20 Jahre „Kapelle Petra“
Fans kamen aus Bremen und Bayern

Ahlen -

20 Jahre „Kapelle Petra“ – das musste gefeiert werden, und das gleich an zwei Abenden. Beide Konzerte im Saal des Bürgerzentrums Schuhfa­brik waren ausverkauft. Sogar aus Bremen und Bayern reisten die treuesten Fans an, um der Kultband zum Jubiläum ihre Reverenz zu erweisen.

Sonntag, 17.12.2017, 22:12 Uhr

Inmitten ihrer Fans: Sänger und Gitarrist Guido Scholz (r.) ist mit Bassist Rainer Siepmann und Schlagzeuger Markus Schmidt (hinten) die „Kapelle Petra“.
Inmitten ihrer Fans: Sänger und Gitarrist Guido Scholz (r.) ist mit Bassist Rainer Siepmann und Schlagzeuger Markus Schmidt (hinten) die „Kapelle Petra“. Foto: Christian Feischen

„Freut euch auf Ahlen!“, sangen die Anhänger der „Kapelle“ schon geraume Zeit vor Konzertbeginn, als sie an der Königstraße eintrafen: Fans weit über Ahlen und die Region hinaus waren gekommen, als die „Kapelle Petra“ aus Hamm am Wochenende ihr 20-jähriges Bestehen im Bürgerzentrum Schuhfabrik feierte. Ob aus Bremen oder Bayern, die Anhänger der kultigen Deutschrock-Gruppe hatten sich innerhalb kürzester Zeit Karten für das Jubiläums-Doppelkonzert gesichert, um die Band dort zu feiern, wo sie schon Ende der 1990er Jahre ganz zu Beginn ihrer Karriere auftrat.

An gleich zwei Abenden spielte die Gruppe am Freitag und Samstag im ausverkauften Saal des Büz, denn die ungewöhnliche Idee war, sämtliche Stücke ihrer fünf Studioalben in chronologischer Reihenfolge darzubieten, wofür ein einziges Konzert freilich nicht gereicht hätte. Ungewöhnlich ist die „Kapelle Petra“ dabei selbst allemal: Die Band aus Hamm spielt nicht nur eingängigen, oft ohrwurmtauglichen Indie-Rock mit frechen deutschen Texten. Sie begeistert seit nunmehr zwei Jahrzehnten mit ihren immer etwas skurril, zuweilen dadaistisch anmutenden Bühnenshows.

In der klassischen Bandbesetzung mit Gitarre, Bass und Schlagzeug gehört eine „Petra“, wie man denken könnte, neben den stets im 70er-Jahre-Retro-Look gekleideten Guido Scholz, Rainer Siepmann und Markus Schmidt nicht zur Kapelle. Dafür ein Herr, der sich „Gazelle“ nennt. Der macht aber genau das Gegenteil dessen, was man mit dem schlanken Tier verbindet, das schnell und grazil laufen kann: „Gazelle“ macht in seiner Rolle als „Bühnenskulptur“ nämlich so gut wie gar nichts. Er steht oder sitzt einfach auf der Bühne herum. Dafür wurde er allerdings besonders bejubelt, während sich die drei Musiker, zeitweise unter 70er-Jahre-Perücken schwitzend, sichtlich verausgabten.

Beim Geburtstagskonzert ging eine Polonaise durch den Saal, die überwiegende Mehrheit der Zuhörer war mit T-Shirts gekleidet, auf denen „Heute ist Geburtstag“ oder das Band-Credo „Geht mehr auf Konzerte“ zu lesen waren, und setzte sich spätestens zum Hit „Pausenmusik“ bunte Pappzylinder auf den Kopf.

„Klinkenputzer“ nennt sich die Fangemeinde, die selbst bei melancholischen Versen wie „Die Stadt liegt seit Tagen im Regen, ich kann nicht mit Mädchen reden“, mitsang und feierte, während „Gazelle“ auf der Bühne sitzend die gespielten Songs auf einer Liste wegstrich. Die „Kapelle Petra“ hatte schließlich eine ganze Menge Stücke aus 20 Jahren Bandgeschichte abzuarbeiten.

Ganz Altes aus dem Repertoire wie „Sternensinger“ oder „Muselmann“ kam beim durchweg mitjubelnden Publikum genauso an wie der Song „DDR“, zu de m zwei Fans auf die Bühne kamen und den Saal dazu animierten, für ein paar Minuten in Ost-Nostalgie zu schwelgen.

Nach rund drei Stunden Live-Musik und etwa der Hälfte des dritten Studio-Albums war am Freitagabend erstmal Schluss mit der „Kapelle Petra“-Jubiläumsfeier. „Freut euch auf Ahlen“, sangen die hartgesottenen Fans in Vorfreude auf den am Samstag folgenden Konzertabend mit der Kultband da schon weiter.

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