Ahlener auf dem Katholikentag
Treffen im Paradies

Ahlen / Münster -

Auch zahlreiche Ahlener nehmen am 101. Katholikentag in Münster teil, viele von ihnen wirken aktiv im Programm mit. So moderierte Stadtpfarrer Dr. Ludger Kaulig am Freitag eine Diskussion mit dem Imam von Penzberg, Benjamin Idriz.

Freitag, 11.05.2018, 19:05 Uhr

Das Paradies im Paulusdom war am Freitagmorgen erster Treffpunkt für Schüler und Lehrer des Bischöflichen Berufskollegs St. Michael.
Das Paradies im Paulusdom war am Freitagmorgen erster Treffpunkt für Schüler und Lehrer des Bischöflichen Berufskollegs St. Michael. Foto: Dierk Hartleb

Die Parole, die Lothar Weichel und sein Schulseelsorger Johannes Gröger für Freitag ausgegeben hatten, war ganz einfach: „Wir treffen uns um 10 Uhr im Paradies.“ Damit gemeint war natürlich die Vorhalle des Paulusdoms in Münster. Von dort aus ging es für die über 30-köpfige Gruppe des Bischöflichen Berufskollegs St. Michael zur Hildegardisschule, wo die von Schülern der acht bischöflichen Berufskollegs im Bistum ge­stalteten Friedensbriefe ausgestellt sind.

Es waren nicht die einzigen Ahlener, die sich an diesem Tag über den Weg liefen. Anne Karge und ihre Tochter Andrea Greve waren ebenfalls auf dem Domplatz un­terwegs und bereiteten sich auf ein Podiumsgespräch mit der ehemaligen EKD-Vorsitzenden Prof. Margot Käßmann über das Thema „Schuldverflechtung und Friedensengagement seit dem Ersten Weltkrieg “ im Fürstenberghaus vor.

Zu dem Zeitpunkt gestaltete Dr. Ludger Kaulig zusammen mit dem Imam von Penzberg, Benjamin Idriz , im Vom-Stein-Haus, das das Germanistische Institut der Universität beherbergt, ei­nen geistlichen Impuls. Danach stellte sich der in Ahlens bayerischer Partnerstadt tätige Imam gemeinsam mit dem Beckumer Pfarrer Rainer B. Irmgedruth unter dem Motto „Frag den Imam, frag den Pfarrer“ einem offenen Gespräch mit Besuchern. Die Stühle in einem Klassenraum in der Gesamtschule Münster-Mitte in der Jüdefelder Straße reichten für den großen Andrang kaum aus.

Idriz präsentierte sich den Zuhörern als modern denkender islamischer Theologe, für den die Einhaltung der religiösen Vorschriften wie der Verzicht auf Alkohol und Schweinefleisch oder die Einhaltung des Fastengebotes während des Ramadans, der in diesem Jahr am 16. Mai beginnt, dennoch gelebte Glaubenspraxis ist. Pfarrer Irmgedruth erinnerte daran, dass auch das Christentum solche Riten kannte, auch wenn sie heute nicht mehr angewendet würden. So waren neben Pferden auch Tiere, die nach dem Schlachten nicht ausbluten konnten, und das Fleisch von Tieren, die sich von Aas ernährten, verpönt. Dazu gehörten Raubtiere und Vögel wie Schwäne, Geier, Strauß oder Storch.

Über die Gründe, warum Muslimen und Juden der Verzehr von Schweinefleisch verboten ist, könne man heute nur spekulieren, sagte Idriz. Auch wenn einiges dafür spreche, dass Schweinefleisch ohne Kühlung schneller verdirbt, könne niemand mit Bestimmtheit sagen, ob das der Grund sei. Einer anderen theologischen Auslegung des Islams zufolge gelte das Schwein als unrein, weil es ein Allesfresser sei.

Angesprochen darauf, dass in vielen Moscheegemeinden nur auf Türkisch oder Arabisch gebetet und gepredigt werde, verwies Idriz darauf, dass es in Deutschland vier große Dachverbände für die muslimische Community gebe. Die Penzberger Moschee sei zwar wie alle anderen Gemeinden als Verein organisiert, aber gehöre keinem Dachverband an. Idriz selbst ist gebürtiger Mazedonier.

Der Koran müsse von seiner Entstehung im siebten Jahrhundert verstanden werden, forderte der Imam. Viele Suren müssten deshalb unter den heute geltenden Gegebenheiten ausgelegt werden. Einen Propheten gebe es nicht mehr und damit auch keine Offenbarung. „Aber Gott hat uns den Verstand gegeben“, so Idriz, und habe die Menschen ausdrücklich aufgefordert, ihn einzusetzen. Idriz zählt sich selbst zu den ismalischen Theologen, die für eine historisch-kritische Auslegung des Korans eintreten.

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