Brennerei Schulze Rötering
Ein Vierteljahrtausend voller edler Tropfen

Ahlen/Sendenhorst -

Die Brennerei Schulze Rötering, die ihren Ursprung in Sendenhorst hat, ist 250 Jahre alt. Das wird am Sonntag, 1. Oktober, groß gefeiert.

Freitag, 29.09.2017, 14:09 Uhr

Die feinen Spirituosen vom Hof Schulze Rötering haben viele schon gekostet. Nur wenigen aber ist bekannt, wie sie zu dem werden, was sie ausmacht. „Das 250-jährige Bestehen unserer Brennerei ist die Gelegenheit, genau das zu zeigen“, sagt Martin Schulze Rötering. Gemeinsam mit seiner Frau Hildegunde veranstaltet er am Sonntag ein Jubiläumsfest.

Kupferglänzende Großgeräte und hölzerne Fässer sind die äußeren Zeichen der Arbeiten, die diesen edlen Tropfen vorangehen. Brennmeister Martin Schulze Rötering liebt es, seine Anlagen und die Arbeit damit zu erklären. „Wir verwenden für den Alkohol nur Produkte aus unserem eigenen Anbau. Und wir nutzen ausschließlich eigenen Weizen“, macht der Fachmann klar. Das alleine reicht jedoch noch nicht aus, um die Ergebnisse zu erzielen, die ihm wichtig sind. Denn der traditionsbewusste Landwirt und Alkoholproduzent geht recht großzügig mit dem gewonnenen Stoff um. „Bei uns wird gut ein Viertel nicht für die Produkte genutzt“, stellt er klar. Und das ist den extrem feinen hauseigenen Richtlinien geschuldet.

So entsteht aus dem Weizen zunächst die Maische. „Auch hier arbeiten wir mit eigenem Malz als Enzym“, führt der Brennmeister aus. Im folgenden Schritt wird aus der Maische der Rohbrand destilliert. „Der enthält noch vieles, was wir im weiteren Verlauf herausdestillieren“, zeigt Schulze Rötering auf seine gewaltige, rund 20 Meter hohe Brennsäule. Es ist wohl die republikweit größte Anlage zur ultimativen Verfeinerung des Basisalkohols.

Was hier entsteht, ist der Grundstock für alle weiteren Produkte. „Dabei verlieren wir rund ein Viertel des gewonnenen Alkohols“, hält der Brennereibesitzer fest. Der dabei verbleibende Alkohol ist in seiner hochgradigen Reinheit die Basis für die weitern Produkte.

Und deren gibt es viele. Schließlich hat sich im Laufe des Vierteljahrtausends, auf das die Brennerei zurückblickt, eine Menge an Rezepturen und Ideen angesammelt. „In den 1930-er Jahren wurde unser Doppelkorn gern Lebensspender und Sorgenbrecher genannt“, weiß Hildegunde Schulze Rötering. Sie hat sich intensiv mit der Geschichte auseinandergesetzt und die Ursprünge der Brennerei in Sendenhorst verortet. „Damals gab es dort so viele Brennereien, dass es im Volksmund die ,Stadt der Brennereien‘ war“, hat sie herausgefunden. „Das Stammhaus gibt es nach wie vor; es ist immer noch in Familienbesitz, jetzt aber eine schöne Stadtvilla“, beschreibt Hildegunde Schulze Rötering.

Die Brennerei wurde im Zuge der Stadtsanierung in Sendenhorst ausgesiedelt. Die Technik, das Wissen und die Rezepte leben allerdings am Ahlener Prozessionsweg, eben in der Hofbrennerei, fort.

In den historischen Bauernhofräumen fertigt das Brennereiteam aus den genannten guten Zutaten einen besonderen Jubiläumsbrand. „Dazu haben wir für den Rohbrand statt Weizenkörner eigenes Weizenmalz verwendet“, verrät Brennmeister Martin Schulze Rötering. Das aber hat eine enorme Wirkung. Das Malz, angekeimte Körner, wird leicht angeröstet. Diese besondere Note findet sich im Geschmack des Korns wieder und ist, da ist sich der Hausherr ganz sicher. „Eine echte Rarität unter den Weizenprodukten.“ Überhaupt ist der klassische Korn nach Jahren des Niedergangs wieder im Kommen, haben die Mitarbeiter des Hauses festgestellt.

Warum das so ist, lässt sich am morgigen Sonntag und am folgenden Dienstag, 3. Oktober, auf dem Hof erfahren. Zwischen 11 und 18 Uhr empfängt die Brennerfamilie interessierte Besucher zum „Tag der offenen Brennerei“. „Dazu gibt es nicht nur Hochprozentiges. Wir bieten auch Kaffee, selbst gemachte Kuchen, Kürbis- und Zwiebelsuppe mit Federweißem an“, lädt Schulze Rötering ein.

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