Ehrenamtliche Gartenfachberaterin
Ein Garten ist ein komplexes System

Ahlen -

Warum darf man Rhabarber nur bis zum 21. Juni essen oder warum muss man Kartoffeln anhäufeln? Antworten auf solche Fragen bekam Gabriela Schulz in einem Lehrgang beim Bezirksverband der Kleingärtner. Nun gibt sie ihr Wissen als ehrenamtliche Gartenfachberaterin weiter.

Freitag, 25.05.2018, 14:00 Uhr

Rhabarber ist nur bis zum 21. Juni genießbar. Dies und vieles mehr lernte Gabriela Schulz im Lehrgang und kann es nun nicht nur im eigenen Garten anwenden. Ihr Wissen gibt sie auch an andere Hobby- oder Kleingärtner weiter.
Rhabarber ist nur bis zum 21. Juni genießbar. Dies und vieles mehr lernte Gabriela Schulz im Lehrgang und kann es nun nicht nur im eigenen Garten anwenden. Ihr Wissen gibt sie auch an andere Hobby- oder Kleingärtner weiter. Foto: Peter Schniederjürgen

Wenn der Garten zur Passion wird, zieht das oft Ungeahntes nach sich. Ga­briela Schulz fing mit einem etwas vernachlässigten Nutz-Kleingarten an. Heute ist die gelernte Erzieherin neben dem Job noch ehrenamtliche Gartenfachberaterin. Und das nicht nur im heimischen Kleingartenverein „Goldener Erntekranz“. Denn hier liegen ihre gärtnerischen Wurzeln. Alles begann mit einer kleinen Parzelle am nördlichen Rand der Gartenanlage.

„Das war ein verwunschenes Fleckchen Erde, als ich den Garten 2015 übernahm“, erinnert sich die Jung-Gärtnerin. Dabei spukten ihr so allerlei Ideen, wie sie ihr privates Paradies gestalten will, im Kopf herum. Etwas Nutz-, etwas Ziergarten und etwas zum Naschen, die Ruhezone nicht zu vergessen. Ein kleiner Teich, oh gern. „Gut, Letzterer war schon da und viele alte Bäume auch“, sagt Gabriela Schulz. Doch zwischen Idee und Realität klaffte eine große Wissenslücke. Beispiel Rhabarber. „Warum darf man den nur bis zum 21. Juni essen oder warum muss man Kartoffeln anhäufeln?“, fragte sich die Gartennovizin. Antworten wie „Das haben wir schon immer so gemacht“ reichten ihr verständlicherweise nicht aus.

Abhilfe versprach ein Seminar des Kleingartenverbandes. Schulz, mittlerweile als Beisitzerin im Vereinsvorstand tätig, informierte sich und wurde bald darauf angesprochen, einen Lehrgang zur Fachberaterin beim Bezirksverband in Lünen abzulegen. „Das waren mal locker zwei Wochenenden und dann noch mal eine Woche am Stück“, stöhnt die Gartenfreundin noch immer im Rückblick. Es kam ihr vor, wie früher die Leistungskurse Bio und Chemie. Anstrengend, aber effektiv. Vor allem aber wurden ihre Fragen nun endlich ausführlich beantwortet. „Im Rhabarber bildet sich nach diesem besagten Datum eine Säure, die schädlich ist, und das Häufeln dient dem Lichtschutz der Kartoffeln“, weiß sie heute und noch eine ganze Menge mehr.

Blickfang: Die Seerose auf dem Gartenteich.

Blickfang: Die Seerose auf dem Gartenteich. Foto: Peter Schniederjürgen

Denn in der Verbandsschule in Lünen blickte sie um einiges weiter als über den eigenen Gartenteich. So lernte sie auch etwas über die indianische Art der Landwirtschaft. „Die Maya ackerten mit drei Pflanzen gleichzeitig“, berichtet Schulz. Mais, Bohnen und Kürbisse. Ein Dreiklang der sich im Wortsinn schützt und stützt. „Der Mais ist die Kletterhilfe der Bohnen, die Kürbisse beschatten den Boden und schützen vor Austrocknung“, erklärt die Fachfrau. Ihr Anliegen ist es, Gärten ganzheitlich zu betrachten. Sie will das Ganze als ein komplexes System verstanden wissen. Dazu zählt nicht nur die Fruchtfolge, analog zur historischen „Drei-Felder-Wirtschaft“. „Besonders spannend fand ich den Zusammenhang zwischen Mondphasen und Pflanzzeiten“, schwärmt Ga­briela Schulz. Allerdings gab es auch echte Durststrecken. Denn die Frau war von der chemischen Seite des Kurses, die zwar wichtig, aber eben nicht so spannend ist, mäßiger begeistert. „Dennoch ist es nötig, auch hier die Zusammenhänge und Wechselspiele im natürlichen Kreislauf zu verstehen und wie sich die moderne Chemie darauf auswirkt“, schildert sie. Gartengestaltung, Pflanzenbestimmung und so unendlich vieles mehr strömte auf die Junggärtnerin ein. Am Schluss wartete noch eine schwierige Prüfung und dann belohnte das Zertifikat für alle Mühen.

„Das ist aber trotzdem für mich nur der Anfang, viele meiner Gartenfreunde wissen einfach durch ihre Erfahrung viel mehr als ich, und ich freue mich immer, wenn ich von diesem Erfahrungsschatz was abbekomme“, bedankt sie sich bei den Nachbarn und Freunden für die vielfältige Unterstützung. Heute ist sie im Kleingartenbezirksvorstand als gewählte Gartenfachberaterin für knapp zwei Dutzend Vereine tätig. Wer Fragen an die Fachfrau hat kann sie unter mail@bzv-kleingarten-waf.de kontaktieren.

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