„Literarisches Quintett“
Hochgelobt: „Die Hauptstadt“

Ahlen -

Daniel Kehlmann und Robert Menasse vermochten die Rezensenten des auf ein Quintett zusammengeschmolzene „Literarische Sextett“ am meisten zu überzeugen.

Sonntag, 19.11.2017, 10:11 Uhr

Besprachen Neuerscheinungen: Manfred Beine (Stadtbücherei Rietberg), Brigitte Werner (Schreibwerkstatt), Eva-Maria König (Deutschlehrerin Bischöfliches Gymnasium), Moderatorin Lisa Voss-Loermann und Karin Becker (Mayersche Buchhandlung Sommer).
Besprachen Neuerscheinungen: Manfred Beine (Stadtbücherei Rietberg), Brigitte Werner (Schreibwerkstatt), Eva-Maria König (Deutschlehrerin Bischöfliches Gymnasium), Moderatorin Lisa Voss-Loermann und Karin Becker (Mayersche Buchhandlung Sommer). Foto: Dierk Hartleb

Das „Ahlener Literarische Sextett“ der VHS stand in diesem Jahr unter keinem so günstigen Stern. Die Frankfurter Buchmesse ist schon ein Weilchen her und die vorgesehenen Teilnehmer der Expertenrunde in der Mayerschen Buchhandlung Sommer konnten nicht vollzählig erscheinen. Deshalb schmolz das Sextett am Donnerstagabend zu einem Quintett zusammen. Und weil sich auch noch VHS-Leiter Rudolf Blauth kurzfristig krankgemeldet hatte, übernahm Lisa Voß-Loermann nicht nur den Part von Dominik Gerwens und stellte Marion Poschmanns Buch „Die Kieferninseln“ vor, sondern fungierte zugleich auch als Moderatorin. Beide Funktionen erfüllte sie mit gewohnter Souveränität.

Als Erstes war das Dreigestirn Karin Becker (Mayersche), Eva-Maria König (Deutschlehrerin) und Manfred Beine (Leiter der Stadtbücherei Rietberg) gefragt, die munter über den neuen Roman „Tyll“ von Daniel Kehlmann diskutierten. Kehlmann hat sein Publikum immer wieder überrascht. So auch in diesem Fall. Es geht nicht um eine Biografie von Tyll Eulenspiegel, sondern um den Dreißigjährigen Krieg von 1618 bis 1648. Tyll schafft die Verbindungen zu den handelnden Personen und ist nicht selbst Protagonist mit einer tragenden Rolle. Die Grausamkeiten des Krieges bleiben nicht uner­wähnt. In dieser Runde erwies sich Beine als Kenner der von Kehlmann beschriebenen Ereignisse, der ihnen weitgehend Authentizität bescheinigte.

Nicht ganz so einmütig lobend fiel das Urteil über Poschmanns kurzen Roman „Die Kieferninseln“ aus, mit dem die Leiterin der Ahlener Schreibwerkstatt, Brigitte Werner, haderte, trotz überzeugender Sprache. Ein Privatdozent und „Bartforscher“ träumt, dass seine Frau ihn betrügt. Kurz entschlossen besteigt er ein Flugzeug und fliegt nach Japan. Dort macht er die Bekanntschaft mit einem Studenten, der Selbstmord begehen will. Nun muss man wissen, das die japanische Bewertung einer solchen Tat anders ist als bei uns. Es gibt eine Selbstmordkultur und zugleich einen Selbstmordwald. Fremd sind uns teil-weise auch in Japan gebräuchliche literarische Formen, wie die des Kurzgedichts Haiku.

Hoch gelobt auch der neue Roman „Die Hauptstadt“ von Robert Menasse, für den ihm der Deutsche Buchpreis 2017 zugesprochen wurde. Die Politik steht bei ihm im Mittelpunkt. Er kritisiert die eu­ropäische Vernunft und propagiert ein vereintes Europa. Immer wieder stellt er den Bezug zu Auschwitz her. In 2008 hat er hier in Ahlen an ungewöhnlichem Ort gelesen, nämlich in der Produktionshalle von Kaldewei. Mitgebracht hatte er damals seinen Band „Don Juan de la Mancha oder die Erziehung der Lust“.

Am wenigsten punkten konnte bei den Rezensenten der Roman von Ingo Schulze, „Peter Holtz“. Die Titelfigur führt eine eigentümliche Existenz, weil er im Westen als Millionär lebt und im Osten als strammer Kommunist. Obwohl das Ergebnis ein richtiger Schelmenroman ist, vermochte er nicht zu überzeugen.

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