Städtisches Gymnasium
Aufwühlend gespielter Machtmissbrauch

Ahlen -

Der Literaturkurs Q1 des Städtischen Gymnasiums hatte sich wahrlich keinen leichten Stoff für seine Theatervorführung ausgewählt.

Donnerstag, 12.07.2018, 17:00 Uhr

Schikane im Gefängnisexperiment: Die Gefangenen (Chantall Möllenhoff, Gioia de Pasquale, Nico Nieddu und Leon Große Westermann) müssen wie Hunde das vor ihnen liegende Essen verzehren.
Schikane im Gefängnisexperiment: Die Gefangenen (Chantall Möllenhoff, Gioia de Pasquale, Nico Nieddu und Leon Große Westermann) müssen wie Hunde das vor ihnen liegende Essen verzehren. Foto: Ralf Steinhorst

Aufwühlend und schaurig präsentierte der Literaturkurs Q1 des Städtischen Gymnasiums in der Aula der Schule das gesellschaftskritische Theaterstück „Das Experiment“, das an den gleichnamigen Roman von Mario Giordanos angelehnt ist. Es zeigt deutlich auf, wie sich Menschen mit neugewonnener Macht radikal verändern können.

In dem Experiment gehen die Wissenschaftlerinnen Prof. Dr. Thon und Dr. Grimm der Frage nach, wie sich 13 Versuchspersonen auf freiwilliger Basis in einem 14-tägigen simulierten Gefängnisaufenthalt im Psychologischen Institut Münster verhalten, wofür sie mit 200 Euro pro Tag honoriert werden. Die fünf Wärter und sieben Gefangenen werden nach dem Zufallsprinzip ausgesucht.

Schon schnell legen die Wärter ihr normales alltägliches Verhalten ab und steigern sich in ihre Rollen als machtbewusste Aufseher hinein, die ohne Gnade ihre Gefangenen auch mit Foltermethoden schikanieren und dabei steigende Lust empfinden. „Es ist doch nur eine Simulation“, äußert sich etwa Wärter Eckert, gespielt von Cedric Matz, stellvertretend für seine Wärterkollegen über die Situation, die für sie jegliches Handeln rechtfertigt.

Die Situation im simulierten Gefängnis aber eskaliert immer mehr, so dass die wissenschaftliche Assistentin Dr. Grimm als erste erkennt, dass das Experiment aus dem Ruder läuft. Bei ihrer Vorgesetzten Prof. Dr. Thon stößt sie mit ihrer Forderung, das Projekt abzubrechen, auf Ablehnung: „Das Experiment hängt an Fördergeldern, es wird sich wieder stabilisieren.“

Als Dr. Grimm von sich aus das Experiment stoppen will, wird sie selbst von den Wärtern gefangenen genommen, die das Ende des Experiments unbedingt verhindern wollen. Die Machtgier der in schwarz gekleideten Wächter hat sich inzwischen grenzenlos verselbstständigt. Nur ein Aufstand unter der Führung eines Hauptmanns der Bundeswehr, der sich unerkannt unter den Gefangenen befindet, beendet unter katastrophalen Umständen das Projekt. Dabei kommt sogar eine Schusswaffe zum Einsatz.

Ein halbes Jahr haben die 18 Schüler des Literaturkurses das Stück eingeübt, das sie am Ende, gerade in den Wärterrollen, auch erschreckend überzeugend spielen. Die Jugendlichen hatten den Stoff selbst ausgewählt. „Das Stück geht sie selber etwas an“, sah der Literaturkurslehrer Tobias Meermann den entscheidenden Grund, dass die Wahl der jungen Leute gerade auf diese herausfordernde Literatur fiel.

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