„Schneeflöckchen“ beim Fantasy-Filmfest
Abgedreht mit ungeahnter Aktualität

Ahlen / Köln -

Applaus noch vor dem Abspann, lobende Worte nach der Aufführung und die berechtigte Aussicht auf eine verheißungsvolle Zukunft des deutschen Genrefilms: Besser hätte die Aufführung von „Schneeflöckchen“ beim Fantasy-Filmfest in Köln nicht laufen können.

Dienstag, 26.09.2017, 19:09 Uhr

Vor dem „Residenz-Theater“ in Köln tauschten sich die Ahlener Eugen und Sandra Gerzen, Schwester von Adrian Topol, mit Drehbuchautor Arend Remmers, Regisseur Adolfo J. Kolmerer und Producer Eric Sonnenburg (v.l.) aus.Sichtlich gerührt: Hauptdarsteller Erkan Acar (l.) und Regisseur Adolfo J. Kolmerer vor der Kölner „Residenz“-Leinwand.
Vor dem „Residenz-Theater“ in Köln tauschten sich die Ahlener Eugen und Sandra Gerzen, Schwester von Adrian Topol, mit Drehbuchautor Arend Remmers, Regisseur Adolfo J. Kolmerer und Producer Eric Sonnenburg (v.l.) aus.Sichtlich gerührt: Hauptdarsteller Erkan Acar (l.) und Regisseur Adolfo J. Kolmerer vor der Kölner „Residenz“-Leinwand. Foto: Christian Wolff

Das „Residenz-Theater“ in der Domstadt gehörte zu sieben großen Lichtspielhäusern in Deutschland, die das vom Ahlener Adrian Topol mitproduzierte Low-Budget-Werk jetzt auf die Leinwand brachten. „Der deutsche Film kann eben doch anders sein“, fasste ein Zuschauer gegenüber Regisseur Adolfo J. Kolmerer am Samstagnachmittag seinen positiven Eindruck zusammen.

Erstarkende Populisten und Despoten, die Angst vor Überfremdung oder Großstadtrandale wie zuletzt beim G-20-Gipfel : Aktueller hätten die inhaltlichen Verweise in dem fiktionalen Plot, der sich nicht in wenigen Worten beschreiben lässt, kaum sein können. „Dabei ist der Film im Laufe von vier Jahren entstanden, als wir all das, was uns heute weltpolitisch beschäftigt, noch gar nicht absehen konnten“, erklärt Adrian Topol im „AZ“-Gespräch.

Allein die Postproduktion habe zwei Jahre in Anspruch genommen, denn das Team – allesamt Filmfreunde aus Berlin – konnte nur an den Wochenenden daran arbeiten. „Die Finanzierung gelang in weiten Teilen nur über Crowdfunding, denn wir hatten niemanden, der uns diesen Stoff in dieser Form abgenommen hätte. Aber wir wollten ihn genauso haben, wie er jetzt ist“, so der Ahlener. Dazu ließen sich auch befreundete Schauspielerkollegen wie Gedeon Burkhard („Kommissar Rex“), Mehmet Kurtulus („Tatort“) oder Sven Martinek („Der Clown“) gerne für kleinere wie größere Rollen einbinden (die „AZ“ berichtete). Wie aus einem „Marvel“-Comic entstiegen wirkt Mathis Landwehr („Lasko – Die Faust Gottes“) als „Hyper Elektro Man“.

Hauptdarsteller Erkan Acar (l.) und Regisseur Adolfo J. Kolmerer vor der Kölner „Residenz“-Leinwand

Hauptdarsteller Erkan Acar (l.) und Regisseur Adolfo J. Kolmerer vor der Kölner „Residenz“-Leinwand Foto: Christian Wolff

Erkan Acar, der neben Reza Brojerdi die Hauptrolle spielt, wird vielen Ahlenern noch aus dem in der Wersestadt gedrehten Kurzfilm „Augenblick“ (2013) in Erinnerung sein. Erheiternde Momente fabriziert Alexander Schubert, dem TV-Publikum aus Sketchen und Komödien bekannt, als abgedrehter Zahnarzt, der die Gabe besitzt, Drehbücher zu schreiben, die tatsächlich wahr werden. Mit ihm kommt so mancher Lacher rüber, auch wenn die Rahmenhandlung eher düster wirkt und dank Schusswaffen, Messern und einer Motorsäge viel Blut fließt. Zum Beispiel, wenn Adrian Topol als polnischer Kannibale am Herd steht, während aus dem Kochtopf noch eine Hand ragt. Oder wenn Sängerin „Schneeflöckchen“ (Judith Hoersch) einfach weiter singt, auch wenn vor ihr der Tod um sich greift.

Überzeugende Figur: Der Ahlener Adrian Topol als polnischer Kannibale.

Überzeugende Figur: Der Ahlener Adrian Topol als polnischer Kannibale. Foto: Lopta-Film

Mit „Schneeflöckchen“ haben die jungen Macher mehr als nur eine Visitenkarte abgegeben, wie die Reaktionen an den Festival-Orten belegen. „Wir hoffen nun, dass wir einen Verleiher finden, damit der Film auch regulär im Kino gezeigt werden kann“, sagt Adrian Topol. Nach all der Leidenschaft, Energie und Zeit, die er und seine Mitstreiter investiert haben, wäre eine „simple DVD-Veröffentlichung“ fast schon verschenkt. Immerhin: Nächste Station der Crew ist Schweden, wo der Film mit Untertiteln gezeigt wird. „Wenn ,Schneeflöckchen‘ in Ahlen Premiere hat, bin ich gerne dabei“, verspricht Topo l.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5182187?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F126%2F
Nachrichten-Ticker