Radverkehrskonzept
Noch Überzeugungsarbeit nötig

Ahlen -

„Neue Wege in die Innenstadt“ zeigt das Radverkehrskonzept für Ahlen auf, das unter dieser Überschrift am Dienstagabend auf einer Bürgerinformationsveranstaltung im Ratssaal vorgestellt wurde. Es stieß auf breite Zustimmung. Kritische Anmerkungen gab es nur zu wenigen Details.

Donnerstag, 11.01.2018, 11:01 Uhr

Gut besucht war die Bürgerinformationsveranstaltung zum Radverkehrskonzept am Dienstagabend im Ratssaal.
Gut besucht war die Bürgerinformationsveranstaltung zum Radverkehrskonzept am Dienstagabend im Ratssaal. Foto: Peter Harke

Am Ende, nach zwei Stunden und zehn Minuten, gab es sogar Applaus von den Zuschauerrängen. Und der galt wohl nicht nur dem Schlusswort des Bürgermeisters. Das Radverkehrskonzept für Ahlen, das Vertreter der Verwaltung und der beteiligten externen Planungsbüros am Dienstagabend im Ratssaal unter der Überschrift „Neue Wege in die Innenstadt“ vorstellten, stieß insgesamt auf positive Resonanz. Er finde es „super“ und habe „richtig Freude“ daran, tat ein junger Mann kund. Ein Rentner war überrascht, „dass wir Radfahrer mit‘mal so ei­ne Bedeutung bekommen . . .“

Miteinander der unterschiedlichen Verkehrsarten

Kritische Stimmen wurden nur vereinzelt laut, aus de­nen zumeist die Besorgnis sprach, ob das, was die Planer sich ausgedacht haben und erst einmal schlüssig klingt, in der Praxis auch funktioniert. Bürgermeister Dr. Alexander Berger gab zu, dass noch viel Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit nötig sein werde, kündigte hierzu auch eine Reihe von Aktionen wie zum Beispiel Kinospots an, um ein Umdenken insbesondere bei den motorisierten Verkehrsteilnehmern zu bewirken, die den Radfahrern künftig buchstäblich auf Augenhöhe begegnen sollen, ja müssen. Wobei Stadtbaurat Andreas Mentz betonte: „Wir wollen nicht den Autofahrer gängeln, sondern das Miteinander der unterschiedlichen Verkehrsarten stärken.“

Robert Reminghorst , stellvertretender Leiter der Ahlener Umweltbetriebe, ist zuversichtlich: „Die Ahlener Bürger werden sehr schnell den Dreh raushaben.“ Dem pflichtete Peter Sagurna als einer dieser Bürger bei: In Holland sei das Prinzip des „Shared space“, also des gemeinschaftlich und gleichberechtigt genutzten Straßenraums, „gang und gäbe“ und habe sich bewährt. Ohne gegenseitige Rücksichtnahme, darauf wies Stefan Braunsmann hin, geht es freilich nicht: „Wir Autofahrer müssen auch mal zurückstecken.“ Und wenn der ein oder andere sich genötigt sähe, aufs Fahrrad umzusatteln, um schneller voranzukommen, wäre dies doch auch ein begrüßenswerter Effekt.

Kein großer Zeitverlust für Autofahrer

„Entschleunigung“ nannte Verkehrsplaner Olaf Timm vom Büro „nts“ in Münster als ein Ziel des Radverkehrskonzepts. Doch auch mit „Tempo 30“, das auf der gesamten Südspange des Innenstadtrings zwischen dem Kerkmann-Platz und der Wersebrücke an der Weststraße angeordnet werden soll, würden die Autofahrer ohne großen Zeitverlust ans Ziel kommen, versicherte Andreas Mentz. „Das macht auf hundert Metern eine bis vier Sekunden aus“, hätten Messungen ergeben, so der Technische Beigeordnete.

An dem Punkt zeigten sich einige Teilnehmer skeptisch: Wenn Abbiegespuren entfielen, wie auf der Westenmauer an der Einmündung Alter Hof, würden sich Rückstaus bilden, die den Verkehrsfluss eher hemmen.

Parkstreifen ersetzt Rechtsabbiegespur

Unproblematisch in dieser Hinsicht dürfte die Aufhebung der Rechtsabbiegespur von der Westenmauer in die Friedrich-Ebert-Straße sein. Für Stirnrunzeln sorgte allerdings die Absicht, als Ersatz einen Parkstreifen anzulegen, mit der von Robert Reminghorst angeführten Begründung, man müsse „die Restfläche irgendwie nutzen“. Und das möglichst „ohne große bauliche Veränderungen“, die das Budget nicht hergebe, wie Andreas Mentz hinzufügte. Er konzedierte jedoch, zusätzliche Parkplätze seien an dieser Stelle „nicht zwingend notwendig“.

Einem breiteren, „zweispurigen“ Radweg geopfert werden soll hingegen der Parkstreifen an der Bahnhofstraße in Höhe des Kugelbrunnens. Dass davon auch die zwei Behindertenstellplätze betroffen wären, rief Protest hervor. Andreas Mentz versprach: „Wir gucken uns die Ecke noch mal an.“

Moderatorin Prof. Dr. Stefanie Bremer vom Hamburger Planungsbüro „orange edge“, das die Stadt Ahlen bei der Erstellung des Radverkehrskonzeptes berät, freute sich über die konstruktive Diskussion, die sie hoffnungsvoll stimmte, dass das Konzept auch in der Umsetzung aufgeht. Die Erfahrung in anderen Städten zeige, dass sich die Verkehrsteilnehmer sehr schnell an Veränderungen gewöhnen würden.

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