Warendorf das Reparatur-Café organisiert. Aber auch der Nachhaltigkeitsgedanke spielt bei einigen eine große Rolle und der Trotz gegen die heutige Wegwerfgesellschaft.

Das „St. Vinzenz“ ist froh, dass die Einrichtung in den Räumen des Gruppenergänzenden Dienstes seine neue Heimat gefunden hat. Denn so können die eigenen Bewohner mit unterstützen – ob bei den Reparaturen oder beim Kuchenverkauf. Die Besucher können gegen einen kleinen Obolus bei Mohammed Ziani, Bewohner des Hauses, Kaffee und Kuchen bestellen. Während ihre Geräte wieder instand gesetzt werden, kann so der eine oder andere Schnack gehalten werden.

Die Erfolgsquote ist im Reparatur-Café hoch, sie liegt bei 80 Prozent. Anne Althaus hält das ganz genau fest, denn vor der Reparatur muss der Bürger angeben, welcher Missstand behoben werden soll. Bevor es aber richtig losgehen kann, muss eine Haftungserklärung unterschrieben werden, dass kein Reparaturvertrag im juristischen Sinne abgeschlossen wird. Dafür ist die Reparatur kostenlos, auch wenn um eine kleine Spende gebeten wird.

„Das ist ein Softwarefehler“, erkennt Georg Schmülling schnell, als er einen Drucker wieder ans Laufen bringen soll, der keine Nachfüllpatronen mehr erkennt. Der Tipp des pensionierten Elektromeisters: am besten Originalpatronen verwenden, dann wird es hoffentlich gehen. Einen Tisch weiter hat Olga Toppmöller ihre alte Nähmaschine in die Hände von Manfred Hinkel gegeben, der früher einmal Starkstromelektriker auf der Zeche war. „Ich habe immer gerne damit genäht“, will sie das alte Schätzchen noch nicht aufgeben. Der Anpressdruck der Nadel und Abdeckplatte sind verloren gegangen. Ein Blick auf das Gerät verrät: Ursache ist ein verbogenes Scharnier einer Abdeckplatte. Weggelassen werden kann das aber nicht, Sicherheit geht vor. Also wird es gerichtet, die Nähmaschine ist wieder funktionstüchtig. „Die entwickeln einen tollen Ehrgeiz“, ist die Seniorin nicht das erste Mal von der Tüftelei der Reparateure begeistert.

Im Raum nebenan wird Kleidung geändert oder geflickt. Ismet Seker ist wie ihre Kollegin Esma Ataj gelernte Schneiderin und kürzt gerade die beiden Ärmel ei­nes Hemdes. Was der außergewöhnlichste Auftrag war? Die Reparatur eines Stoffes, der auf einen Nähkasten gespannt war.

Insgesamt sind es 16 Senioren, die sich mit der ehrenamtlichen Tüftelei etwas Unruhestand verschaffen möchten. Bis zu 25 „Patienten“, darunter Fahrräder, Kaffeemaschinen oder Föne, kommen an einem Nachmittag zusammen. Das wird beim nächsten Reparatur-Café am 22. September ab 15 Uhr sicher wieder nicht anders sein.

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