Afghanin klagt
Ohne Deutsch kein dauerhaftes Bleiberecht

Ahlen / Münster -

Schon 1994 flüchtete die heute 73-jährige Ahlenerin mit ihrer Familie aus Afghanistan nach Deutschland. Die elffache Mutter klagt vor dem Verwaltungsgericht Münster jetzt auf ein dauerhaftes Bleiberecht. Weil sie aber nach 24 Jahren immer noch nicht die deutsche Sprache erlernt hat, beantragte der Richter, die Klage abzulehnen.  

Freitag, 16.02.2018, 07:02 Uhr

Afghanin klagt: Ohne Deutsch kein dauerhaftes Bleiberecht
Symbolbild Foto: dpa

Der Kreis Warendorf erteilt die Niederlassungserlaubnis nicht, da die Klägerin die deutsche Sprache noch immer nicht erlernt habe und auch niemals in Deutschland einer Erwerbstätigkeit nachgegangen sei. Der Rechtsanwalt der Klägerin trug vor dem Einzelrichter vor, dass die Frau Analphabetin sei und auch deshalb die deutsche Sprache nicht erlernt habe, da sie sich zunächst um ihre Kinder und später um ihren erkrankten und inzwischen verstorbenen Mann habe kümmern müssen. Richter Schwegmann machte deutlich, dass dies kein hinreichender Grund sei: „Sie hätten zu Hause deutsch sprechen müssen.“

Gutachten steht aus

Ob die Seniorin sich im Alltag auf deutsch verständigen könne, wie die Verteidigung vortrug, kann trotz der gestern erfolgten Plädoyers noch per Gutachten innerhalb von einer Woche nachgewiesen werden. Mit den bislang vorgelegten Schriftstücken sah Richter Schwegmann den Nachweis noch nicht erbracht.

Die an Vergesslichkeit und anderen altersbedingten Erkrankungen leidende Klägerin ist seit 2000 im Besitz einer Aufenthaltserlaubnis. Diese würde, so der Vertreter des Kreises Warendorf vor Gericht, auch weiterhin jeweils für einen Zeitraum von zwei Jahren erteilt werden. Er beantragte die Klage abzulehnen.

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