Stadt-Galerie
Über schwebende Pferde und Werte der Kunst

Ahlen -

Im Künstlergespräch berichtet Silke Rehberg über die Hintergründe ihrer Pferdeplastiken, über traditionelle Werte der Kunst- und Kulturgeschichte und über Kritik an ihren Werken.

Dienstag, 03.04.2018, 18:04 Uhr

Zahlreiche Kunstinteressierte waren am Karfreitag der Einladung zum Gespräch mit Silke Rehberg (4.v.l.) gefolgt.
Zahlreiche Kunstinteressierte waren am Karfreitag der Einladung zum Gespräch mit Silke Rehberg (4.v.l.) gefolgt. Foto: wf

Nicht als wertkonservativ, aber als konservativ sieht sich Silke Rehberg. In einem Künstlergespräch bekannte die Noch-Sendenhorsterin – sie steht kurz vor dem Umzug nach Münster – am Karfreitag in der Stadt-Galerie Ahlen, dass sie sich bewusst an traditionellen Themen und Werten der Kunst- und Kulturgeschichte orientiert.

Knapp 40 Kunstinteressierte waren der Einladung der Kulturgesellschaft zu einer Begegnung mit der Künstlerin in ihrer Ausstellung mit dem Titel „In der Bar Zum Krokodil“ gefolgt, darunter zahlreiche Sendenhorster. Mitgebracht hatte Silke Rehberg nicht nur den druckfrischen Ausstellungskatalog, sondern mit Ludger Sandknop auch den dazu gehörigen Grafiker. Der Sendenhorster gab den entscheidenden Hinweis zur Aufklärung des Geheimnisses um den Titel. Beim Brainstorming sei man auf einen gleichnamigen Song einer Düsseldorfer Punkrockband gestoßen. Erst danach habe man sich an das Lied der „Comedian Harmonists“ aus den 1930er Jahren erinnert.

Zunächst führte das Gespräch zurück zu den biografischen Stationen wie Schulbesuch und Abitur am Bischöflichen Gymnasium St. Michael in Ahlen und einem Doppelstudium an der Fachhochschule für Design und der Kunstakademie Münster. „Ich war die erste, die das gemacht hat“, erklärte Silke Rehberg. Mit dem Diplom für Objektdesign und dem Akademiebrief und als Meisterschülerin von Timm Ulrichs entschied sie sich anschließend für die freie Kunst. 1999 erhielt sie den Förderpreis zum Ru­bens­preis der Stadt Siegen, nachdem sie 1995/96 einen Lehrauftrag für Bildhauerei an der Fachhochschule Dortmund wahrgenommen hatte.

Eine besondere Nähe zur Institution Kirche verneinte die Künstlerin, nicht aber zu religiösen Themen. So habe sie 2003 eine Schulbibel im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz illustriert. Der öffentlichen Kritik setzte sich die Bildhauerin mit ihrer Installation zum Kreuzweg „Achtmal Jesus“ in der Kirche St. Theresia in Münster und ihrem Denkmal für Kardinal Dr. Franz Hengsbach im Jahr 2011 in Essen aus. Nach Aufstellung der Skulptur auf dem Domplatz in Essen habe es Kritik an dem Lächeln des Kardinals und an seinem farbigen Ornat gegeben. Sie wisse aber aus zahlreichen Veröffentlichungen, dass Hengsbach oft gelächelt und es geliebt habe, in farbigen Gewändern aufzutreten. Inzwischen habe sich die Kritik an der Darstellung gelegt. Viele Besucher lichteten sich heute gerne mit dem Kardinal auf einem Selfie ab.

Die Faszination für Pferde, die in der aktuellen Ausstellung in der Stadt-Galerie sehr präsent sind und mit den Köpfen durch die Wand zu stoßen scheinen, begründete Silke Rehberg damit, dass sich mit Tieren oft auch Menschen gut beschreiben ließen. Kein Tier mit Ausnahme des Hundes sei vom Menschen durch Züchtung derart geformt worden wie das Pferd. Die Pferde früherer Reitervölker seien im Vergleich zu ihren heutigen Artgenossen sehr viel kleiner gewesen. Dass die Pferdehalbplastiken in den Raum hineinragen, erklärte die Künstlerin mit dem Hinweis auf das Reiten, bei dem sich Reiterin oder Reiter auch in einer Art Schwebezustand befänden.

Bis zum 14. April besteht noch Gelegenheit, die Ausstellung in der Stadt-Galerie, Königstraße 7, zu besuchen. Öffnungszeiten: freitags und samstags von 16 bis 19 Uhr, sonntags von 11 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung.

 

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