Stolpersteine
Nach genau zehn Jahren

Ahlen -

Am 6. Februar – genau zehn Jahre nach der ersten Verlegung – kommt Künstler Gunter Demnig nach Ahlen, um weitere Stolpersteine ins Pflaster einzulassen. Damit geehrt werden überlebende Ahlener Juden. Unter anderem die Familie Spiegel.

Freitag, 15.12.2017, 15:12 Uhr

Marga und Siegmund Spiegel haben die ewige Ruhe gefunden auf dem jüdischen Teil des Westfriedhofs. Ihre Namen werden bald auch auf Stolpersteinen zu lesen sein.
Marga und Siegmund Spiegel haben die ewige Ruhe gefunden auf dem jüdischen Teil des Westfriedhofs. Ihre Namen werden bald auch auf Stolpersteinen zu lesen sein. Foto: Stadt Ahlen

Auf den Tag exakt zehn Jahre nach der Verlegung der ersten Stolpersteine in Ahlen werden am 6. Februar weitere Gedenksteine in das Straßenpflaster gesetzt. Darunter sind in der nunmehr achten Verlegerunde auch Steine für Marga Spiegel und Angehörige der Familie Spiegel.

„Ein passenderes Datum ließ sich nun wirklich nicht finden“, sagt Bürgermeister Dr. Alexander Berger. Mit der Verlegung der ersten Stolpersteine am 6. Februar 2008 habe die Stadt Ahlen ein Kapitel der Erinnerungskultur aufgeschlagen, das den Opfern und Überlebenden der Nazi-Diktatur ein Stück der geraubten Würde zurückgegeben habe. Im kommenden Februar werden zehn Steine verlegt, die ausschließlich an überlebende Ahlener Juden und Jüdinnen erinnern.

Der Kölner Künstler Gunter Demnig , auf dessen Idee das Stolpersteinprojekt zurückgeht, wird an Südstraße, Westenmauer, Gerichtsstraße und Auf dem Handkamp Nachverlegungen vornehmen. Ein neuer Lageort wird an der Ostbredenstraße 41 eingerichtet, dem letzten Ahlener Wohnort der Familie Marga Spiegels. „Dass wir mittlerweile 104 Ahlener Opfer würdigen können, hinterlässt zwiespältige Gefühle“, so Bürgermeister Berger. Angesichts des Jubiläums sei es schön, den Blick auch auf diejenigen zu richten, die sich durch Flucht den Konzentrationslagern entziehen konnten, „aber oft nicht weniger leiden mussten“.

Marga und Siegmund Spiegel überlebten mit Tochter Karin „versteckt unter Bauern“. Hinzu kommt der Stein für Margas Vater Siegmund Rothschild, der 2008 irrtümlich vor dem Haus Kühl 21 geehrt wurde. Sein Stein wurde bereits herausgenommen und wird an der Ostbredenstraße neu eingesetzt. Weitere Steine widmen sich den drei Töchtern der Familie Obarzanski (Auf dem Handkamp 4), die in den 1930er Jahren in das britische Mandatsgebiet Palästina emigrierten, wo sich ihre Spuren verloren. Hinzu kommen Steine für Grete Untiedt geborene Rosenberg, Chanan Shirun (vormals Hans Sänger), Herbert Tint und Selma Metzger.

Die mit einer Messingabdeckung versehenen Pflastersteine sind mit dem Namen des Opfers, seinem Geburtsjahr, dem Deportationsdatum und -ziel sowie dem Jahr der Flucht versehen. Für die Stolpersteine zu Ehren der sieben weiblichen und drei männlichen Personen können Patenschaften erworben werden. Die Stadt Ahlen trägt die Patenschaft für Marga, Siegmund und Karin Spiegel. Eine Patenschaft kann für 120 Euro pro Stein übernommen werden. Auskünfte erteilt Manfred Kehr im Fachbereich für Jugend, Soziales und Integration der Stadt Ahlen unter Telefon 5 95 67 oder per Mail an kehrm@stadt.ahlen.de.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5360373?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F126%2F
Nachrichten-Ticker