Ökumenisches Festkonzert
„Ein feste Burg“ bis zum Klangrausch

Ahlen -

Die Chöre der evangelischen und katholischen Gemeinden, ein 13-köpfiges Orchester und fünf Gesangssolisten sorgten für ein fulminantes Konzert zum Reformationsjubiläum.

Montag, 25.09.2017, 18:09 Uhr

Alle beteiligten Chorleiter traten während des ökumenischen Festkonzerts zum 500. Reformationsjubiläum am Sonntag in der St.-Marien-Kirche ans Dirigentenpult, wie hier Larissa Neufeld, und übernahmen ihre Stücke.
Alle beteiligten Chorleiter traten während des ökumenischen Festkonzerts zum 500. Reformationsjubiläum am Sonntag in der St.-Marien-Kirche ans Dirigentenpult, wie hier Larissa Neufeld, und übernahmen ihre Stücke. Foto: Peter Schniederjürgen

Das Wort historisch kam Dr. Wolfgang König am Sonntagnachmittag nicht über die Lippen. Aber es sei schon bemerkenswert, wenn das Festkonzert zum Reformationsjubiläum in der katholischen Marienkirche stattfinde, sagte der ehemahlige Leiter der Kreismusikschule in seiner Schlussansprache.

Mit der ersten Strophe „Ein feste Burg“ stimmten die vereinigten Chöre 450 Besucher auf das Klangerlebnis mit Liedern aus der Luther-Zeit ein. Allerdings klang das vom Reformator selbst gedichtete und komponierte Lied, das sozusagen zur Hymne der Reformation wurde, in der Bearbeitung von Johann Walther, der 1524 das erste evangelische Gesangbuch herausgab, noch deutlich anders als die heute gängige Fassung. Bei der Mottete für vier Stimmen mit dem lateinischen Titel „Tu solus qui facis mirabilia“ (Du allein bist der, der Wunder wirkt) traten mit Uta Rathmer-Schumacher, Lara Langguth (beide Sopran), Anna Maria Kawatzopoulos (Alt) und Bruno Michalke (Tenor) vier der fünf Gesangssolisten – der fünfte war Christian Dahm (Bass) – ins Rampenlicht, die ihre Partien mit ausdrucksstarker Brillanz gestalteten.

Die zweite Strophe der protestantischen Hymne „Eine feste Burg“, die sich als roter Faden durch die gesamte Aufführung zog, ließ König, dem die künstlerische Gesamtleitung oblag, von Tenor Bruno Michalke singen, während bei der dritten Strophe in der Bearbeitung von Lukas Osiander wieder der Chor den Klangraum der Kirche füllte.

Das bekannte Lied „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ von Philipp Nicolai, der als zeitweise Hofprediger auch in Herdecke und Unna wirkte, ist heute auch fester Bestandteil des katholischen „Gotteslobs“. Unter Leitung des Kantors von St. Marien, Martin Schumacher, jubilierten Chor, Solisten und das 13-köpfige Orchester mit Musikern aus Köln und Münster mit ihren alten Instrumenten.

Mit der Mottete „Adoramus te Christe“ (Christus, wir beten dich an) von Vincenzo Ruffo, musikalisch gestaltet vom Madrigalchor, meldete sich die Gegenreformation zu Wort, die der Begeisterung der Gemeinde für das Singen etwas entgegensetzen wollte. Mit Giovanni Gabrieli präsentierte König den herausragenden Vertreter der Gegenreformation, der mit der Einführung der Mehrtönigkeit die katholische Liturgie revolutionierte. Das „In Ecclesiis“ mit den Chören und Gesangssolisten unter der Leitung von Andreas Blechman, Kantor in St. Bartholomäus, ließ die Zuhörer etwas von der Kraft und der Klangfülle dieser Musik erspüren. Mit Heinrich Schütz und einigen seiner schönsten Choräle wie „Wo Gott der Herr nicht bei uns ist“ oder „Meine Seele erhebt den Herrn“ gelangte der deutsche Komponist zu Wort und Klang, der die protestantische Kirchenmusik auf Weltniveau gehoben hat, wie König ausführte.

Mit dem deutsch-dänischen Komponisten Dietrich Buxtehude erfuhr die protestantische Kirchenmusik des Frühbarocks eine weitere Entwicklung, wie das von den Solisten so eindrucksvoll gestaltete „Cantate Domino“ zeigte.

Doch zum Sinnieren blieb den Zuhörern wenig Zeit, denn mit dem geistlichen Konzert von Heinrich Schütz „Jauchzet dem Herrn alle Welt“ setzten Madrigalchor und Solisten gleich zum nächsten Höhepunkt an.

Und die Kirche bebte, als zum Abschluss die vierte Strophe von „Ein feste Burg“ in der Bearbeitung von Johann Sebastian Bach erklang, bei dem alle Mitwirkenden – die Kirchenchöre der Pauluskirche, der Kantorei St. Marien, der Chorgemeinschaft St. Bartholomäus, der Evangelischen Kirchengemeinde Sendenhorst, der Cross-Over-Chor von Veronika te Reh und der Madrigalchor mitwirkten. Vorausgegangen war eine Orgelvorspiel von Kantorin Larissa Neufeld, das geeignet war, Beifallsstürme zu ernten.

Die ergossen sich anschließend auf die weit über 100 Mitwirkenden, denen Dr. Wolfgang König und Michaela Mormann als Vertreterin der Kulturgesellschaft als Mitveranstalter dankten.

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