Anklage wegen versuchten Mordes
Autofahrt mit Tötungsabsicht: Staatsanwalt fordert sechs Jahre Haft

Ahlen / Münster -

Sechs Jahre Haft wegen versuchten Mordes beantragte der Staatsanwalt. Er hält es für erwiesen, dass der 50-jährige Angeklagte im Juli 2017 in Ahlen den Partner seiner Ex-Freundin in gezielter Tötungsabsicht mit einem eigens angemieteten Leihwagen angefahren und verletzt hat.

Donnerstag, 08.02.2018, 20:02 Uhr

Anklage wegen versuchten Mordes: Autofahrt mit Tötungsabsicht: Staatsanwalt fordert sechs Jahre Haft
Ein Justizbeamter wies dem Angeklagten beim Prozessauftakt am 4. Januar seinen Platz im Gerichtssaal zu. Foto: Biederstädt

Wenn am Freitag der kommenden Woche das Urteil gegen den Mann aus Hamm gesprochen wird, dann droht ihm eine lange Haftstrafe. Der Staatsanwalt hat für den 50-jährigen Angeklagten – dem die Sachverständige eine narzisstische Persönlichkeitsstörung attestierte – wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung und gefährlichem Eingriff in den Straßenverkehr sechs Jahre Freiheitsstrafe beantragt.

Zudem droht ihm ein lebenslanger Führerscheinentzug. Der Angeklagte habe die Arg-und Wehrlosigkeit des Opfers ausgenutzt und somit heimtückisch gehandelt, als er im Juli 2017 in Ahlen mit einem Pkw von hinten auf das Fahrrad des Geschädigten, dem neuen Partner seiner Ex-Freundin, auffuhr.

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Tat von langer Hand geplant

Schonungslos, aber sachlich und detailliert schilderte der Staatsanwalt am Donnerstag die Gründe für die von ihm beantragte Freiheitsstrafe. Er sprach von rationaler und aktiver Tatvorbereitung, die vom Angeklagten mit langer Hand geplant gewesen sei. Demnach hatte der Mann extra für das Tatgeschehen das Leihfahrzeug angemietet und damit zehn bis 15 Minuten gezielt an der Kreuzung Kruppstraße / Porschestraße gewartet.

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An der Sichtlinie hatte er für Irritationen gesorgt, indem er sein Vorfahrtsrecht nicht wahrnahm. Auch als sich das Opfer auf seinem Fahrrad näherte, habe er so reagiert. Keinen Bremsvorgang habe es bei der absichtlichen Kollision mit dem Radfahrer gegeben. Dass dem Geschädigten relativ wenig passiert sei, das sei eine glückliche Fügung gewesen. „Dennoch war es ein Tatgeschehen mit lebensbedrohlichem Potenzial“, so der Ankläger.

Ohne sich um das Geschehen zu kümmern, sei der Angeklagte danach in halsbrecherischer Weise weiter bis nach Cuxhaven gefahren. Hier wurde er im Watt als hilflose Person aufgefunden und äußerte später, „Sch . . . gebaut“ zu haben. Er selbst war erschreckt über das, was er getan hatte.

Eifersucht mögliches Motiv

Obwohl es für das Tatgeschehen keine unmittelbaren Zeugen gibt, zeichnete die Gesamtschau für den Staatsanwalt ein deutliches Bild. Eine Verletzungs- und Tötungsabsicht lagen vor, sagte er. Die Wurzel der Tat könne in der Eifersucht des Angeklagten liegen.

Was ging tatsächlich im Kopf des 50-Jährigen vor? Er hatte im Prozess weder zu seiner Person noch zum Tatgeschehen Angaben gemacht. Am Donnerstag nahm er sein Recht auf das sogenannte „letzte Wort“ vor der Urteilsverkündung wahr. Alle Aggressionen, die er in seinem Leben begangen habe, täten ihm leid, sagte der Mann. Sonst schloss er sich den Ausführungen seines Verteidigers an.

Im Gegensatz zum Staatsanwalt liegt für den Verteidiger kein Tötungsvorsatz vor. „Dass der Angeklagte nicht den Tod des Opfers und ihn nur verletzten wollte, dafür sprechen schon die Tatumstände“, sagte er in seinem mit Leidenschaft geführten Plädoyer. Es sei ein kleiner Wagen gewesen, den der Angeklagte gefahren habe. Es habe keine quietschenden Reifen, keine Beschleunigung, keine aufheulenden Motorengeräusche gegeben.

Auch habe der 50-Jährige bei seinen verbalen Aggressionen in der Vergangenheit nie die Schwelle überschritten. In der Tathandlung des Angeklagten sieht der Verteidiger eine gefährliche Körperverletzung in Tateinheit mit Straßenverkehrsgefährdung. Unter Anwendung der verminderten Schuldfähigkeit müsse die Freiheitsstrafe um Jahre unter dem Antrag des Staatsanwaltes liegen.

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