Einrichtung ein Jahr in Ahlen
Traumazentren wichtige Schutzräume

Ahlen -

Ebenso wichtig wie unterfinanziert – so sieht Professorin Dr. Cinur Gahderi die Psychosozialen Traumazentren (PTZ). Sie war die Festrednerin zur Feier des einjährigen Bestehens des Zentrums von Innosozial in Ahlen. Dazu hatte das Team um Geschäftsführer Dietmar Zöller geladen.

Samstag, 17.03.2018, 17:03 Uhr

Feierstunde zum einjährigen Bestehen des Traumazentrums in Ahlen.
Feierstunde zum einjährigen Bestehen des Traumazentrums in Ahlen. Foto: Peter Schniederjürgen

Das PTZ für Flüchtlinge ist ein Ort, an den sich Kriegs- und andere Flüchtlinge wenden können, die wegen ihrer Nationalität, politischen oder religiösen Überzeugung oder der sexuellen Orientierung verfolgt wurden und in Deutschland zumindest zeitweiligen Schutz gefunden haben. Auf dem Weg hierhin oder als Auslöser der Flucht steht fast immer ein traumatisches Erlebnis. Das Zentrum hat sich die Aufgabe gestellt, denen zu helfen, die unter einem solchen Trauma, der posttraumatischen Belastungsstörung, leiden.

„Diese Zentren sind ein wichtiger Aspekt in jeder Integrationsarbeit“, machte die Professorin klar. Allerdings seien ein Dutzend solcher Einrichtungen im Land deutlich zu wenig. „Nur etwa fünf Prozent der Menschen, die diese Bewältigung nötig haben, kommen auch in den Genuss“, machte die Psychologin klar. Damit betonte sie die Bedeutung der Arbeit dieser wenigen Traumazentren. „Sie sind wichtige Schutzräume“, ergänzte die Wahl-Bochumerin. Dazu berichtete sie von einer Flüchtlingsfrau, die unter traumabedingten Schlafstörungen litt. „Kaum war sie auf der Liege im Zentrum, schlief sie auch schon ein“, führte die Professorin aus. Zwar sei das kein Teil der Therapie, aber ein anschauliches Bespiel, was das Trauma mit den betroffenen Menschen mache.

Diese Zentren sind ein wichtiger Aspekt in jeder Integrationsarbeit.

Dr. Cinur Gahderi

Innosozial-Geschäftsführer Dietmar Zöller führte in den Vortrag ein und unterstrich dabei die unterschiedlichen Situationen zwischen den Flüchtlingen heute und denen nach dem Zweiten Weltkrieg. „Damals gab es Gemeinsamkeiten zwischen den Einheimischen und den Dazukommenden, es war die Stunde null und ein Neubeginn für alle.“ Heute sehe das anders aus. Keine Gemeinsamkeiten, kein Aufbau, keine Stunde null. Dafür aber große Päckchen von Erlebtem, von Neuem und oft gänzlich Unverständlichem. Von der Sprache gar nicht zu reden.

„Wenn wir für das Zen­trum etwas tun können, sprechen Sie uns an“, sagte Annette Watermann-Krass in ihrem Grußwort. Die SPD-Landtagsabgeordnete sicherte ihre Hilfe und Unterstützung auch in finanziellen Fragen zu. Ebenso Daniela Noack vom Integrationsteam der Stadt. Sie überbrachte auch die Glückwünsche des Bürgermeisters.

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