Anträge aus aller Welt
Ahlener wählen auch in Afghanistan und Australien

Ahlen -

Das Briefwahlbüro im Ahlener Rathaus hat noch nicht geöffnet, da sind Stimmzettel schon unterwegs: nach Afghanistan, Australien und anderswo. Mit der Post aus Ahlen klappt‘s, mit der aus Münster nicht immer.

Freitag, 25.08.2017, 06:08 Uhr

So lang  ist er diesmal. Stadt-Azubi Khatera Popal mit dem aktuellen Stimmzettel
So lang  ist er diesmal. Stadt-Azubi Khatera Popal mit dem aktuellen Stimmzettel Foto: Ulrich Gösmann

Anruf aus Afghanistan. So klar und scheinbar nah. „Klang wie ein Ortsgespräch“, freut sich Silke Fischer , Sachbearbeiterin für Wahlen im Rathaus. Der Dank eines Kameraden kam aber nicht aus der „Westfalen-Kaserne“, sondern aus dem Feldlager der deutschen Truppe am Hindukusch. Die Wahlunterlagen seien gerade eingegangen und gingen gleich wieder raus. Er wolle einfach nur „Danke“ sagen. Wie nett!

Die Post macht Probleme

Vergangenen Montag über die Feldpost der Bundeswehr rausgeschickt, nächsten Montag vielleicht schon wieder zurück im Rathaus? Das wäre auch der Tag, an dem das Briefwahlbüro zur Bundestagswahl 2017 öffnet. Was den 792 Ahlenern egal sein kann, die bereits bis zu diesem Donnerstagmorgen, 9.07 Uhr, ihre Anträge auf Zusendung von Briefwahlunterlagen online an die Stadt gesendet haben.

Ja, der Doktor ist diesmal drauf.

Silke Fischer

„Ja, es läuft“, sagt Silke Fischer, will die Zahl aber nicht überbewerten, weil es nicht an allen Stellen richtig rund laufe. Probleme macht diesmal die Post. „Sie hat zeitverzögert rausgeschickt.“ Die Wahlbenachrichtigungskarten, die bei „Citeq“ – einem Eigenbetrieb der Stadt Münster – gedruckt wurden und auch dort in den Versand gingen.

Das Glätten der Wogen

Fischer: „Da haben wir nichts mit zu tun.“ Nur mit dem Ärger, der auch am Donnerstag das Telefon läuten lässt. Ein Mann erregt sich: Die anderen in der Familie hätten ihre Karte gekriegt, er nicht. Dann ginge er eben nicht wählen! Kurz erklärt, sind die Wogen schnell geglättet. „Ich schicke Ihnen noch eine raus“, sagt Sachbearbeiterin Silke Fischer, während die Finger über die Tastatur tanzen. Zur Verabschiedung noch ein kleiner Wink: „Aber jetzt nicht zweimal wählen, sollte die andere noch kommen.“ Was eh nicht gehen würde.

Noch hinter verschlossenen Türen: Das Briefwahlbüro im Rathaus arbeitet bereits im Hintergrund.

Noch hinter verschlossenen Türen: Das Briefwahlbüro im Rathaus arbeitet bereits im Hintergrund. Foto: Ulrich Gösmann

Ansonsten keine Probleme. Auch nicht mit Adel, Ärzten und anderen Akademikern, deren Titel zuletzt bei der Landtagswahl unterschlagen wurden. „Ja, der Doktor ist diesmal drauf“, lacht Fischer. Auch wenn die Angelegenheit, die wieder in die Verantwortung von „Citeq“ fiel, einiges an Missstimmungen und Mehrarbeit mit sich gebracht hatte. Aber jetzt ist die Bundestagswahl im Blick.

Azubis und Praktikantinnen im Wahleinsatz.

Azubis und Praktikantinnen im Wahleinsatz. Foto: Ulrich Gösmann

Ahlener wählen von überall aus der Welt

Während im Fünf-Minuten-Takt die Anträge online auf dem Rechner der Stadt Ahlen eintreffen, klopft es immer mal wieder an Silke Fischers Tür. Werden oben im Briefwahlbüro im Sitzungssaal III noch hinter verschlossenen Türen die Eingänge bearbeitet, kommt Laufkundschaft im Büro der Sachbearbeiterin an ihre persönlichen Unterlagen, sollte es dringend sein. Und wer noch keine Wahlbenachrichtigungskarte erhalten hat, aber schon jetzt online wählen will, kann auch das. Straße und Geburtsdatum für den Datenabgleich reichen, um über den Rechner im Rennen zu sein.

Und sonst? Silke Fischer überlegt. Antwort gibt der nächste Maileingang: Post aus Australien. Von einem wahlwilligen Ahlener. Ob im Urlaub oder dienstlich im Ausland, bleibt an dieser Stelle offen. Sicher ist nur: Er ist mit seinem Hauptwohnsitz in Ahlen gemeldet. Und deshalb geht die Post jetzt ab – von Ahlen nach Australien.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5098984?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F126%2F
Stadtverwaltung muss nachsitzen
196,83 zusätzliche Stellen hat die Verwaltung für 2019 von der Politik gefordert. 
Nachrichten-Ticker