Podiumsdiskussion im Bürgerzentrum
Demokratie beginnt im Kleinen

Ahlen -

Kinderleicht ist Demokratie nicht. Darin war sich die große Mehrheit der Teilnehmer einer Podiumsrunde, die am Montagabend im Bürgerzentrum auf Einladung des Ortsverbandes der Arbeiterwohlfahrt in Zusammenarbeit mit dem Projekt „Demokratie leben“ über das Thema „Macht Demokratie Angst?“ diskutierte, einig. Und auch darin, das Demokratie Regeln benötigt und Verstöße sanktioniert werden müssen.

Dienstag, 08.05.2018, 21:05 Uhr

Nur wenn alle an einem Strang ziehen, demonstrierte Coolness-Trainer Jürgen Berger mit dem Seil, kann Demokratie gelingen.
Nur wenn alle an einem Strang ziehen, demonstrierte Coolness-Trainer Jürgen Berger mit dem Seil, kann Demokratie gelingen. Foto: Dierk Hartleb

Die rund 50 Besucher der Veranstaltung erlebten Thomas Philipzen in ungewohnter Rolle: Der Kabarettist aus dem Münsteraner Dreigestirn „Storno“ fungierte als Moderator, der die Diskussion mit kleinen Anekdoten aus dem eigenen Familienleben bereicherte, wenn er erzählte, dass ihn sein kleiner Sohn als „Diktator“ bezeichnet, wenn es um die Hausaufgaben geht.

In der ersten kleinen Podiumsrunde bekannte Ulla Woltering , Fachbereichsleiterin für Jugend und Soziales im Rathaus, dass der Brandanschlag in Solingen, bei dem 1993 fünf Menschen türkischer Herkunft starben, sie bewogen hat, in die SPD einzutreten. SPD-Ratsherr Serhat Ulusoy lobte später die Streitkultur in Deutschland, dass man sich die Meinung deutlich sagen und anschließend wieder zusammen ein Bier trinken könne. Das sei in manchen anderen Ländern nicht so. Awo-Vorsitzender Alois Steinkamp bedauerte, dass viele Menschen nicht mehr den Wert zu schätzen wüssten, in einem demokratischen Rechtsstaat zu leben, und schlug vor, zugewanderten Neubürgern Demokratie-Paten an die Seite zu stellen. Dass Demokratie nicht nur eine Staatsform ist, sondern auch eine Haltung, nahm Philipzen als Hinweis aus dem Publikum auf.

Konkreter wurde es, als es um die Themen Familie und Schule ging. Zum Einstieg demonstrierte Jürgen Berger als Coolness-Trainer, wie er sein Anti-Aggressions-Training versteht, indem er die Anwesenden aufforderte: „Nehmt die Hand eures Nachbarn und sagt gegenseitig: ,Du bist ein Schatz´.“

Mammutschulleiterin Elke Walter sah die Mädchen und Jungen schon im Grundschulalter durch ein austariertes Zeitmanagement verschiedenster außerschulischer Aktivitäten einem permanenten Leistungsdruck ausgesetzt, der für das Ein üben demokratischer Grund ­regeln wenig Raum lasse, und plädierte für ein Unterrichtsfach Demokratiekunde. Jaimoe Matheja und Philipp Terbrack machten als Schüler der Fritz-Winter-Gesamtschule und des Städtischen Gymnasiums ihr Wort und räumten ein, dass es in der Schule zum Beispiel bei der Lehrstoffvermittlung Grenzen der demokratischen Mitwirkung gibt.

Lisa Kalendruschat als Koordinatorin für das Projekt „Demokratie leben“ und Jennifer Schröder für die Awo bedankten sich für die engagierte Diskussion, die weitergeführt werden soll – auch mit Blick auf die Rechtspopulisten und deren vermeintlich einfache Antworten auf schwierige Fragen.

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