„Fernweh“-Freiluft-Kino
Kultur-Barrieren mit Humor abbauen

Ahlen -

Mit Sitzkissen und Decken war das Sommerkino im Rahmen der „Fernweh“-Reihe auch bei wenig sommerlichen Temperaturen angenehm. Über 60 Interessierte verfolgten den Film „Ein Dorf sieht schwarz“.

Sonntag, 06.08.2017, 11:08 Uhr

Edith Feldkamp und Michael Leifeld vom Büz-Vorstand freuten sich über mehr als 60 Zuschauer beim Film.
Edith Feldkamp und Michael Leifeld vom Büz-Vorstand freuten sich über mehr als 60 Zuschauer beim Film. Foto: Feischen

„Habt ihr noch nie eine Schwarze gesehen?“, fragt die Frau aus dem Kongo sichtlich genervt die Tiere, als sie an einer Kuhweide vorbeigeht. Auch diese Schlüsselszene des Films „Ein Dorf sieht schwarz“ überzeichnet wie die gesamte Komödie auf humorige Weise Rassismus und Vorurteile, aber auch Ressentiments seitens der Einheimischen wie der Zuwanderer, die in einem kleinen Ort in der Provinz aufeinandertreffen.

Edith Feldkamp und Michael Leifeld vom Vorstand der Initiative „Bürgerzentrum Schuhfabrik“ freuten sich, dass die französische Filmkomödie am Samstagabend wie angekündigt auf Großleinwand auf dem Parkplatz hinter dem Zentrum nach Einbruch der Dunkelheit gezeigt werden konnte, womit nach dem zum Teil regnerischen Tag nicht unbedingt zu rechnen war. Sitzkissen und Decken lagen für die Besucher der Freiluft-Kino-Veranstaltung bereit, die im Rahmen der sommerlichen „Fernweh“-Reihe bei wenig sommerlichen Temperaturen stattfand.

Am späten Abend begrüßte Edith Feldkamp über 60 Zuschauer, die amüsiert die Geschichte um eine kongolesische Arztfamilie verfolgten. Die rechnet damit, im glamourösen Paris anzukommen, findet sich jedoch mitten auf dem Land wieder, wo Familienoberhaupt Seyolo Zantako eine Dorfpraxis eröffnet - in der Hoffnung, die französische Staatsbürgerschaft zu erlangen. Den Film, der in den 1970er Jahren spielt und auf Tatsachen beruht, inszenierte Julien Rambaldi 2016 in seiner dritten Regiearbeit mit jener Leichtigkeit, wie man sie von vielen französischen Komödien her kennt. So manchen erinnerte „Ein Dorf sieht schwarz“ in seiner Machart denn auch an den großen Kinoerfolg „Willkommen bei den Sch‘tis“.

Wenn etwa die Hauptfigur Seyolo Zantako seine Verwandtschaft zum Weihnachtsgottesdienst einlädt, die dann die biedere Dorfveranstaltung mit Gospel-Songs mächtig aufmischt oder die Tochter in der Jugendfußballmannschaft ein Tor nach dem anderen schießt, sind – trotz des ernsten Anliegens der Geschichte – immer wieder Lacher im Publikum garantiert. Auch, wenn „Ein Dorf sieht schwarz“ mit vielen Klischees arbeitet, wie die Zeitschrift „Filmdienst“ anlässlich des bundesweiten Kinostarts im April kritisch anmerkte, und die Komödie gar als „Integrationsschnulze“ einstufte, kam der unterhaltsame Film am Samstag offensichtlich bei den „Fernweh“-Zuschauern an. Schließlich zeigt der am Beispiel der Arztfamilie aus Afrika, wie man mit Geduld, Gelassenheit und vor allem mit viel Humor kulturelle Barrieren abbauen kann.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5058351?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F126%2F
Nachrichten-Ticker