Mittelalterliche Hexenprozesse
Opfer sollen rehabilitiert werden

Ahlen -

Die Pfarrer Hartmut Hegeler (Unna) und Heinz Aden (Ahlen) sowie die Autorin Katharina Leendertse haben ein gemeinsames Ziel, das sie per Aufruf formulieren: Sie möchten die Opfer der Hexenprozesse aus dem 16. und 17 Jahrhundert rehabilitieren.

Donnerstag, 07.09.2017, 21:09 Uhr

Pfarrer Hartmut Hegeler setzt sich seit Jahren für die Rehabilitierung der Opfer von Hexenprozessen ein.
Pfarrer Hartmut Hegeler setzt sich seit Jahren für die Rehabilitierung der Opfer von Hexenprozessen ein. Foto: Judith Wedderwille

 Urteile, die heute Kopfschütteln auslösen. Verhörpraktiken, die unter aufgeklärten Menschen Entsetzen auslösen. Sie erscheinen weit weg, aber es gab sie – auch in Ahlen. Im Mittelalter wurden hier wie allerorts Todesurteile gesprochen, weil Bürger als Hexen oder Werwölfe gebrandmarkt wurden. Die Opfer erlitten Höllenqualen und wurden schließlich auf Scheiterhaufen verbrannt.

Bis heute schulig im Sinne der Anklage

„Nie sind die Opfer der Hexenprozesse rehabilitiert worden“, kritisiert Pfarrer Hartmut Hegeler aus Unna. „Sie gelten bis heute als schuldig im Sinne der Anklage.“ Sie hätten sich dem Teufel verschrieben, Gott verleugnet und durch Zauberei Schaden über die Menschheit und die Natur bewirkt, so die jahrhundertealten Vorwürfe. Hegeler, der sich intensiv mit dem Thema befasst und Vorträge rund um Hexenprozesse hält, will die vermeintlich Schuldigen rehabilitieren.

Briefe verfasst

Gemeinsam mit Pfarrer i.R. Heinz Aden und Katharina Leendertse hat der Fachmann aus Unna jetzt mehrere Briefe an Bürgermeister, Stadtrat und Evangelische Kirchengemeinde verfasst. „Aus heutiger Sicht sind die wegen Hexerei verurteilten Frauen und Männer im Sinne der Anklage für unschuldig zu erklären“, heißt es darin. „In Zeiten der modernen Naturwissenschaften ist jedem einsichtig, dass ein Mensch nicht auf einem Besenstiel zum Hexensabbat fliegen oder mit Zauberei Wetterkatastrophen oder Krankheiten bewirken kann.“ Das erlittene Leid sei nie öffentlich anerkannt worden. „Es muss deutlich gesagt werden: Es gab keine Hexen. Menschen wurden durch die Folter zu Hexen gemacht.“ Die Prozessakten bezeugten, dass viele Angeklagte trotz schlimmster Martern an ihrem Glauben an Gott bis zu ihrem letzten Atemzug festhielten.

22 Namen aus Ahlen

22 Namen aus Ahlen, darunter Familien wie Jaspers und Schorlemer, lassen sich aufgrund der archivierten Dokumente zweifelsfrei rekonstruieren. Wie viele es wirklich waren, ist jedoch aufgrund der spärlichen Quellenlage nicht mehr zu ermitteln. „Galilei wurde erst nach fast 400 Jahren von der katholischen Kirche rehabilitiert. Wie lange wird es dauern, bis 25.000 in Deutschland als Hexen hingerichtete Christen rehabilitiert werden?“, fragt Hegeler. Immerhin: In mehreren Städten sei eine Rehabilitierung der Hingerichteten durch Rats- oder Stadtverordnetenversammlungen bereits erfolgt.

Die Christenehre zurückgeben

Der Evangelischen Kirchengemeinde Ahlen wird in dem Brief vorschlagen, „in einem Gedenkgottesdienst an die Opfer der Hexenverfolgung zu erinnern und ihnen die Christenehre zurückzugeben“. Zur Zeit der Hexenverfolgung hätten sich die christliche Obrigkeit und die christlichen Kirchen nicht „vom Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit“ leiten lassen, sondern „von der Angst vor den mutmaßlichen Anschlägen des Teufels“.

Zu dem angeregten Gedenkgottesdienst bietet auch Heinz Aden seine Mithilfe bei Vorbereitung und Durchführung an. „Zwar führten nicht kirchliche, sondern weltliche Gerichte die Hexenprozesse durch, aber die Hexenverfolgung wurde theologisch legitimiert, oft von Geistlichen durch ihre Predigten ausgelöst und mit Billigung der katholischen und der evangelischen Kirchen durchgeführt“, erklärt Hartmut Hegeler.

Lokale Verpflichtung

Die Stadt Ahlen sei zwar nicht Rechtsnachfolgerin der politisch Verantwortlichen des 16. und 17. Jahrhunderts, dennoch sehen die Absender eine lokale Verpflichtung der heute Aktiven. Einen entsprechenden Beschlussvorschlag für den Rat haben Hegeler, Aden und Leendertse bereits formuliert.

Mehr zum Thema

Ausstellung von Studenten des Driland-Kollegs: Gronau vom Hexenwahn verschont

Frauenbund: Referat zur Rolle der Frauen in der Reformation

Über Hexenverfolgungen: Der Wahn

...
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5133206?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F126%2F
Gronau groovt neun Tage lang
Joris eröffnet am Samstag (27. April) den musikalischen Reigen in der Bürgerhalle.
Nachrichten-Ticker