Vier Monate nach „Friederike“
Nicht ganz grün mit dem Stadtpark

Ahlen -

Was Orkantief „Friederike“ vor vier Monaten aus dem Ahlener Stadtpark fegte, muss jetzt durch Neuanpflanzungen wieder rein, fordert Anlieger Dr. Gotthard Friedrich.

Dienstag, 15.05.2018, 11:05 Uhr

60 neue Bäume für den Stadtpark: Dr. Gotthard Friedrichs Botschaft an die Stadt Ahlen.
60 neue Bäume für den Stadtpark: Dr. Gotthard Friedrichs Botschaft an die Stadt Ahlen. Foto: Ulrich Gösmann

Vogelgezwitscher, Brunnengeplätscher und ein blütenverzauberter Duft in klarer Frühlingsluft: Tief durchatmen reicht nicht. Dr. Gotthard Friedrich müsste beide Augen verschließen, um seinen Stadtpark wieder genießen zu können. Vier Monate, nachdem Orkantief „Friederike“ eine Schneise der Verwüstung riss, ist der Anwohner noch nicht „grün“ mit seiner Oase. Stellvertretend für andere, die ihm auf seinen Runden begegnen, bittet er am Montagmorgen zu einem Ortstermin, um weiteren Handlungsbedarf aufzuzeigen.

„Ich muss es vorwegschicken: Die Stadt hat richtig viel gemacht.“ Vom Lob schwenkt der pensionierte Mediziner gleich um auf seinen Hauptkritikpunkt: „Es wurden Büsche entfernt, die gesund waren. Es wurden sehr viele Bäume gefällt, bei denen wir uns nicht sicher sind, ob alle in einem kritischen Zustand waren.“ Auch seine Bekannten trauerten dem, was mal gestanden habe, noch nach. Friedrich: „Ich schätze, dass 60 Bäume gefällt wurden. Mein Hauptwunsch ist, dass 60 Bäume neu gepflanzt werden.“ Sollte das am Geld scheitern, könne doch über Baum-Patenschaften nachgedacht werden. Er sei sofort dabei.

Bizarr: Blankes Geäst auf großer grüner Wiese.

Bizarr: Blankes Geäst auf großer grüner Wiese. Foto: Ulrich Gösmann

Auch wenn die Wege längst wieder freigegeben und die Gärtner verschwunden seien, sieht Friedrich noch nicht alle Arbeiten gemacht: Stolpersteine am Wegesrand, lang dran runter, von schwerem Räumgerät hinterlassen. Über den Radikalschnitt inmitten der großen Wiese wolle er sich kein fachliches Urteil erlauben. Wahrscheinlich treibe der große Busch ja wieder aus. Für den Moment sehe er aber fürchterlich aus.

Es wurden sehr viele Bäume gefällt, bei denen wir uns nicht sicher sind, ob alle in einem kritischen Zustand waren.

Dr. Gotthard Friedrich

Dass sich Blätter braun um Stämme ranken, wertet Dr. Gotthard Friedrich unterdessen als positives Signal. Offensichtlich sei hier ein Hinweis aufgenommen worden, das Efeu, an dem die Bäume sonst ersticken, unten zu kappen.

Efeu rankt sich um die Sturmschäden.

Efeu rankt sich um die Sturmschäden. Foto: Ulrich Gösmann

Den Sinn der großen Brunnenanlage, die seit Jahren trocken liegt, mag der Ruheständler gar nicht mehr hinterfragen. Sein Fingerzeig richtet sich jetzt auf Baustellengitter, die quer liegen und einen beschädigten Zugang absperren. Das passe nicht in einen gepflegten Park.

Herrn Dr. Friedrichs Bereitschaft ist vorbildlich!

Stadtsprecher Frank Merschhaus

Reaktion am Mittag aus dem Rathaus. Stadtsprecher Frank Merschhaus : „Herrn Dr. Friedrichs Bereitschaft ist vorbildlich! Ich bin mir sicher, dass ihn weitere Bürgerinnen und Bürger, die sich dem Stadtpark verbunden fühlen, in seinem Engagement unterstützen werden. Ich muss jedoch Erwartungen dämpfen, dass sich kurzfristig im Stadtpark etwas in seinem Sinne verändert.“

Spuren, die Räumgeräte hinterließen.

Spuren, die Räumgeräte hinterließen. Foto: Ulrich Gösmann

Bedingt durch die „Grünbaustellen“ im Berliner Park, im Richterbachpark, an den Läufen von Richterbach und Olfe sowie an den renaturierten Werseauen habe die Neukonzeptionierung des Stadtparks noch nicht in Angriff genommen werden können. „Das kann die Stadt Ahlen personell und finanziell derzeit nicht leisten“, so Merschhaus weiter. Sie sei aber konkret am Ball: Aus dem Stadterneuerungsprogramm 2018 seien im vergangenen Jahr 50 000 Euro beantragt worden, um Planungskosten für die Umgestaltung des Stadtparks zu fördern (Bund-Länder-Programm „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“). Ob und in welchem Umfang dem Antrag entsprochen werde, müssten die nächsten Wochen zeigen. Angesichts der herausragenden Bedeutung, die der Stadtpark als innerstädtischer Knotenpunkt für Fußgänger und Radfahrer entlang des Wersewegs und vis-à-vis dem Krankenhaus habe, müsse mit bürgerschaftlicher Beteiligung ein grundlegendes Konzept geschaffen werden. Erste Schritte sollen noch in diesem Jahr gemacht werden.

Der Kitzig-Brunnen, einst von Bäumen idyllisch umschlossen, liegt frei.

Der Kitzig-Brunnen, einst von Bäumen idyllisch umschlossen, liegt frei. Foto: Ulrich Gösmann

Bis dahin bittet die Stadt um Verständnis, dass ohne Vorliegen eines abgestimmten Konzepts keine weitreichenden Aufforstungen vorgenommen werden.

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