Stolpersteinverlegung
„Nicht mehr wegschauen“

Ahlen -

Mit einer weiteren Stolperstein-Verlegung durch den Kölner Künstler Gunter Demnig ehrte die Stadt unter anderem die Familie Marga Spiegels. Als Redner war Sharon Fehr, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Münster, gekommen.

Mittwoch, 07.02.2018, 06:00 Uhr aktualisiert: 07.02.2018, 06:02 Uhr
Stolpersteine für die Familie Spiegel setzte der Kölner Künstler Gunter Demnig.
Stolpersteine für die Familie Spiegel setzte der Kölner Künstler Gunter Demnig. Foto: Dierk Hartleb

Nach Imo Moszkowicz wurden am Dienstag mit Marga Spiegel , ihrem Ehemann Siegmund, genannt „Menne“, und ihrer Tochter Karin weitere Ahlener Überlebende des Holocausts mit Stolpersteinen geehrt. Durch die Anwesenheit von Sharon Fehr , Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Münster, erhielt die achte Verlegung der Steine durch den Kölner Künstler Gunter Demnig auf der Ostbreden­straße vor Haus Nummer 41, wo die Familie Spiegel gewohnt hatte, eine besondere Note.

Intensive Freundschaft mit Marga Spiegel

Bürgermeister Dr. Alexander Berger zitierte Fehr in seinem Grußwort mit dem Satz: „Ich hatte das Glück in meinem Leben, zwei Mütter zu haben: meine eigene und eine ,jiddische Mamme‘ wie Marga Spiegel, seligen Angedenkens.“ Fehr nahm seinerseits die Worte Bergers auf und sagte, dass ihm das Glück zuteil geworden sei, mit Marga Spiegel besonders intensiv befreundet gewesen zu sein.

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„Marga war eine besondere Frau, ein Phänomen“, sagte Fehr. Wie kaum jemand anders habe sie es verstanden, gerade auch junge Menschen in Schulen und Bildungseinrichtungen auf ihre Geschichte anzusprechen, sie aufzuwecken ohne sie zu bedrängen. Von ihr habe er gelernt, dass Zivilcourage jedem möglich sei.

Bürgermeister sichert Fehr Solidarität zu

Alexander Berger hatte zuvor an den unrühmlichen 6. Februar 1938 erinnert, als die NS-Bürokratie der jüdischen Bevölkerung jegliche Steuerermäßigungen strich und sie automatisch in die höchste Steuerklasse veranlagte. Berger, der zahlreiche Vertreter des Rates, Schulleiter sowie Schülerinnen und Schüler des Leistungskurses Geschichte des Bischöflichen Gymnasiums St. Michael und der Overbergschule mit ih­rem neuen Schulleiter Matthias Resch begrüßte, erinnerte exemplarisch an das Schicksal von Hans Sänger, dem 1935 die Ausreise nach Palästina glückte und der als Chanan Shirun einer der namhaften Ägyptologen Israels wurde.

Bürgermeister Berger versicherte Fehr, der kürzlich von einem Kommunalpolitiker der AfD in Münster in diskriminierender Weise angegangen worden war, die Solidarität der Ahlener. In Ahlen sei kein Platz für religiöse Ausgrenzung. „Anders als damals wollen wir heute nicht mehr wegschauen, wenn antisemitisch motiviertes Unrecht in unserem Umfeld geschieht“, so Berger abschließend.

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