Hochbetrieb in den Praxen
Grippewelle erfasst jetzt auch Ahlen

Ahlen -

Die Grippewelle hat jetzt auch Ahlen erfasst. Das St.-Franziskus-Hospital meldet ein Patientenplus von 50 Prozent, in den Arztpraxen werden Überstunden gefahren. Ende offen.

Donnerstag, 22.02.2018, 06:02 Uhr

Kräftig gedrückt, gründlich gerieben und gut geschützt: Mitarbeiter und Besucher kommen im Rathaus an den Desinfektionsspendern nicht vorbei. Elisa Spreemann hat‘s bislang noch nicht erwischt.
Kräftig gedrückt, gründlich gerieben und gut geschützt: Mitarbeiter und Besucher kommen im Rathaus an den Desinfektionsspendern nicht vorbei. Elisa Spreemann hat‘s bislang noch nicht erwischt. Foto: Ulrich Gösmann

Schniefende Patienten, überfüllte Wartezimmer, Aufnahmestopps bei der Terminvergabe und sogar eine Praxis, die geschlossen hat, weil es das Team gleich mit erwischt hat. „Wir sind spät dran“, sagt Apotheker Peter Fink. „Dafür aber um so stärker.“ Ob Grippe, Magen und Darm oder die Stimme – wen es in diesen Wochen erwischt hat, geht mit gelbem Schein in die Verlängerung. Weil, so Fink, der geschwächte Körper mitnimmt, was er kriegt.

Apotheker Peter Fink: „Die Fälle haben in diesem Monat wie verrückt zugenommen“.

Apotheker Peter Fink: „Die Fälle haben in diesem Monat wie verrückt zugenommen“. Foto: Ulrich Gösmann

„Die Fälle haben in diesem Monat wie verrückt zugenommen“, sagt der Betreiber der „Finken-Apotheke“, der auch viele Jahre Sprecher seiner Zunft war. Seit Anfang Februar gingen die Bronchialfälle „wahnsinnig hoch“. Wer da nicht reagiere, sei schnell bei der Lungenentzündung. Fink unterscheidet zwischen dem harmlosen grippalen Infekt und der schweren Grippe, die den Betroffenen schlagartig treffe und regelrecht umwerfe. In den letzten drei Wochen habe er von einem Medikament mehr verkauft, als im Dezember und Januar zusammen. Ein Ende der Welle sei noch nicht in Sicht. Das enge Miteinander an den Karnevalstagen habe noch einmal einen ordentlichen Schub gegeben. Ganz aktuell komme die Magen- und Darmgrippe wieder hoch, die vor einigen Wochen erst durch die Stadt gezogen sei. Doch kein Grund zur Beunruhigung: „Jedes Jahr zu dieser Zeit das Selbe“. Finks Tipps – ganz flink: Abstand halten, das ideale Wetter mit seiner frischen Luft nutzen, warme Getränke zu sich nehmen – und die Finger weg lassen von Kombipräparaten, die aufputschen oder unterdrücken.

„Ha Ha Hatschi“. Ahlen schnieft und keucht.

„Ha Ha Hatschi“. Ahlen schnieft und keucht. Foto: Ulrich Gösmann

Elisabeth Eickmeier , Sprecherin des St.-Franziskus-Hospitals, bilanziert deutlich mehr Grippefälle als im Vorjahr. Auch die echte Influenza sei dabei. Patientenplus: rund 50 Prozent. Das führe zu räumlichen und personellen Engpässen. Gleiches gelte für die Krankenhäuser im Umfeld. Auch unter den Ärzten und Mitarbeitern komme es zu vielen Ausfällen. „Selbst die, die gezielt geimpft wurden, sind überrascht worden“, so Eickmeier. Chefarzt Dr. Norbert-Wolfgang Müller, Chefarzt für Innere Medizin, habe gerade eben von einer außergewöhnlichen Grippewelle gesprochen. Doch nicht jeder Betroffene müsse gleich ins Krankenhaus. Besonders gefährdet seien aber ältere Menschen mit Vorerkrankungen. Das Abklingen der Grippewelle sei nun maßgeblich abhängig von der Wetterlage. Der Wechsel zwischen Feucht und Kalt begünstige. Erfahrungsgemäß entspanne sich die Lage bis Mitte März.

Grippale Infekte massenweise, die schwere Grippe kaum.

Dr. Elmar Holtmann

Das Praxisteam um Internist Dr. Elmar Holtmann fährt Überstunden: „Grippale Infekte massenweise, die schwere Grippe kaum“, differenziert der Allgemeinmediziner. Seine Hoffnung, dass die Welle in dieser Woche abklingt, habe sich nicht bestätigt. Ganz im Gegenteil. Das, was gerade im Umlauf sei, sei hoch infektiös. Husten, Schnupfen, Fieber, Halsschmerzen, dazu etwas Magen und Darm – alles dabei. Die Krankenstände seien hoch, die Krankschreibungen zögen sich über fünf bis sieben Tage hin. Holtmann: „Ich höre von Patienten, dass in ihrem Büro kaum noch einer am Platz ist und Kitas wie leergefegt sind. Ein kleiner Notstand.“ Sein Team selbst habe es noch nicht erwischt. Im Gegensatz zu einer anderen Praxis. Die informiert ihre Patienten über einen Aushang, dass wegen Krankheit geschlossen ist.

Der Nächste bitte...

Der Nächste bitte... Foto: Ulrich Gösmann

Stadtsprecher Frank Merschhaus gibt für einen der größten Arbeitgeber in Ahlen Entwarnung: „Wir können hier noch nicht von einer Welle sprechen.“ Allerdings merke man schon, dass etwas in der Luft liege. Die städtischen Abteilungen seien aber voll arbeitsfähig. „Wir tun auch was dafür“, spricht Merschhaus das Gesundheitsmanagement an. Das habe etwa initiiert, dass im Rathaus Desinfektionsspender hängen. Und die würden rege genutzt.

Unterdessen sind an den Schulen viele Stühle unbesetzt. „Wir haben 35 Abmeldungen“, spricht Schulsekretärin Stefanie Striethorst für die Albert-Schweitzer-Grundschule mit 179 Kindern. Hinzu kämen die Unentschuldigten. In einer zweiten Klasse fehle knapp die Hälfte. Und die Lehrer? „Alle anwesend, aber sie hüsteln rum“, lacht Stefanie Striethorst.

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